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THORChain verweigert Bitget-Forderung nach Adresssperre: Hacker tauscht rund 6 Millionen Dollar ETH in Bitcoin

Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 28. September 2026

THORChain verweigert Bitget-Forderung nach Adresssperre: Hacker tauscht rund 6 Millionen Dollar ETH in Bitcoin

Tage nach dem verheerenden Hack auf die Kryptobörse Bitget tauscht der mutmaßliche Angreifer gestohlene Mittel über ein dezentrales Protokoll in eine andere Kryptowährung um — und Bitgets Versuch, das zu stoppen, scheitert an den technischen Grundprinzipien eben dieses Systems. Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Cointelegraph wies THORChain — ein Protokoll, das den direkten Tausch verschiedener Kryptowährungen ohne Mittelsmann ermöglicht — am 28. September 2026 die Forderung von Bitget-CEO Gracy Chen zurück, Angreifer-Adressen zu sperren, während ein verknüpftes Wallet rund 6,3 Millionen US-Dollar in Ether gegen Bitcoin tauschte. Der Fall berührt eine zentrale Frage im Krypto-Bereich: Wie weit reicht der Schutz von Nutzern, wenn dezentrale Systeme keine Ausnahmen kennen?

27 Swaps in drei Stunden: So lief die Umwandlung der gestohlenen Mittel ab

Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk führte ein mit dem Angreifer verknüpftes Ethereum-Wallet am Montag in 27 erfolgreichen Durchgängen insgesamt rund 2.390 ETH aus — umgerechnet etwa 6,3 Millionen US-Dollar. Das Ergebnis: 75,2 Bitcoin, alle ausgezahlt an eine einzige Empfängeradresse. Die Transaktionen liefen zwischen 03:55 und 06:23 UTC in gleichmäßigen Paketen von je etwa 100 ETH (rund 265.000 US-Dollar pro Paket). Vier weitere Swaps über insgesamt 400 ETH waren zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch als ausstehend markiert.

Bitget-CEO Gracy Chen wandte sich öffentlich an THORChain und forderte, den identifizierten Adressen den Dienst zu verweigern. Sie bot außerdem eine Prämie von fünf Prozent für das Einfrieren oder die Rückgewinnung gestohlener Mittel an. THORChain lehnte ab — und zwar nicht aus Unwilligkeit, sondern aus einem strukturellen Grund: Wie Cointelegraph berichtet, kennt das Protokoll schlicht keine adressbezogene Blacklist. Ein Netz-Halt — das einzige verfügbare Stopp-Werkzeug — würde den gesamten Dienst für alle Nutzer unterbrechen und ist als Notfallmechanismus bei Sicherheitsproblemen im eigenen System gedacht, nicht als gezieltes Instrument gegen einzelne Adressen.

Parallel dazu nahm Bitget laut Cointelegraph am Montag Bitcoin-Abhebungen wieder auf; Ether-Abhebungen folgten für Dienstag, USDT für Mittwoch — ohne Vorrang für Institutionen oder VIP-Kunden.

Wenn „permissionless" kein Marketingversprechen ist, sondern eine technische Realität

Der Bitget-Fall macht eines sehr deutlich: Dezentralität ist keine Philosophie, die ein Protokoll je nach Lage ein- oder ausschalten kann. THORChain hat keine adressbezogene Sperrliste abgelehnt, weil es das nicht wollte — eine solche Funktion existiert im Protokoll schlicht nicht. Wer das versteht, begreift, warum Bitget-CEO Gracy Chens öffentliche Forderung ins Leere laufen musste.

Das Spannungsfeld ist real und betrifft jeden, der Krypto nutzt: Zentralisierte Börsen wie Bitget versprechen ihren Kunden Verbraucherschutz, haftbare Ansprechpartner und im Notfall Eingriffsmöglichkeiten. Dezentrale Protokolle wie THORChain versprechen das Gegenteil — nämlich, dass niemand eingreifen kann, auch kein Staat, auch keine Börse, auch kein Hacker-Opfer. Beide Eigenschaften sind zwei Seiten derselben Münze.

Für deutsche Nutzer ist das keine abstrakte Debatte. Wer Mittel auf einer zentralisierten Börse verwahrt, ist von deren Sicherheitsstandards abhängig. Wer gestohlene Gelder über dezentrale Protokolle verschiebt, hinterlässt dabei zwar eine öffentlich einsehbare Spur auf der Blockchain — THORChain macht Transaktionen sichtbar, nicht unsichtbar — doch ebenso öffentlich ist: Eine Rückholung ist technisch nicht vorgesehen.

Der einzige Hebel, den THORChain kennt, ist ein Notfall-Halt des gesamten Protokolls — ein drastisches Mittel mit Kollateralschäden für alle Nutzer weltweit. Den wegen eines fremden Hacks auszulösen, wäre schwer zu rechtfertigen. Das Dilemma bleibt vorerst ungelöst.

Warum THORChain gar keine Wahl hatte

THORChain ist ein dezentrales Cross-Chain-Protokoll — vereinfacht gesagt: eine automatisierte Tauschmaschine, die Kryptowährungen verschiedener Blockchains direkt gegeneinander wechselt, ohne dass ein Unternehmen oder eine zentrale Instanz den einzelnen Vorgang freigibt oder ablehnt. Genau das ist der Kern des sogenannten Permissionless-Prinzips: Das Protokoll behandelt jede Transaktion gleich, unabhängig davon, woher die Gelder stammen.

Eine Adress-Blacklist — also eine Liste gesperrter Wallets — ist in THORChains Protokoll schlicht nicht vorgesehen. Das ist keine Entscheidung gegen den Verbraucherschutz, sondern ein technisches Grundmerkmal, das THORChain von einer regulierten Krypto-Börse unterscheidet. Was das Protokoll kann: jeden Swap öffentlich einsehbar auf der Blockchain dokumentieren — Rückverfolgung ja, Blockade nein. Ein Nothalt des gesamten Netzwerks existiert zwar, greift aber nur bei Sicherheitsrisiken für das Protokoll selbst.

Häufige Fragen

Warum kann THORChain einzelne Adressen nicht einfach sperren?

THORChain ist als erlaubnisfreies Protokoll konzipiert — das bedeutet, dass jeder ohne Registrierung oder Genehmigung Kryptowährungen tauschen kann. Eine adressbezogene Schwarzliste ist im Protokoll technisch schlicht nicht vorgesehen. Was existiert, ist ein Notfall-Halt für das gesamte Netzwerk, der alle Transaktionen gleichzeitig stoppt. Diesen Mechanismus für eine einzelne Adresse einzusetzen, wäre laut THORChain technisch nicht möglich und konzeptionell zweckwidrig.

Was bedeutet das für betroffene Bitget-Nutzer?

Laut Cointelegraph nahm Bitget die Bitcoin-Abhebungen am 28. September 2026 wieder auf; Ether-Abhebungen sollten einen Tag später folgen, USDT-Abhebungen am übernächsten Tag. Dabei gab es laut Cointelegraph keine Vorrangbehandlung für Institutionen, VIP-Kunden oder Mitarbeiter — alle Nutzer wurden gleich behandelt.

Sind gestohlene Mittel auf THORChain spurlos verschwunden?

Nein. Obwohl THORChain keine Transfers blockiert, sind alle Swaps öffentlich einsehbar und auf der Blockchain nachvollziehbar. Die 27 abgeschlossenen Tauschvorgänge — und die vier zu diesem Zeitpunkt noch ausstehenden — ließen sich laut CoinDesk exakt zeitlich und volumenmäßig zuordnen. Transparenz ersetzt jedoch keine Sperrfunktion.

Quellen