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Digital Chamber CEO Carbone vor US-Senat: Stablecoins und Tokenisierung als Lösung für Finanzkosten

Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 23. Juni 2026

Digital Chamber CEO Carbone vor US-Senat: Stablecoins und Tokenisierung als Lösung für Finanzkosten

Am 23. Juni 2026 hat Cody Carbone, CEO der Digital Chamber — nach eigenen Angaben die weltgrößte Handelsvereinigung für digitale Assets — vor dem US-Senatsausschuss für Bankwesen ausgesagt und dafür plädiert, Stablecoins und tokenisierte Vermögenswerte als Mittel gegen hohe Finanzgebühren und den Ausschluss einkommensschwacher Bevölkerungsgruppen vom Finanzsystem einzusetzen. Für deutsche Leser ist das relevant: Der wachsende Regulierungsdruck in den USA auf diese Technologien beeinflusst auch den europäischen Markt — und damit Fragen rund um grenzüberschreitende Zahlungen und Unternehmenskosten hierzulande.

Zahlen statt Versprechen: Das Datenfundament von Carbones Aussage

Carbone stützte seinen Vortrag im Rahmen der Anhörung „The Affordability Agenda" auf eine Reihe externer Studien, laut dem Testimony-Blogbeitrag (The Digital Chamber).

Den Ausgangspunkt bildeten Zahlen zur finanziellen Verwundbarkeit: Laut einer Erhebung der US-Notenbank Federal Reserve vom Mai 2026 können nur 63 Prozent der US-Erwachsenen eine unvorhergesehene Ausgabe von 400 US-Dollar aus eigenen Ersparnissen begleichen. Die US-Einlagensicherungsbehörde FDIC zählte für 2023 rund 5,6 Millionen Haushalte ohne Bankkonto und weitere 19 Millionen, die zwar ein Konto haben, aber kaum Zugang zu regulären Bankdienstleistungen besitzen.

Besonders ins Gewicht fiel das Argument zu internationalen Überweisungen: Die Weltbank beziffert die durchschnittlichen globalen Kosten für Geldtransfers ins Ausland auf 6,36 Prozent — mehr als doppelt so hoch wie das international angestrebte Ziel von 3 Prozent. Als Gegenbeispiel nannte Carbone Stripe: Der Zahlungsdienstleister bietet Stablecoin-Abwicklung für 1,5 Prozent des Transaktionsbetrags an — ein Paketpreis, der bereits Währungsumrechnung, Anti-Geldwäsche-Prüfung (AML-Screening), Betrugsprävention und sogenanntes Gas-Sponsoring — also die Übernahme der Netzwerkgebühren — umfasst.

Ergänzend verwies Carbone auf McKinsey-Daten, wonach B2B-Stablecoin-Zahlungen — also Überweisungen zwischen Unternehmen — im Jahresvergleich um 733 Prozent gewachsen sind und rund 226 Milliarden US-Dollar ausmachen.

Warum US-Regulierung auch deutsche Unternehmenskassen betrifft

Die Anhörung ist mehr als ein amerikanisches Innenpolitik-Schauspiel. Sie zeigt, wie weit sich der Diskurs in Washington verschoben hat: Stablecoins — also digitale Token, die an einen stabilen Wert wie den US-Dollar gekoppelt sind — gelten dort nicht länger als Spekulationsobjekt, sondern als ernsthaftes Werkzeug zur Kostensenkung im Zahlungsverkehr.

Für deutsche Unternehmen ist das aus einem konkreten Grund interessant: Wer heute international überweist, zahlt im Schnitt deutlich mehr als drei Prozent Gebühren — das genannte Niveau, das internationale Organisationen eigentlich als Ziel ausgegeben haben. Der angeführte Stripe-Tarif von 1,5 Prozent für Stablecoin-Zahlungen klingt attraktiv, beinhaltet aber bereits Fiat-Umrechnung, Geldwäscheprüfung und Netzwerkgebühren — ein fairer Vergleich mit klassischen Überweisungskosten ist deshalb nicht ganz einfach.

Wichtig ist auch, was diese Anhörung nicht bedeutet: Ein US-Gesetz ist noch nicht in Kraft. Der im Ausschuss vorangebrachte Digital Asset Market Clarity Act ist ein Komitee-Votum — kein beschlossenes Bundesgesetz. Der Weg bis zur Umsetzung ist lang.

In Europa gilt seit 2024 die MiCA-Verordnung — das europäische Regelwerk für Kryptowerte — und schafft damit einen eigenen Rechtsrahmen. Der steigende regulatorische Rückenwind in den USA erhöht den Druck auf europäische Anbieter, wettbewerbsfähige Lösungen anzubieten. Für deutsche Nutzer bleibt die Frage: Welche regulierten Stablecoin-Angebote sind MiCA-konform und tatsächlich im Alltag nutzbar? Diese Lücke schließt Washington nicht — sie muss Europa selbst füllen.

Stablecoins und Tokenisierung: Was hinter den Schlagwörtern steckt

Zwei Konzepte stehen im Mittelpunkt der Anhörung. Stablecoins sind digitale Zahlungsmittel, deren Wert an eine stabile Größe gekoppelt ist — meist den US-Dollar — und deshalb nicht den starken Kursschwankungen typischer Kryptowährungen unterliegen. Das macht sie für alltägliche Zahlungen und Überweisungen interessanter als etwa Bitcoin.

Tokenisierung bezeichnet den Prozess, reale Vermögenswerte — zum Beispiel Anleihen oder Immobilien — als digitale Einheiten auf einer Blockchain abzubilden. Laut Befürwortern könnten dadurch Transaktionen schneller und kostengünstiger abgewickelt werden, weil Zwischenhändler wegfallen.

Beide Technologien existieren nicht im regulatorischen Vakuum: In Europa hat die MiCA-Verordnung (Markets in Crypto-Assets) seit 2024 einen einheitlichen Rahmen für Stablecoins und digitale Assets geschaffen. Was der US-Kongress nun gesetzlich regelt, beeinflusst indirekt auch, wie sich globale Standards entwickeln — und welche Produkte letztlich auf europäischen Märkten auftauchen.

Häufige Fragen

Was ist die Digital Chamber – und warum darf sie vor dem US-Senat aussagen?

Die Digital Chamber ist eine Lobbyorganisation, die nach eigenen Angaben über 250 Unternehmen aus der Krypto- und Blockchain-Branche vertritt. Im US-amerikanischen Gesetzgebungsprozess ist es üblich, dass Ausschüsse Branchenvertreter, Wissenschaftler und NGOs zu Anhörungen einladen, um verschiedene Perspektiven zu einem Thema zu hören. Eine Aussage vor dem Senat ist kein Beschluss – sie fließt als Meinungsbeitrag in den politischen Diskurs ein, bindet den Gesetzgeber aber zu nichts.

Was bedeutet „unbanked" und „underbanked" konkret?

Als unbanked gelten Haushalte ohne jedes Bankkonto – sie können weder Überweisungen empfangen noch Ersparnisse auf herkömmlichem Weg anlegen. Underbanked beschreibt Menschen, die zwar ein Konto besitzen, für grundlegende Dienste wie Kredite oder Zahlungsabwicklung aber auf teure Alternativen angewiesen sind. Laut FDIC betraf das in den USA im Jahr 2023 zusammen rund 24,6 Millionen Haushalte – der Ausgangspunkt für Carbones Argumentation zugunsten günstigerer digitaler Alternativen.

Quellen