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US-Krypto-Lobby fordert unveränderte Verabschiedung von Mining- und Staking-Steuergesetz

Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 23. Juni 2026

US-Krypto-Lobby fordert unveränderte Verabschiedung von Mining- und Staking-Steuergesetz

Drei der mächtigsten US-Krypto-Lobbyverbände haben sich am 22. Juni 2026 in einem gemeinsamen Brief an den US-Kongress gewandt und gefordert, ein geplantes Steuergesetz für Mining- und Staking-Erträge unverändert zu verabschieden — das berichten übereinstimmend CoinDesk und Cointelegraph. Das Gesetz würde Krypto-Nutzern erstmals die Wahl lassen, wann sie Steuern auf ihre Erträge zahlen: beim Erhalt oder erst beim Verkauf. Für deutsche Anleger ist das relevant, denn dieselbe Grundsatzfrage — ab wann gelten Krypto-Rewards als steuerpflichtiges Einkommen? — ist auch hierzulande alles andere als abschließend geklärt.

Wahlrecht beim Steuerzeitpunkt: Was der Brief der Lobbyverbände konkret fordert

Im Zentrum des Briefes steht der „Tax Clarity for Mining and Staking Act", eingebracht von Repräsentant Mike Carey (Republikaner, Ohio). Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Cointelegraph adressieren die Blockchain Association, der Crypto Council for Innovation und The Digital Chamber in ihrem Schreiben den Ausschussvorsitzenden Jason Smith sowie den ranghöchsten Demokraten Richard Neal — beide Mitglieder des House Ways and Means Committee, dem zuständigen Steuerausschuss des Repräsentantenhauses.

Der Auslöser für den Brief: Der demokratische Abgeordnete Steven Horsford hat einen Änderungsantrag eingebracht, der die Aufschubmöglichkeit auf fünf Jahre begrenzen würde. Ji Hun Kim, CEO des Crypto Council for Innovation, bezeichnete diesen Eingriff laut Cointelegraph als geeignet, das Gesetz zu „zerbrechen". Gegenwind kommt auch von der American Bankers Association, die bemängelt, das Gesetz bevorzuge Kryptowährungen gegenüber klassischen Anlageformen wie Dividenden.

Das Gesetz befindet sich noch in einem frühen Stadium: Es hat den Ausschuss bislang nicht verlassen, und die verbleibende Zeit im laufenden Kongress ist begrenzt. Ergänzt wird es laut Cointelegraph durch den PARITY Act (eingeführt im Mai 2026), der die Steuerbehörde IRS anweisen soll zu prüfen, welche Ausnahmen für kleine Krypto-Transaktionen möglich sind.

Warum dieser US-Steuerstreit auch für deutsche Krypto-Nutzer ein Spiegel ist

Der eigentliche Kern dieser Lobbykampagne ist keine technische Feinheit, sondern eine grundlegende Gerechtigkeitsfrage: Ist eine Krypto-Belohnung in dem Moment Einkommen, in dem sie ins Wallet eintrifft — oder erst dann, wenn sie tatsächlich zu Geld gemacht wird? Die US-Krypto-Branche antwortet darauf mit einem klaren "beides sollte möglich sein" und mobilisiert dafür die schwersten verfügbaren Geschütze.

Bemerkenswert ist der offene Widerstand der American Bankers Association: Dass der traditionelle Bankensektor das Gesetz als ungerechtfertigte Bevorzugung gegenüber klassischen Anlageformen wie Dividenden kritisiert, zeigt, wie stark die Interessengegensätze zwischen etablierter Finanzwirtschaft und Krypto-Branche in Washington gerade aufeinanderprallen. Hier geht es längst nicht mehr nur um Steuerdetails, sondern um die Frage, nach welchen Regeln ein neues Finanzökosystem gespielt werden darf.

Für deutsche Anleger hat dieser Streit keine direkte Rechtswirkung — US-Gesetze gelten nicht in der EU. Der Signalwert ist dennoch real: Dieselbe Grundsatzfrage, ab wann Rewards aus Staking oder Mining als steuerpflichtiger Zufluss zu behandeln sind, beschäftigt Finanzbehörden und Anleger in vielen Ländern. Wie die USA diesen Konflikt lösen — oder scheitern, ihn zu lösen — wird internationale Debatten beeinflussen.

Dass das Gesetz die Ausschussphase noch nicht einmal verlassen hat und die verbleibende Legislaturzeit knapp ist, mahnt zur Nüchternheit: Vorerst bleibt es beim Appell, nicht beim Gesetz.

Wann wird Krypto-Einkommen zum Einkommen? Der Kern der Steuerdebatte

Im Mittelpunkt des Streits stehen zwei Arten, wie Krypto-Netzwerke neue Coins erzeugen und verteilen: Beim Mining — also dem rechenintensiven Betrieb spezieller Hardware — erhalten Teilnehmer Coins als Belohnung für die Absicherung des Netzwerks. Beim Staking hingegen hinterlegen Nutzer bestehende Coins als Pfand und bekommen dafür regelmäßige Erträge — vergleichbar mit Zinsen auf ein Sparkonto.

Die steuerliche Kernfrage ist dieselbe wie bei anderen Einkommensarten: Entsteht die Steuerpflicht in dem Moment, in dem der Wert zufließt — oder erst dann, wenn man ihn tatsächlich zu Geld macht? In den USA gibt es dazu bislang keine eindeutige gesetzliche Regelung, was Mining- und Staking-Betreiber in eine rechtliche Grauzone zwingt. Genau diese Lücke will der Tax Clarity for Mining and Staking Act schließen.

Häufige Fragen

Was genau bedeutet die Wahlmöglichkeit beim Steuerzeitpunkt?

Das geplante Gesetz würde Minern und Staking-Empfängern erlauben, selbst zu entscheiden, wann ihre erhaltenen Krypto-Rewards steuerlich erfasst werden: entweder direkt beim Erhalt — also in dem Moment, in dem die Coins oder Token gutgeschrieben werden — oder erst beim späteren Verkauf. Es geht dabei nicht um einen unbegrenzten Aufschub, sondern um zwei klar definierte Zeitpunkte der Steuerpflicht.

Warum ist der Änderungsantrag von Rep. Horsford umstritten?

Der demokratische Abgeordnete Steven Horsford hat einen Änderungsantrag eingebracht, der die Möglichkeit, Steuern auf den Zeitpunkt des Verkaufs zu verschieben, auf fünf Jahre begrenzen würde. Die Lobbyorganisation Crypto Council for Innovation bezeichnete diesen Eingriff als geeignet, das Gesetz grundlegend zu beschädigen — weil er die Wahlfreiheit, die den Kern des Gesetzes ausmacht, faktisch aushöhlen würde.

Gilt dieses Gesetz auch für deutsche Krypto-Nutzer?

Nein. Es handelt sich um einen US-amerikanischen Gesetzentwurf, der ausschließlich im US-Steuerrecht Wirkung entfalten würde. Für Anleger in Deutschland gelten die deutschen Steuerregeln. Das Verfahren kann jedoch als Orientierungspunkt dienen, wie andere Länder mit der grundsätzlichen Frage umgehen, ab wann Krypto-Erträge als Einkommen zu werten sind.

Quellen