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Strategy stoppt Bitcoin-Käufe und baut USD-Reserve auf 3 Milliarden Dollar aus
Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 13. Juli 2026

Seit dem 22. Juni 2026 hat Strategy — das US-Unternehmen, das unter seinem früheren Namen MicroStrategy als größter institutioneller Bitcoin-Halter bekannt wurde — keinen einzigen Bitcoin mehr gekauft; laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Decrypt ist es die dritte Kaufpause in Folge. Stattdessen hat das Unternehmen seine Dollar-Reserve auf rund drei Milliarden US-Dollar ausgebaut — vor allem durch eine Aktienplatzierung, ergänzt durch den Verkauf eines kleinen Teils seines Bitcoin-Bestands. Für deutsche Anleger zeigt der Fall, wie schnell eine auf Pump finanzierte Krypto-Strategie unter Liquiditätsdruck gerät, sobald die Kurse fallen.
Verkäufe, Aktienausgabe, Schuldendienst: Wie Strategy seinen Drei-Milliarden-Puffer zusammenbaute
Laut übereinstimmenden Berichten von Strategy Pauses Its Bitcoin Buying Spree to Hoard a Massive $3 Billion Cash Cushion (CoinDesk) und Strategy Pads Cash Reserves to $3 Billion, Skipping Bitcoin Buy Third Week (Decrypt) setzte sich die Dollar-Reserve vor allem aus einer Stammaktienplatzierung zusammen, die 467 Millionen US-Dollar einbrachte. Hinzu kamen Erlöse aus zwei Bitcoin-Verkäufen in der Woche bis zum 5. Juli: Am 30. Juni wurden 1.363 BTC für rund 80,8 Millionen Dollar abgestoßen, wenige Tage später weitere 2.225 BTC für etwa 135,2 Millionen Dollar — zusammen rund 216 Millionen Dollar. Insgesamt hält Strategy nach diesen Transaktionen noch 843.775 Bitcoin.
Der Aufbau der Reserve hat einen konkreten Grund: Das Unternehmen muss laufende Zahlungsverpflichtungen bedienen. Dazu gehören unter anderem Dividenden auf das börsennotierte Vorzugsaktien-Produkt STRC (kurz für „Stretch") — eine Vorzugsaktie, die Inhaber mit 12 Prozent jährlicher Dividende entlohnt, aktuell aber bei rund 87 Dollar notiert und damit deutlich unter dem Nennwert von 100 Dollar liegt. Die gesamten annualisierten Dividenden- und Zinsverpflichtungen belaufen sich auf rund 1,76 Milliarden Dollar pro Jahr; der Drei-Milliarden-Puffer reicht rechnerisch für etwa 20,4 Monate — knapp eineindreiviertel Jahre. Zusätzlich darf Strategy laut eigenen Angaben bis zu 1,25 Milliarden Dollar in Bitcoin verkaufen, um diese Ausschüttungen zu finanzieren. Ökonom Peter Schiff kommentierte die Lage kritisch und warf dem Unternehmen vor, „unnötigerweise Aktionärswert vernichtet" zu haben.
Wenn der Puffer wichtiger wird als der Bestand: Was Strategys Kurswechsel wirklich bedeutet
Das Entscheidende an Strategys aktuellem Schritt ist nicht der Schlagzeilen-Wert „kein Bitcoin-Kauf", sondern das Warum dahinter. Das Unternehmen hat sich über Jahre mit Anleihen und Vorzugsaktien — börsennotierte Wertpapiere, die ähnlich wie Anleihen feste Ausschüttungen versprechen, aber kein Stimmrecht gewähren — finanziert, um Bitcoin zu kaufen. Solange Bitcoin-Kurse stiegen, schien dieses Modell aufzugehen. Sinken die Kurse, dreht sich die Logik um: Die Ausschüttungsverpflichtungen laufen weiter, der Gegenwert des Bestands schrumpft.
Das zeigt der aktuelle Stand deutlich. Der Bestand liegt rechnerisch rund elf Milliarden Dollar im Minus gegenüber den Einstandspreisen — und das Unternehmen muss jährlich rund 1,76 Milliarden Dollar an Dividenden und Zinsen bedienen. Die neu aufgebaute Drei-Milliarden-Reserve kauft Zeit: rund 20 Monate Puffer, wenn man nur diese Verpflichtungen betrachtet.
Für Anleger — auch in Deutschland — illustriert der Fall ein strukturelles Risiko: Wer volatile Assets mit festen Ausschüttungsversprechen kombiniert, braucht einen langen Atem und tiefer Taschen, sobald der Markt dreht. Das Vorzugsaktien-Produkt STRC etwa bietet eine jährliche Dividende von zwölf Prozent — doch Preferred-Stock-Dividenden können prinzipiell ausgesetzt werden, und der Kursabschlag auf rund 87 Dollar (unter dem Nennwert von 100 Dollar) spiegelt dieses Risiko wider.
Ökonom Peter Schiff spricht von vernichtetem Aktionärswert. Was der Fall unabhängig davon zeigt: Hebelfinanzierte Krypto-Strategien sind in ruhigen Märkten elegant — und in fallenden Märkten ein Balanceakt.
Wie Strategy aus dem klassischen „Kaufen und Halten" herausgefallen ist
Strategy wurde vor allem dadurch bekannt, dass das Unternehmen mit geliehenem Geld und Aktienerlösen systematisch Bitcoin kaufte und hielt — eine Taktik, die in der Krypto-Szene als HODL bekannt ist: stur halten, egal was der Markt macht. Das Geschäftsmodell funktioniert solange die Bitcoin-Kurse steigen oder zumindest stabil bleiben. Sinken sie jedoch, wird es eng — denn Strategy hat feste Verpflichtungen: Zinsen auf Anleihen und Dividenden auf spezielle Vorzugsaktien müssen regelmäßig bedient werden, unabhängig davon, was Bitcoin gerade wert ist.
Genau das ist der Kern des aktuellen Problems. Vorzugsaktien — börsennotierte Wertpapiere, die einen festen jährlichen Auszahlungsbetrag versprechen, ähnlich einem Coupon — sind keine Kryptowährungen, sondern klassische Finanzprodukte. Sind sie mit einem volatilen Basiswert wie Bitcoin unterlegt, entsteht ein strukturelles Spannungsfeld: Die Einnahmen schwanken, die Ausgaben bleiben fix.
Häufige Fragen
Hat Strategy seinen Bitcoin-Bestand verkauft?
Nein. Strategy hat lediglich einen kleinen Teil seiner Bestände veräußert — rund 3.588 BTC in zwei Tranchen — und hält weiterhin 843.775 Bitcoin. Die Verkäufe dienten dazu, gemeinsam mit einer Aktienplatzierung die Dollar-Reserve aufzustocken, nicht um den Bestand grundsätzlich abzubauen.
Was ist ein „Preferred Stock" und warum ist er hier relevant?
Ein Preferred Stock — auf Deutsch etwa „Vorzugsaktie" — ist ein börsennotiertes Wertpapier, das eine feste jährliche Dividende zahlt, ähnlich wie ein Anleihe-Kupon. Strategy hat solche Produkte ausgegeben, die regelmäßige Ausschüttungen erfordern — unabhängig davon, wie sich der Bitcoin-Kurs entwickelt. Genau diese festen Verpflichtungen erzwingen den Aufbau einer stabilen Bargeldreserve, wenn die Kurse fallen und Verkaufserlöse sinken.
Wie lange reicht die aufgebaute Reserve?
Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Decrypt deckt die Drei-Milliarden-Reserve die annualisierten Dividenden- und Zinsverpflichtungen des Unternehmens — rund 1,76 Milliarden US-Dollar pro Jahr — für rechnerisch etwa 20 Monate.