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StarkWare testet erste quantensichere Bitcoin-Transaktion im Mainnet

Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 28. August 2026

StarkWare testet erste quantensichere Bitcoin-Transaktion im Mainnet

Laut übereinstimmenden Berichten von Cointelegraph und Decrypt hat der StarkWare-Forscher Avihu Levy am 27. August 2026 erstmals eine quantensichere Bitcoin-Transaktion im echten Bitcoin-Netzwerk erfolgreich durchgeführt. Das Experiment zeigt, dass es heute schon möglich ist, einzelne Bitcoin-Transaktionen gegen zukünftige Quantencomputer abzusichern — ohne das Bitcoin-Protokoll anzutasten. Für alle, die Bitcoin-Bestände halten, ist das ein wichtiges Signal: Die Quantenbedrohung ist real genug, dass Forscher längst an konkreten Gegenmaßnahmen arbeiten.

Wie die Transaktion funktioniert — und warum sie einen Umweg nehmen musste

Das Verfahren hinter dem Experiment heißt Quantum Safe Bitcoin (QSB) und kombiniert laut Cointelegraph sogenannte hash-basierte Einmalsignaturen — also Unterschriften, die nur ein einziges Mal gültig sind und auf mathematischen Streuwerten beruhen, die selbst leistungsstarke Quantencomputer nicht rückwärts entschlüsseln können — mit Berechnungen, die die Autorisierung fest an eine spezifische Transaktion koppeln. Änderungen am Bitcoin-Protokoll waren dafür nicht nötig.

Die Transaktion landete in Block 964.199 des Bitcoin-Netzwerks. Dorthin gelangte sie allerdings auf einem Umweg: Da sie nach den Standardregeln des Bitcoin-Netzwerks als nicht-regelkonform gilt, leiten normale Netzwerkknoten sie nicht weiter. Stattdessen übermittelte Levy sie direkt an den Mining-Pool MARA Pool, der sie über seinen Slipstream-Dienst — einen speziellen Direktkanal für solche Sondertransaktionen — in einen Block aufnahm, wie Cointelegraph berichtet. Die Kosten für den Test lagen laut Cointelegraph bei schätzungsweise 150 bis 200 US-Dollar; hinzu kamen mehrere Stunden Rechenzeit.

Wichtig für die Einschätzung: Laut Decrypt schützt QSB ausschließlich einzelne, individuell abgesicherte Transaktionen — Adressen, deren öffentlicher Schlüssel bereits im Netzwerk sichtbar ist, bleiben weiterhin ungeschützt.

Schutz mit Ablaufdatum: Was dieser Test wirklich bedeutet — und was nicht

Der Versuch von StarkWare ist bemerkenswert, aber es wäre ein Fehler, ihn als Entwarnung zu lesen. QSB ist ein Sicherheitsnetz für einzelne Transaktionen — kein Schutzschirm für das gesamte Bitcoin-Netzwerk.

Das entscheidende Limit liegt in der Struktur von Bitcoin selbst: Wer eine Transaktion sendet, macht dabei seinen öffentlichen Schlüssel sichtbar — das ist der kryptografische Schlüssel, aus dem eine Bitcoin-Adresse per Hashing abgeleitet wird, der aber selbst bislang verborgen bleibt, bis eine Zahlung erfolgt. Genau dieser Moment der Sichtbarkeit ist die potenzielle Schwachstelle. QSB kann diesen Schlüssel schützen, bevor er je exponiert wurde — aber Adressen, von denen bereits gesendet wurde, sind bereits verwundbar. Laut Decrypt könnten rund sieben Millionen Bitcoin betroffen sein, weil ihre zugehörigen öffentlichen Schlüssel durch frühere Transaktionen oder Adresswiederverwendung bereits sichtbar sind.

Hinzu kommt der praktische Aufwand: mehrere Stunden Rechenzeit und Kosten von 150 bis 200 US-Dollar pro Transaktion, dazu ein Routing außerhalb des normalen Netzwerks. Das ist kein Verfahren für den Alltag.

StarkWare selbst betont ausdrücklich, dass QSB keinen Soft Fork ersetzt — jene Protokolländerung, die Bitcoin dauerhaft quantenresistent machen würde. Der Test ist ein Machbarkeitsnachweis, kein Freifahrtschein. Er zeigt: Die Forschung läuft, aber eine echte Lösung erfordert politischen Konsens innerhalb der Bitcoin-Gemeinschaft — und der ist erfahrungsgemäß das schwerste Stück Arbeit.

Warum Quantencomputer für Bitcoin-Nutzer kein Science-Fiction-Problem sind

Bitcoin nutzt zur Absicherung von Transaktionen ein kryptografisches Verfahren — kurz gesagt: Wer Geld ausgeben will, beweist mit einer digitalen Unterschrift, dass er den passenden geheimen Schlüssel besitzt. Solange niemand diesen Schlüssel aus dem öffentlichen Teil rückrechnen kann, ist das System sicher. Genau hier liegt das Problem mit künftigen Quantencomputern: Sie könnten bestimmte mathematische Probleme, auf denen diese Absicherung beruht, grundsätzlich schneller lösen als klassische Rechner.

Besonders gefährdet sind dabei Adressen, deren öffentlicher Schlüssel bereits sichtbar im Netzwerk steht — etwa weil von dort schon einmal eine Transaktion gesendet wurde oder weil eine veraltete Adressform verwendet wird. Laut einer Einschätzung von Coinbases Quantum Advisory Council vom Juni 2026 könnten rund sieben Millionen Bitcoin aus diesem Grund angreifbar sein.

Die Antwort der Bitcoin-Gemeinschaft auf solche Bedrohungen ist üblicherweise ein Soft Fork — eine rückwärtskompatible Protokollanpassung, über die alle Teilnehmer gemeinsam abstimmen müssen. Das dauert. Das Experiment von StarkWare zeigt, was in der Zwischenzeit möglich ist.

Häufige Fragen

Bin ich als Bitcoin-Nutzer jetzt automatisch vor Quantencomputern geschützt?

Nein. Das QSB-Verfahren ist eine experimentelle Methode, die einzelne Transaktionen absichern kann — aber nur, wenn man sie aktiv einsetzt. Besonders wichtig: Adressen, bei denen der öffentliche Schlüssel bereits im Netzwerk sichtbar ist (etwa durch frühere Transaktionen), lassen sich damit nicht schützen. Wer Bitcoin auf einer solchen Adresse liegen hat, profitiert von QSB nicht.

Was ist ein „öffentlicher Schlüssel" und warum ist er ein Problem?

Jede Bitcoin-Adresse basiert auf einem kryptografischen Schlüsselpaar — einem privaten (geheimen) und einem öffentlichen Schlüssel. Solange man von einer Adresse noch nie gesendet hat, bleibt der öffentliche Schlüssel verborgen. Sobald man jedoch eine Zahlung verschickt, wird er sichtbar. Ein leistungsstarker Quantencomputer könnte diesen sichtbaren Schlüssel theoretisch nutzen, um den privaten Schlüssel zu berechnen — und damit die Kontrolle über das Guthaben zu übernehmen.

Braucht Bitcoin bald eine grundlegende Protokolländerung?

StarkWare selbst sieht QSB ausdrücklich nur als Übergangslösung. Langfristig halten die Entwickler einen Soft Fork — eine rückwärtskompatible Regeländerung im Protokoll — für notwendig. Initiativen wie BIP-360 arbeiten bereits an solchen Lösungen, sind aber noch nicht umgesetzt.

Quellen