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Fireblocks entdeckt vollständige Signatur-Fälschung im Post-Quanten-Kandidaten Shipovnik

Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 28. September 2026

Fireblocks entdeckt vollständige Signatur-Fälschung im Post-Quanten-Kandidaten Shipovnik

Das Kryptografie-Forschungsteam von Fireblocks hat Ende September 2026 eine schwerwiegende Sicherheitslücke im Post-Quanten-Signaturverfahren Shipovnik aufgedeckt — einem Kandidaten, der beim russischen Kryptografie-Standardisierungsgremium TC26 geführt wird. Die Lücke ermöglicht es, gültige Signaturen für beliebige Nachrichten allein aus dem öffentlichen Schlüssel zu fälschen — ohne Quantencomputer, in Sekundenbruchteilen auf einem gewöhnlichen Laptop. Für alle, die sich fragen, wie sicher die nächste Generation kryptografischer Standards wirklich ist, liefert dieser Fund eine ernüchternde Antwort.

Der Trick mit der doppelten Liste: Wie die Fälschung technisch funktioniert

Laut Fireblocks Blog-Artikel (Fireblocks) liegt der Fehler nicht in der mathematischen Grundidee von Shipovnik, sondern in einer fehlenden Prüfung während der Verifikation. Shipovnik arbeitet intern mit einer Indexliste, die bestimmen soll, welche Positionen des Schlüssels in die Prüfung einfließen. Damit das Verfahren korrekt funktioniert, müsste diese Liste eine sogenannte Permutation von 0 bis 2895 sein — das heißt: Jeder Index kommt genau einmal vor, kein Wert taucht doppelt auf. Genau das prüft der Verifier jedoch nie.

Diesen blinden Fleck nutzt der Angriff gezielt aus: Indem bestimmte Indizes mehrfach in der Liste wiederholt werden, lässt sich die interne Gewichtsprüfung — die eigentlich sicherstellen soll, dass eine Signatur echt ist — systematisch aushebeln. Die Methode ist dabei verblüffend simpel: Der öffentliche Schlüssel wird in den rechten Block eines fingierten privaten Schlüssels kopiert, der linke Block mit Nullen gefüllt und dazu eine entsprechend präparierte Indexliste konstruiert.

Das Erschreckende: Beide veröffentlichten Implementierungen — die C-Version von QApp sowie die Python-Version der Autoren — akzeptieren die so erzeugte Fälschung kommentarlos als gültig.

Warum dieser Fund mehr über Prüfprozesse aussagt als über Quantencomputer

Die eigentliche Botschaft des Shipovnik-Funds liegt nicht in der Lücke selbst, sondern darin, wie schnell sie gefunden wurde — und dass sie überhaupt da war. Shipovnik war nie in einem Produktionssystem im Einsatz; der Schaden blieb theoretisch. Genau das ist der Punkt: Wäre das Verfahren ohne intensive externe Prüfung in eine Blockchain-Infrastruktur übernommen worden, hätte im Extremfall jede Wallet-Adresse kompromittiert werden können, weil jeder beliebige Transaktionen hätte signieren können — ohne Kenntnis des Private Key.

Das NIST-Verfahren zur Standardisierung von Post-Quanten-Algorithmen hat genau deshalb jahrelange öffentliche Kryptanalyse-Runden durchlaufen, bevor Verfahren wie ML-DSA oder SLH-DSA für den produktiven Einsatz freigegeben wurden. Shipovnik hat diesen Prozess nicht durchlaufen — und der Fund zeigt, warum das zählt.

Für institutionelle Verwahrer in Deutschland, die ihre Krypto-Verwahrung zukunftssicher aufstellen wollen, ist die Konsequenz klar: Kein Post-Quanten-Kandidat sollte allein aufgrund seiner mathematischen Eleganz oder nationaler Standardisierungsgremien als vertrauenswürdig gelten. Nur unabhängig geprüfte Verfahren mit breiter kryptografischer Begutachtung bieten eine belastbare Grundlage.

Ein Vorbehalt bleibt angebracht: Fireblocks ist selbst Anbieter von Custody-Infrastruktur und forscht zu Post-Quanten-Signaturen aus eigenem Interesse. Der Fund ist technisch plausibel und nachvollziehbar dokumentiert — die Einschätzung, welche Verfahren als Ersatz taugen, sollte man dennoch nicht allein diesem Akteur überlassen.

Warum digitale Signaturen das Herzstück jeder Blockchain sind

Wer Krypto-Transaktionen versteht, kommt an einem Grundprinzip nicht vorbei: Eine kryptografische Signatur — vereinfacht gesagt ein mathematischer Echtheitsbeweis — belegt, dass eine Transaktion wirklich vom Inhaber eines Wallets stammt. Dieses Prinzip basiert auf einem Schlüsselpaar: Ein Private Key erzeugt die Signatur, der zugehörige öffentliche Schlüssel erlaubt jedermann, sie zu prüfen — aber eben nur zu prüfen, nicht zu erzeugen.

Aktuelle Blockchains wie Bitcoin oder Ethereum setzen dabei auf bewährte Verfahren wie ECDSA und EdDSA. Das Problem: Leistungsfähige Quantencomputer könnten diese Verfahren eines Tages brechen. Deshalb suchen Forschende und Standardisierungsgremien weltweit nach sogenannten Post-Quanten-Signaturschemata — Methoden, die auch gegen Quantenangriffe standhalten sollen. Shipovnik ist ein solcher Kandidat, der bislang noch kein abgeschlossenes Prüfverfahren durchlaufen hat — vergleichbar mit einem Medikament in der klinischen Testphase, das noch nicht zugelassen ist.

Häufige Fragen

Sind Krypto-Wallets oder Blockchains durch diese Lücke direkt gefährdet?

Nein. Shipovnik ist kein eingesetzter Standard, sondern ein Forschungskandidat im russischen Standardisierungsprozess. Aktuelle Blockchains nutzen weiterhin ECDSA und EdDSA als Signaturverfahren — Shipovnik wurde dort nie eingesetzt. Die Lücke zeigt ein theoretisches Risiko für den Fall, dass ein fehlerhafter Kandidat jemals produktiv genutzt worden wäre: Dann hätte jeder beliebige Transaktionen für fremde Wallets signieren können.

Braucht man für diesen Angriff einen Quantencomputer?

Nein — das ist gerade der beunruhigende Kern des Funds. Die Fälschung funktioniert auf einem gewöhnlichen Laptop in Sekundenbruchteilen. Der Fehler liegt nicht in der mathematischen Grundlage von Shipovnik, sondern in einer fehlenden Prüfung im Verifikationsschritt: Der Verifier kontrolliert nicht, ob eine interne Indexliste eine gültige Permutation darstellt — und das lässt sich ohne besondere Rechenleistung ausnutzen.

Warum werden solche Kandidaten überhaupt öffentlich analysiert?

Öffentliche Kryptanalyse ist der Kern des Standardisierungsprozesses. Bevor ein Signaturverfahren in der Praxis eingesetzt wird, sollen externe Forscher weltweit Schwächen finden — genau so, wie es beim jahrelangen NIST-Prozess für Post-Quanten-Standards praktiziert wird. Funde wie dieser belegen, warum diese Prüfphase unverzichtbar ist.

Quellen