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US-Senator Blumenthal fordert Cantor Fitzgerald zur Offenlegung der Tether-Geschäftsbeziehung auf
Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 09. Oktober 2026

Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Cointelegraph hat US-Senator Richard Blumenthal am 8. Oktober 2026 einen formellen Auskunftsbrief an die US-Investmentbank Cantor Fitzgerald geschickt und deren Geschäftsbeziehung zum Stablecoin-Emittenten Tether ins Visier genommen. Blumenthal, ein ranghoher Demokrat im zuständigen Senatsunterausschuss für Ermittlungen, wirft dem Unternehmen vor, von mutmaßlich illegalen Finanzflüssen über Tether profitiert zu haben. Für europäische Nutzer ist das relevant: Tethers USDT ist der weltweit meistgenutzte Stablecoin — auch hierzulande — und Fragen zu Transparenz und Sanktionseinhaltung betreffen damit jeden, der damit handelt.
Brief, Milliarden und ein Familienname: Was Blumenthal von Cantor wissen will
Im Zentrum des Auskunftsbegehrens steht eine doppelte Frage: Wie kontrolliert Cantor Fitzgerald, ob Tether Bank- und Sanktionsgesetze einhält — und welche Rolle spielte dabei Howard Lutnick, der Vater des amtierenden Cantor-CEOs Brandon Lutnick und heutige US-Handelsminister? Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk verlangt Blumenthal sämtliche Kommunikation mit oder über Howard Lutnick — auch jene, die nach dessen Ausscheiden bei Cantor im Februar 2025 entstanden ist.
Die Geschäftsbeziehung zwischen beiden Unternehmen begann laut Cointelegraph 2021: Cantor fungiert seitdem als Verwahrer eines Teils von Tethers US-Staatsanleihen-Reserven im Wert von Dutzenden Milliarden Dollar und hält außerdem Rechte an einem fünfprozentigen Anteil an Tether. Blumenthal beziffert dessen Wertzuwachs auf spektakuläre Weise: von 600 Millionen Dollar auf inzwischen 10 Milliarden Dollar — seit Donald Trump wieder im Amt ist.
In seinem Brief zitiert Blumenthal direkt: „Just as Tether has made untold millions in interest and investments from the stablecoins used in these illicit activities, so has Cantor Fitzgerald profited from its relationship with Tether." Eine Antwort erwartet er bis zum 23. Oktober 2026. Weder Cantor Fitzgerald noch Tether kommentierten die Anfragen zunächst.
Wenn Politik und Milliarden-Stablecoin aufeinanderprallen: Was der Druck aus dem Senat wirklich bedeutet
Blumenthals Brief ist zunächst genau das: ein Brief. Keine Anklage, kein Ermittlungsverfahren, keine behördliche Anordnung. Senatorische Auskunftsersuchen sind ein bewährtes Mittel, um öffentlichen Druck aufzubauen und Informationen zu sammeln — aber sie zwingen rechtlich nicht zur Zusammenarbeit. Cantor Fitzgerald könnte antworten, eingeschränkt antworten oder schweigen, ohne unmittelbare rechtliche Konsequenzen zu riskieren.
Dennoch sollte man den politischen Kontext nicht unterschätzen. Blumenthal sitzt im Senate Permanent Subcommittee on Investigations — einem Ausschuss, der historisch für aufsehenerregende Enthüllungen bekannt ist. Und die Verbindung, die er zieht, ist pikant: Ein amtierender US-Handelsminister (Howard Lutnick) war bis 2025 die treibende Kraft hinter genau jener Firma, die nun befragt wird. Das macht die Anfrage politisch brisant, auch wenn kein Fehlverhalten bewiesen ist.
Für europäische USDT-Nutzer ändert sich kurzfristig nichts. Aber die grundlegende Frage, die Blumenthal stellt — nämlich, ob eine US-Investmentbank ausreichend prüft, mit wessen Reserven sie arbeitet — ist dieselbe, die Regulierungsbehörden weltweit beschäftigt. Die EU-Verordnung MiCA, die seit 2024 schrittweise in Kraft tritt, stellt unter anderem genau solche Anforderungen an AML – Anti-Geldwäsche im Krypto-Bereich und Transparenz für Stablecoin-Emittenten.
Ob Tethers eigene Darstellung — man kooperiere aktiv mit Behörden und habe verdächtige Gelder eingefroren — ausreicht, um den Senatsausschuss zu überzeugen, wird sich bis zum 23. Oktober zeigen.
Wie Tether, US-Staatsanleihen und eine Investmentbank zusammenhängen
Tether ist der Herausgeber von USDT — einem Stablecoin, also einer Kryptowährung, die ihren Wert durch Reserven stabil hält, ähnlich einem digitalen Dollar-Gutschein. Damit dieser Anspruch glaubwürdig ist, muss Tether seine Reserven irgendwo sicher verwahren lassen. Genau hier kommt Cantor Fitzgerald ins Spiel.
Die Wall-Street-Bank begann 2021 damit, einen Teil von Tethers Reserven zu verwalten — konkret: US-Staatsanleihen im Wert von Dutzenden Milliarden Dollar. Das ist klassisches Krypto-Verwahrungsgeschäft: Ein reguliertes Institut hält Vermögenswerte treuhänderisch. 2024 kam eine Beteiligung hinzu — Cantor sicherte sich Rechte an einem 5-Prozent-Anteil an Tether selbst.
Pikant wird es durch die Personalie: Howard Lutnick, damals Chef von Cantor Fitzgerald, ist heute US-Handelsminister. Seitdem Trump wieder im Amt ist, soll der Wert dieses Anteils laut Blumenthal von 600 Millionen auf 10 Milliarden Dollar gestiegen sein — ein Detail, das den politischen Sprengstoff dieser Untersuchung erklärt.
Häufige Fragen
Was ist Tether überhaupt, und warum verwahrt eine traditionelle Bank dessen Reserven?
Tether gibt den Stablecoin USDT heraus — eine digitale Währung, die im Verhältnis 1:1 an den US-Dollar gekoppelt ist. Um diesen Kurs zu halten, legt Tether die eingenommenen Dollars in sichere Wertpapiere an, vor allem US-Staatsanleihen. Dafür braucht das Unternehmen klassische Finanzinstitute, die diese Papiere verwahren. Cantor Fitzgerald übernimmt genau diese Rolle — nicht als Krypto-Anbieter, sondern als traditionelle Investmentbank.
Warum ermittelt ein Senatsausschuss und nicht eine Behörde wie die Finanzaufsicht?
Der Senate Permanent Subcommittee on Investigations ist ein parlamentarisches Gremium mit weitreichenden Ermittlungsbefugnissen — es kann Unternehmen zur Auskunft verpflichten, auch ohne laufendes Strafverfahren. Solche Untersuchungen dienen häufig als Vorstufe zu neuer Gesetzgebung oder regen Behörden zur eigenen Prüfung an. Strafverfolgung liegt dabei nicht in der Hand des Ausschusses selbst.