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Revolut und OpenReserve erhalten vorläufige OCC-Genehmigung für US-Nationalbanken mit Krypto-Plänen
Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 08. September 2026

Zwei bekannte Namen aus der Finanzwelt rücken dem US-Bankenmarkt näher: Laut übereinstimmenden Berichten von Cointelegraph und Decrypt hat die US-Bankenaufsichtsbehörde OCC (Office of the Comptroller of the Currency) am 2. September 2026 sowohl dem britischen Fintech-Konzern Revolut als auch dem Startup OpenReserve eine vorläufige, bedingte Genehmigung zur Gründung je einer US-Nationalbank erteilt. Beide Unternehmen planen, unter dem regulierten Bankdach Krypto-Dienste wie digitale Verwahrung und Stablecoins anzubieten — ein Schritt, der auch für europäische Nutzer dieser Dienste Konsequenzen haben kann.
Vollbank statt Treuhandcharta: Was Revolut und OpenReserve konkret planen
Laut übereinstimmenden Berichten von Cointelegraph und Decrypt unterscheiden sich die Pläne der beiden Unternehmen deutlich — und auch der gewählte Lizenztyp ist bemerkenswert.
Revolut will seine US-Nationalbank (mit Sitz in Connecticut) nutzen, um digitale Assets zu verwahren, Krypto und Stablecoins — also an einen stabilen Wert gekoppelte digitale Währungen — für internationale Überweisungen einzusetzen und eigene Stablecoins über einen externen Partner auszugeben.
OpenReserve, gegründet von Diwakar Choubey (Mitgründer und Ex-CEO von MoneyLion) und Richard Correia und mit 25 Millionen US-Dollar Startkapital u. a. von a16z crypto, Coinbase Ventures und Wintermute Ventures ausgestattet, plant tokenisierte Einlagen — also digital abgebildete Bankguthaben — sowie Krypto-Verwahrung und eine eigene Stablecoin-Tochtergesellschaft. Letztere hat beim OCC noch keinen separaten Antrag gestellt.
Auffällig ist der bewusste Verzicht auf die sogenannte Nationaltreuhandcharta, die Wettbewerber wie Coinbase, Circle, Ripple, Paxos und BitGo bereits nutzten. Diese erlaubt zwar Verwahrungs- und Treuhandgeschäfte, schließt aber klassische Bankaktivitäten wie Einlagennahme und Kreditvergabe aus. OpenReserve will beides — und beantragte daher die vollständige Nationalbankcharta. Bis zur Eröffnung muss das Unternehmen mindestens 210 Millionen US-Dollar Eigenkapital aufbringen; die Frist dafür läuft bis September 2027, die Eröffnung muss spätestens im März 2028 erfolgen.
Banklizenz ist nicht gleich Banklizenz — was das für europäische Nutzer bedeutet
Der entscheidende Unterschied liegt im Wort „vorläufig": Weder Revolut noch OpenReserve dürfen ihre Banken heute eröffnen. Beide Genehmigungen sind an Bedingungen geknüpft — OpenReserve muss allein mindestens 210 Millionen US-Dollar Eigenkapital aufbringen, bevor die finale OCC-Freigabe möglich wird. Das sind regulatorische Hürden, keine Formsache.
Für europäische und deutsche Nutzer lohnt ein genauer Blick auf den Unterschied zwischen einer US-Nationalbanklizenz und der EU-Banklizenz, unter der Revolut etwa in der EU operiert. Einlagensicherung und Aufsichtsregeln sind in beiden Systemen grundverschieden — wer Geld bei einer US-Nationalbank hält, bewegt sich in einem anderen Rechtsrahmen als bei einer europäisch lizenzierten Bank. Das ist kein Nachteil per se, aber eine Tatsache, die Nutzer kennen sollten, bevor sie Ersparnisse oder Krypto-Bestände dorthin verlagern.
Bemerkenswert ist auch, was OpenReserve bewusst nicht angestrebt hat: die sogenannte Nationaltreuhandcharta, die Wettbewerber wie Coinbase oder Ripple nutzen. Diese ermöglicht Verwahrung und Treuhandgeschäfte, aber keine Einlagennahme und keine Kreditvergabe. OpenReserve will das Vollpaket — eine echte Bank, nicht nur eine regulierte Verwahrungsstelle.
Der breitere Rahmen dahinter ist der GENIUS Act, das US-Bundesgesetz für Stablecoin-Betreiber, das im Juli 2025 in Kraft trat. Er gibt vor, unter welchen Regeln Stablecoins in den USA künftig ausgegeben werden dürfen — und macht eine Bundesbanklizenz damit zu einem strategischen Vorteil, nicht nur zu einem Symbol.
Was eine US-Nationalbanklizenz von einer Krypto-Treuhandlizenz unterscheidet
Wer Krypto-Dienste in den USA unter Bundesaufsicht anbieten möchte, hat grundsätzlich zwei Wege: die Nationaltreuhandcharta und die vollständige Nationalbankcharta. Erstere erlaubt Krypto-Verwahrung und Treuhandgeschäfte — also die sichere Aufbewahrung digitaler Werte im Auftrag von Kunden —, nicht aber die klassischen Bankgeschäfte wie Einlagennahme oder Kreditvergabe. Unternehmen wie Coinbase, Circle oder Ripple wählten diesen schmaleren Weg. OpenReserve hingegen beantragte die vollständige Nationalbanklizenz, die beides erlaubt.
Hinzu kommt der regulatorische Rahmen für Stablecoins — digitale Münzen, deren Wert an eine Währung wie den US-Dollar gekoppelt ist. Mit dem GENIUS Act trat in den USA ein Bundesgesetz in Kraft, das genau regelt, wer solche Coins ausgeben darf und unter welchen Bedingungen. Beide Genehmigungen stehen in diesem Kontext: Sie sind ausdrücklich vorläufig und bedingt — die Banken dürfen erst nach Erfüllung aller Auflagen und finaler OCC-Freigabe ihren Betrieb aufnehmen.
Häufige Fragen
Was bedeutet „vorläufig und bedingt" bei einer OCC-Genehmigung?
Eine vorläufige bedingte Genehmigung ist kein grünes Licht zur Eröffnung — sie ist eher eine Zusage unter Vorbehalt. Die Unternehmen müssen zunächst bestimmte Anforderungen erfüllen, etwa ausreichend Eigenkapital aufbringen und regulatorische Auflagen nachweisen. Erst danach erteilt die OCC die finale Erlaubnis. Die Banken dürfen also noch nicht operieren; der Prozess läuft weiter.
Was unterscheidet eine Nationalbanklizenz von einer Nationaltreuhandlizenz?
Der Unterschied ist praktisch bedeutsam: Eine vollständige Nationalbankcharta erlaubt es, Einlagen von Kunden entgegenzunehmen und Kredite zu vergeben — wie eine klassische Bank. Eine Nationaltreuhandcharta hingegen beschränkt sich auf Verwahrung und Treuhandgeschäfte. OpenReserve hat bewusst die umfassendere Variante gewählt, während andere Krypto-Unternehmen wie Coinbase oder Ripple den eingeschränkteren Weg gingen.
Ist eine US-Nationalbanklizenz mit einer europäischen Banklizenz vergleichbar?
Nicht direkt. Einlagensicherung, Aufsichtsbehörden und Verbraucherschutzregeln unterscheiden sich grundlegend zwischen den USA und der EU. Wer Dienste von Revolut oder OpenReserve als US-Nationalbank nutzt, unterliegt amerikanischem Recht — unabhängig vom eigenen Wohnsitz.