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RedStone sichert Deels Stablecoin-Wallet für Auftragnehmer in Lateinamerika als Oracle-Layer

Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 16. Juni 2026

RedStone sichert Deels Stablecoin-Wallet für Auftragnehmer in Lateinamerika als Oracle-Layer

Der Personaldienstleister Deel hat eine Stablecoin-Wallet für Auftragnehmer in Lateinamerika gestartet — zunächst in Argentinien — und nutzt dabei die Preis-Infrastruktur des Oracle-Anbieters RedStone, der seit Mai 2026 Kursdaten auf der zugrundeliegenden Tempo-Blockchain liefert. Das berichtet RedStone in einem eigenen Blogbeitrag. Für deutsche Beobachter ist der Fall bemerkenswert, weil er zeigt, wie dezentrale Finanzinfrastruktur abseits von Spekulation einen handfesten Alltagsnutzen erfüllen kann: stabile Ersparnisse für Menschen, deren Landeswährung schnell an Wert verliert.

Wie die Wallet technisch funktioniert — und wo RedStone ins Spiel kommt

Die Wallet zahlt Auftragnehmer in DLUSD aus, Deels eigenem Dollar-gedeckten Stablecoin. Wer sein Guthaben nicht nur halten, sondern eine Rendite erzielen möchte, kann die sogenannte Earn-Funktion nutzen: Das Geld fließt dabei automatisch in einen Morpho-Vault — einen strukturierten Kreditmarkt — auf der Tempo-Blockchain, zusammengestellt vom Vault-Kurator Sentora.

Der Mechanismus dahinter ist überschaubar: Kreditnehmer hinterlegen cbBTC (eine tokenisierte Form von Bitcoin) als Sicherheit und leihen sich im Gegenzug pathUSD. Aktuell umfasst dieser einzelne Markt ein Volumen von über zwei Millionen US-Dollar. Damit dieser Kredit-Mechanismus sicher funktioniert, braucht das System verlässliche, aktuelle Preise — für cbBTC ebenso wie für pathUSD. Genau diese Preisfeeds liefert RedStone auf Tempo.

Laut The Oracle Layer Behind Deel's LATAM Stablecoin Wallet on Tempo (RedStone) aktualisiert RedStone die Kursdaten, sobald eine Preisabweichung von mehr als 0,5 Prozent auftritt — spätestens aber alle sechs Stunden. Nach eigenen Angaben verzeichnete RedStone über mehr als 200 Protokolle und 110 Blockchains hinweg bislang null Mispricing-Vorfälle.

Wenn DeFi kein Selbstzweck mehr ist: Was dieser Praxisfall wirklich beweist

Das Bemerkenswerte an diesem Konstrukt ist nicht die Technik — sondern der Kontext, in dem sie eingesetzt wird. Argentinische Auftragnehmer verlieren auf Peso-Gehälter laut RedStones Angaben zwischen 20 und 40 Prozent Kaufkraft pro Jahr. Dass 85 Prozent von ihnen 2025 auf US-Dollar-Auszahlung umstiegen, ist kein Trend — das ist wirtschaftlicher Überlebenswille. Genau hier setzt das Deel-Modell an: Die Stablecoin-Wallet ist im Kern ein Inflationsschutz-Werkzeug, verpackt als Gehaltsabwicklung.

Für die Beurteilung aus europäischer Sicht gilt allerdings: Was in Argentinien dringend gebraucht wird, ist in Deutschland ein Komfort-Feature. Hierzulande sind stabile Bankkonten, Einlagensicherung bis 100.000 Euro und eine vergleichsweise stabile Währung Standard. Der echte Wert dieses Ansatzes liegt also nicht im deutschen Markt, sondern als Blaupause für unterversorgte Regionen.

Wichtig ist auch, was das Modell nicht ist: kein reguliertes Einlagenprodukt im EU-Sinne. Die Yield-Funktion — also die Möglichkeit, mit dem Guthaben Zinsen zu erwirtschaften — läuft über einen Lending-Vault auf einer vergleichsweise jungen Blockchain. Das trägt Risiken, die Deel-eigene Marketingsprache naturgemäß nicht in den Vordergrund stellt.

Für Beobachter, die DeFi bisher vor allem mit Spekulation verbinden, liefert dieser Fall ein nüchternes Gegenbeispiel: Infrastruktur wie Oracles und Lending-Protokolle kann reale Probleme lösen — vorausgesetzt, sie funktioniert zuverlässig. Ob sie das dauerhaft tut, wird die Praxis zeigen.

Wenn die eigene Währung jährlich 20–40 % verliert: Warum DeFi-Infrastruktur hier keine Spielerei ist

Im Mittelpunkt dieser Geschichte stehen drei Bausteine, die im DeFi-Bereich — also der dezentralen Finanzwelt ohne klassische Banken als Mittler — eng zusammenspielen: Stablecoins, Lending-Vaults und Oracles.

Ein Oracle ist dabei der oft übersehene, aber kritische Verbindungsstein: Es handelt sich um einen Datendienst, der der Blockchain mitteilt, was Vermögenswerte in der realen Welt gerade wert sind. Ohne verlässliche Preisdaten kann ein Lending-Protokoll — also ein automatisiertes System, das Kredite vergeben und Sicherheiten bewerten muss — nicht korrekt funktionieren. Was ein Oracle genau leistet und warum es fehleranfällig sein kann, erklärt der Evergreen-Artikel.

Entscheidend für den Deel-Fall ist, dass diese Infrastruktur nicht für institutionelle Spekulanten entwickelt wurde, sondern für Freiberufler, die schlicht verhindern wollen, dass ihr Lohn zwischen Überweisung und Monatsende real an Kaufkraft verliert.

Häufige Fragen

Was ist ein Oracle — und warum braucht eine Stablecoin-Wallet so etwas?

Ein Oracle ist ein Dienst, der einer Blockchain externe Echtzeitdaten liefert — zum Beispiel aktuelle Wechselkurse. Ohne zuverlässige Preisfeeds wüsste ein Kreditmarkt auf der Blockchain nicht, wie viel die hinterlegte Sicherheit gerade wert ist. RedStone liefert auf Tempo genau diese Kursdaten für cbBTC (eine Art Bitcoin-Zertifikat auf der Blockchain) und pathUSD, damit der Vault-Markt Sicherheiten korrekt bewerten kann.

Was bedeutet DLUSD — ist das derselbe Stablecoin wie USDC oder USDT?

Nein. DLUSD ist Deels eigener, dollar-gedeckter Stablecoin — also eine eigene digitale Währung des Unternehmens, die im Wert an den US-Dollar gekoppelt ist. USDC und USDT sind eigenständige Stablecoins anderer Anbieter. Innerhalb der Deel-Wallet wird ausschließlich DLUSD verwendet; die Earn-Funktion leitet dieses Guthaben dann in einen externen Vault weiter.

Quellen