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Sanktionierte iranische Ravin Academy rekrutiert größte Klasse von Cyber-Kämpfern – Blockchain-Training für Sanktionsumgehung
Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 28. August 2026

Die vom US-Finanzministerium sanktionierte iranische Ravin Academy wirbt aktuell für ihr bislang größtes Ausbildungsprogramm: Zwischen 600 und 1.200 junge Iraner sollen kostenlos in Cybersicherheit — und auffälligerweise auch in Blockchain-Entwicklung — trainiert werden. Das Blockchain-Analyse-Unternehmen TRM Labs hat das Programm nun öffentlich dokumentiert und zeigt, wie eine staatlich gedeckte Einrichtung trotz internationaler Sanktionen systematisch Cyber-Nachwuchs aufbaut. Für Compliance-Teams und Krypto-Nutzer in Deutschland ist das relevant: Der Fall belegt, dass Blockchain-Kenntnisse gezielt zur Sanktionsumgehung eingesetzt werden können.
Kooperation mit Russland, Wehrdienst-Trick und ein ungewöhnlicher Blockchain-Kurs
Das Nam-Avar-Programm richtet sich laut TRM Labs an Iraner zwischen 17 und 30 Jahren und ist seit Ravins Gründung im Jahr 2020 das größte öffentlich angekündigte Angebot der Akademie. TRM Labs hat insgesamt 203 beworbene Kurse und Webinare identifiziert: 53 davon behandeln offensive Sicherheitsthemen — also Methoden, um Systeme anzugreifen —, 39 defensive. Auffällig sei, so TRM Labs, dass auch Blockchain-Entwicklung und angewandte Kryptografie im Programm stehen; in einem kommerziellen Sicherheitskatalog sei das ungewöhnlich.
Daneben dokumentiert TRM Labs eine seit Dezember 2023 öffentlich sichtbare Partnerschaft mit dem russischen Unternehmen Positive Technologies, das die USA im April 2021 wegen Zusammenarbeit mit dem russischen Geheimdienst FSB sanktioniert haben. Gemeinsame Webinare, ein gemeinsamer Messestand auf der GISEC Dubai 2024 und ein Konferenzauftritt in Moskau belegen die Kooperation.
Für die dritte Technology Olympiad — Starttermin laut TRM Labs der 29. August 2026 — kooperiert Ravin demnach mit Irans Passive Defense Organization, die die EU bereits seit Juli 2010 sanktioniert hat. Ein früheres Programm aus Mai 2024 erlaubte Absolventen zudem, den iranischen Pflichtwehrdienst durch eine Anstellung beim Cybersicherheitsdienstleister Behin Rahkar abzuleisten — einem Unternehmen mit Kunden in Öl, Gas, Wasser und Telekommunikation, wie TRM Labs berichtet.
Wenn Blockchain zum Lehrplan einer sanktionierten Militärakademie wird
Was auf den ersten Blick wie ein Bildungsprogramm wirkt, lässt sich bei näherer Betrachtung schwer von staatlicher Nachwuchsrekrutierung für Cyberangriffe trennen. Entscheidend ist dabei eine oft übersehene Verschiebung: Blockchain-Kenntnisse sind längst nicht mehr nur ein Thema für Fintech-Startups. Laut TRM Labs taucht Blockchain-Entwicklung im Lehrplan von Ravin auf — in einem Umfeld, das nach US-Treasury-Erkenntnissen IRGC-nahen Gruppen zuarbeitet, die Kryptowährungen zur Sanktionsumgehung einsetzen.
Das bedeutet konkret: Wer als Compliance-Officer in Deutschland Transaktionen auf iranische Bezüge prüft, hat es möglicherweise mit Gegenparteien zu tun, die gezielt für genau diese Umgehung ausgebildet wurden. AML im Krypto-Bereich — also die Prüfung von Transaktionen auf verdächtige Herkunft — wird dadurch anspruchsvoller, weil gut ausgebildete Akteure Blockchain-Spuren bewusst verschleiern können.
Gleichzeitig ist Vorsicht bei der Interpretation geboten: TRM Labs fand keine eigenen Onchain-Aktivitäten von Ravin Academy, keine veröffentlichten Kryptoadressen der Akademie selbst. Das Risiko liegt also nicht darin, dass Ravin direkt Krypto-Transaktionen durchführt — sondern darin, dass sie künftige Fachkräfte ausbildet, die es tun könnten.
Für deutsche Nutzer bedeutet das vor allem: Die Technologie ist neutral, ihre Anwendung nicht. Dass ein sanktioniertes Programm ausgerechnet Blockchain in den Lehrplan aufnimmt, ist kein Zufall — es ist ein Hinweis darauf, wo staatliche Angreifer die nächsten Lücken sehen.
Wenn Sanktionslisten auf Kryptowährungen treffen
Die SDN-Liste (Specially Designated Nationals) des US-Finanzministeriums ist ein weltweites Instrument: Wer darauf steht, darf von US-Personen und US-Unternehmen grundsätzlich nicht mehr bedient werden — und viele internationale Banken und Unternehmen beachten diese Liste freiwillig, um eigene Risiken zu vermeiden. Ravin Academy steht seit Oktober 2022 auf dieser Liste, ihr russischer Kooperationspartner Positive Technologies bereits seit April 2021.
Besonders brisant im Krypto-Kontext: TRM Labs stellt fest, dass die Akademie ausdrücklich Blockchain-Entwicklung und angewandte Kryptografie lehrt — ungewöhnlich für ein Curriculum, das sonst auf Angriffs- und Abwehrtechniken setzt. Blockchain-Technologie — ein dezentrales, digitales Buchführungssystem ohne zentrale Kontrollinstanz — kann prinzipiell genutzt werden, um Geldflüsse jenseits klassischer Bankkontrollen zu bewegen. Das US-Finanzministerium hielt in einer separaten Designierung ausdrücklich fest, dass dem IRGC nahestehende Gruppen Kryptowährungen zur Sanktionsumgehung einsetzen.
Genau hier setzt AML im Krypto-Bereich an — also Systeme, die verdächtige Transaktionen auf der Blockchain erkennen und melden sollen, um solche Umgehungsversuche sichtbar zu machen.
Häufige Fragen
Warum lehrt eine Cybersicherheitsakademie überhaupt Blockchain?
Blockchain-Entwicklung — also das Programmieren von dezentralen Netzwerken und digitalen Zahlungssystemen — taucht im Lehrplan von Ravin Academy auf, obwohl das in einem kommerziellen Sicherheitskatalog ungewöhnlich ist. Der Hintergrund: IRGC-nahe Gruppen nutzen laut der US-Sanktionsdesignierung gegen die Kryptobörse Zedcex Kryptowährungen aktiv zur Umgehung von Sanktionen. Wer Blockchain versteht, kann entsprechende Transaktionen verschleiern oder Monitoring-Systeme austricksen.
Ist Ravin Academy selbst mit Kryptowährungen aktiv?
Laut TRM Labs nicht nachweisbar. Die Analyse ergab keine Onchain-Aktivitäten und keine veröffentlichten Kryptoadressen der Akademie selbst. Das bedeutet: Ravin tritt nicht direkt als Krypto-Akteur auf, sondern vermittelt das Wissen an Absolventen, die dann in staatlichen oder halbstaatlichen Strukturen eingesetzt werden können.
Was bedeutet "SDN-Liste" für normale Krypto-Nutzer?
Die SDN-Liste — kurz für "Specially Designated Nationals" — ist eine vom US-Finanzministerium geführte Sperrliste. Wer mit gelisteten Personen oder Organisationen Transaktionen durchführt, riskiert selbst Sanktionen. Für Krypto-Plattformen bedeutet das: Sie müssen solche Verbindungen aktiv erkennen und blockieren, etwa über AML im Krypto-Bereich — Anti-Geldwäsche-Maßnahmen, die auch Sanktionsprüfungen einschließen.