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Brasiliens Staatsölkonzern Petrobras testet Cardano-Blockchain zur Rückverfolgung von nachhaltigem Flugkraftstoff und Biodiesel
Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 30. September 2026
Brasiliens staatlich kontrollierter Ölkonzern Petrobras erprobt die Blockchain Cardano, um Nachhaltigkeitsdaten für zwei Kraftstofftypen digital zu erfassen und fälschungssicher zu dokumentieren — laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Cointelegraph betrifft das zum einen nachhaltigen Flugkraftstoff, zum anderen Diesel R, einen Dieselkraftstoff, der teilweise aus erneuerbaren Materialien wie Pflanzenölen oder tierischen Fetten besteht. Für deutsche Unternehmen, die zunehmend unter Druck stehen, ihre Lieferketten-Emissionen lückenlos nachzuweisen, ist das ein bemerkenswertes Praxisbeispiel aus einem ganz anderen Industriezweig.
Zwei Anwendungen, ein Ziel: Emissionsdaten, die sich nicht fälschen lassen
Die erste Anwendung entstand laut Cointelegraph gemeinsam mit PUC-Rios Ledger Labs und widmet sich nachhaltigem Flugkraftstoff (SAF). Das System wandelt Umweltattribute des Kraftstoffs in digitale Token — sogenannte CS-SAF-Token — um. Die Metadaten dieser Token orientieren sich am CORSIA-Standard, einem internationalen Regelwerk zur Kompensation von Flugemissionen. Entscheidend ist dabei das sogenannte Book-and-Claim-Modell: Kraftstoff und Zertifikat werden voneinander getrennt gehandelt, um zu verhindern, dass dieselbe Emissionsreduktion mehrfach gutgeschrieben wird. Passagiere können laut CoinDesk Abflug- und Zielflughafen eingeben, den errechneten Klimavorteil ablesen und ein persönliches Zertifikat erhalten, das direkt mit dem ursprünglichen Kraftstoffnachweis verknüpft ist.
Die zweite Anwendung konzentriert sich auf Diesel R. Sie setzt laut übereinstimmenden Berichten digitale Prüfpunkte entlang der gesamten Kette — von der Produktion über den Transport bis zur Nutzung — und soll Unternehmen dabei helfen, sogenannte Scope-3-Emissionen zu dokumentieren, also indirekte Treibhausgasemissionen, die entlang der Lieferkette entstehen. Beide Projekte befinden sich noch in der Forschungsphase; Angaben zu abgedeckten Kraftstoffmengen oder einem Zeitplan für den breiten Einsatz liegen nicht vor.
Warum ein Ölkonzern zeigt, was Emissionszertifikate künftig leisten müssen
Das Interessante an diesem Projekt ist nicht, dass ein Energiekonzern Blockchain einsetzt — das ist inzwischen keine Schlagzeile mehr. Interessant ist, warum Petrobras genau diesen Ansatz wählt: Das sogenannte Book-and-Claim-Modell trennt den physischen Kraftstoff bewusst vom Umweltzertifikat. Ein Unternehmen kann also den Nachhaltigkeitsvorteil von irgendwo auf der Welt produziertem Flugkraftstoff erwerben, ohne dass dieser Kraftstoff tatsächlich in den Tank des eigenen Flugzeugs geflossen ist. Das klingt zunächst abstrakt — ist aber genau das Modell, das internationale Klimastandards wie CORSIA für die Luftfahrt vorsehen.
Das eigentliche Problem, das hier gelöst werden soll, ist die Doppelzählung: Ohne transparente, unveränderliche Aufzeichnung könnte dieselbe Emissionsreduktion mehrfach verkauft werden — an verschiedene Unternehmen, die alle glauben, damit ihre Klimabilanz zu verbessern. Eine öffentliche Blockchain macht solche Buchungen für jeden nachprüfbar.
Für deutsche Unternehmen ist das deshalb relevant, weil die EU-Lieferkettensorgfaltspflicht und die CSRD-Berichtspflicht — also die europäischen Regeln zur verpflichtenden Nachhaltigkeitsberichterstattung — genau solche lückenlosen Nachweise für sogenannte Scope-3-Emissionen verlangen: also die indirekten Emissionen, die durch eingekaufte Materialien oder Dienstleistungen entstehen.
Wichtig bleibt jedoch: Beide Anwendungen befinden sich noch in der Forschungsphase. Ob und wann daraus ein produktiver Betrieb wird, ist offen. Petrobras und die Cardano Foundation haben weder Mengen noch einen Zeitplan kommuniziert. Das Projekt ist ein Proof of Concept — kein ausgerolltes System.
Warum eine Ölgesellschaft ausgerechnet eine Krypto-Blockchain nutzt
Im Kern geht es hier um ein klassisches Dokumentationsproblem: Wie lässt sich glaubwürdig nachweisen, dass ein bestimmter Kraftstoff tatsächlich nachhaltig hergestellt wurde — und dass dieselbe Emissionsreduktion nicht mehrfach gutgeschrieben wird? Genau dafür wird eine Blockchain — eine unveränderliche, gemeinsam geführte Datenbank ohne zentrale Kontrollinstanz — als technisches Fundament eingesetzt.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die Tokenisierung: Umweltattribute des Kraftstoffs werden in digitale Token umgewandelt — also in eindeutige digitale Einheiten, die sich zuweisen, übertragen und überprüfen lassen. Ist ein Token einmal vergeben, kann er nicht nochmals vergeben werden.
Cardano ist dabei keine neue Bekanntschaft für Petrobras: Die Zusammenarbeit mit der Cardano Foundation begann laut Cointelegraph bereits 2023 mit Schulungen für Petrobras-Mitarbeiter — die Energiesektor-Forschung mit dem akademischen Partner PUC-Rios Ledger Labs kam erst 2025 hinzu.