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Kraken-Muttergesellschaft Payward kooperiert mit Singapore Gulf Bank für rund um die Uhr Dollar-Settlement
Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 05. Oktober 2026

Kraken-Muttergesellschaft Payward und die Singapore Gulf Bank (SGB) gehen eine Partnerschaft ein, um institutionellen Kunden erstmals rund um die Uhr US-Dollar-Abrechnungen für Krypto-Transaktionen zu ermöglichen — so berichten übereinstimmend CoinDesk und Cointelegraph. Der Schritt zielt darauf ab, eine grundlegende Schwäche des klassischen Finanzsystems zu beheben: Während Kryptomärkte niemals schließen, endet die herkömmliche Bankabwicklung mit dem Geschäftsschluss. Für institutionelle Anleger — also Banken, Fonds und Unternehmen — kann genau diese Lücke teuer werden.
SGB Net, Kraken Prime und der Start in Asien und am Golf
Technisches Herzstück der Kooperation ist SGB Net, das Echtzeit-Clearing-Netzwerk der Singapore Gulf Bank — ein Fiat-Zahlungssystem, das Überweisungen in US-Dollar ohne Unterbrechung abwickelt. Die Bank gibt an, damit monatlich mehr als 20 Milliarden US-Dollar zu verarbeiten; gestartet wurde SGB Net im Jahr 2025. Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Cointelegraph hat Payward dieses Netzwerk nun integriert, um institutionellen Kunden in Asien und der Golfregion Settlement — also die finale Abrechnung und Übertragung von Geldbeträgen nach einem Trade — rund um die Uhr anzubieten.
Die Zusammenarbeit geht über die reine Abwicklung hinaus: Die Singapore Gulf Bank erhält laut Cointelegraph außerdem Zugang zu digitaler Asset-Liquidität über Kraken Prime, Paywares Brokerage-Dienst für institutionelle Kunden, und wird Paywares Handelsplattform zur Kursstellung für eigene Kundentrades nutzen.
Zum Start ist das Angebot auf US-Dollar-Transaktionen und eine begrenzte Gruppe institutioneller Kunden beschränkt. Konkrete Teilnehmerzahlen oder Volumenziele haben beide Unternehmen nicht genannt. Bemerkenswert: Die Singapore Gulf Bank trägt „Singapore" im Namen, ist jedoch in Bahrain reguliert.
Warum die Uhr im Krypto-Settlement bisher immer zu früh aufgehört hat zu ticken
Das eigentliche Problem hinter dieser Partnerschaft ist ein strukturelles: Kryptomärkte kennen keine Mittagspause, kein Wochenende, keine Feiertage — klassische Bankensysteme hingegen schon. Wer als institutioneller Akteur tagsüber Bitcoin oder Ether kauft, muss den US-Dollar-Gegenwert oft über Nacht oder über das Wochenende im System "parken", bevor die eigentliche Abrechnung stattfindet. In dieser Wartezeit trägt er ein Abwicklungsrisiko — das Risiko, dass sich Kurse oder Gegenparteien verändern, bevor die Transaktion wirklich abgeschlossen ist.
Genau hier setzt SGB Net an. Es ist kein Krypto-Protokoll, sondern ein klassisches Fiat-Clearing-Netzwerk — nur eines, das rund um die Uhr läuft. Die Kombination mit Krakenss institutionellem Broker-Dienst schafft so eine Brücke, die bisher fehlte.
Einschränkend ist festzuhalten: Die Kooperation gilt vorerst nur für ausgewählte institutionelle Kunden in Asien und der Golfregion — Privatanleger oder normale Kraken-Nutzer sind ausdrücklich nicht gemeint. Wie viele Kunden teilnehmen und welche Volumina tatsächlich bewegt werden, haben beide Unternehmen offengelassen.
Für deutsche Anleger und Unternehmen ändert sich damit zunächst nichts Direktes. Interessant ist die Meldung trotzdem als Richtungsanzeiger: Sie zeigt, dass die Branche die Abwicklungsinfrastruktur — bisher das unspektakulärste, aber kritischste Glied der Kette — ernsthaft modernisiert. Ob und wann solche Dienste den europäischen Markt erreichen, bleibt offen.
Warum Bankzeiten und Kryptomärkte nicht zusammenpassen
Wer im Krypto-Bereich handelt, kennt das Prinzip: Die Märkte laufen sieben Tage die Woche, rund um die Uhr. Das klassische Bankensystem funktioniert jedoch anders. Das sogenannte Settlement — also die finale Abrechnung und Übertragung von Geld nach einem Handel — folgt traditionell festen Geschäftszeiten und Clearingfenstern. Eine Order kann zwar jederzeit ausgeführt werden, die tatsächliche Geldüberweisung zur Gegenpartei aber erst Stunden später oder am nächsten Werktag.
Für Privatanleger ist das meist kein großes Problem. Für institutionelle Marktteilnehmer — also Banken, Vermögensverwalter oder große Handelsunternehmen — kann diese Verzögerung jedoch echte Kosten verursachen: Kapital ist gebunden, Risiken können sich über Nacht verschieben, und Gegenparteien müssen auf Sicherheiten warten.
Genau hier setzt die Infrastruktur an, die Payward und SGB nun verknüpfen: ein Echtzeit-Fiat-Clearingnetz auf der einen Seite, eine spezialisierte Krypto-Handelsplattform auf der anderen.
Häufige Fragen
Können auch private Kraken-Nutzer diesen Dienst nutzen?
Nein. Das neue 24/7-Settlement-Angebot richtet sich ausschließlich an eine ausgewählte Gruppe institutioneller Kunden — also Unternehmen, Fonds oder Banken — in Asien und der Golfregion. Für private Anleger, die über Kraken handeln, ändert sich durch diese Partnerschaft vorerst nichts. Payward und Singapore Gulf Bank haben angekündigt, den Dienst künftig auf weitere Kunden und Währungen auszuweiten; konkrete Zeitpläne wurden nicht genannt.
Was bedeutet „Settlement" im Zusammenhang mit Krypto?
Settlement — auf Deutsch: Abwicklung oder Abrechnung — bezeichnet den Moment, in dem ein Handel endgültig abgeschlossen ist: Der Käufer erhält seinen Vermögenswert, der Verkäufer sein Geld. Im traditionellen Bankwesen kann das Stunden oder sogar Tage dauern und ist an Geschäftszeiten gebunden. Da Kryptomärkte rund um die Uhr laufen, entsteht eine Lücke: Transaktionen werden zwar initiiert, aber die Geldseite lässt auf sich warten — ein Risiko, das für institutionelle Teilnehmer besonders kostspielig sein kann.