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NFL stellt sich gegen Kalshi und Polymarket: US-Supreme-Court soll Regulierungsstreit entscheiden

Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 08. Oktober 2026

NFL stellt sich gegen Kalshi und Polymarket: US-Supreme-Court soll Regulierungsstreit entscheiden

Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Decrypt hat die NFL am 8. Oktober 2026 beim US Supreme Court einen sogenannten Amicus-Brief eingereicht — ein Schriftstück, mit dem eine nicht direkt beteiligte Partei das Gericht auf eine bestimmte Rechtsauffassung hinweisen kann. Die Liga unterstützt damit den Antrag des Bundesstaats New Jersey auf eine höchstrichterliche Klärung: Wer beaufsichtigt Wettmärkte wie Kalshi und Polymarket — die Bundesbehörde CFTC oder die einzelnen US-Bundesstaaten? Für europäische Beobachter ist das Verfahren besonders relevant, weil Polymarket auf Krypto-Infrastruktur läuft und ein US-Präzedenzurteil den globalen Regulierungsrahmen für solche Märkte prägen könnte.

Wer darf Sportwetten beaufsichtigen? Drei Bundesgerichte, drei verschiedene Antworten

Der Kern des Streits ist ein sogenannter Circuit Split — das bedeutet: Verschiedene US-Bundesgerichte haben dieselbe Rechtsfrage unterschiedlich beantwortet, was den Supreme Court zum natürlichen Schiedsrichter macht. Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Decrypt urteilte das Third Circuit, Kalshas Sportwetten-Kontrakte seien als sogenannte „Swaps" — also standardisierte Tauschgeschäfte auf Finanzmärkten — einzustufen und damit Bundessache unter ausschließlicher Zuständigkeit der CFTC. Das Sixth und Ninth Circuit sahen das gegenteilig: Hier sollen die Bundesstaaten das letzte Wort haben.

Die NFL belegt in ihrem Brief, warum ihr das nicht egal ist: An einem einzigen Spielsonntag wurden laut dem Schriftstück Kontrakte im Wert von 1,8 Milliarden US-Dollar allein zu NFL-Spielen gehandelt — von insgesamt 3,3 Milliarden Dollar an diesem Tag. Konkret bemängelt die Liga, dass Kalshi Nutzern ab 18 Jahren den Handel erlaubt, während viele Bundesstaaten für Sportwetten ein Mindestalter von 21 Jahren vorschreiben. Zudem, so die NFL, verfüge die CFTC landesweit lediglich über 543 Mitarbeiter — zu wenige, um einen Markt dieser Größenordnung wirksam zu kontrollieren.

Bemerkenswert: Auch Gary Gensler, ehemaliger Chef sowohl der CFTC als auch der SEC, sowie Ex-Senator Chris Dodd — Mitautor des Dodd-Frank-Gesetzes, auf das die CFTC ihre Alleinzuständigkeit stützt — reichten eigene Briefs ein und widersprechen der aktuellen CFTC-Position.

Wenn die NFL, ein Ex-Minister und der Architekt eines Gesetzes gegen dieselbe Behörde argumentieren

Das Auffälligste an diesem Verfahren ist nicht, dass die NFL klagt — sondern wer sonst noch auf der gleichen Seite steht. Gary Gensler, der als früherer CFTC-Chef die Behörde selbst geleitet hat, reichte einen Brief ein, der der aktuellen CFTC-Position widerspricht. Und Chris Dodd, der das Dodd-Frank-Gesetz mitgeschrieben hat, auf das die CFTC ihre Alleinzuständigkeit stützt, erklärt ausdrücklich: So war das Gesetz nie gemeint. Wenn der Autor eines Gesetzes dessen Auslegung öffentlich korrigiert, ist das kein juristisches Detail — das ist ein starkes inhaltliches Signal an das Gericht.

Wichtig zu verstehen: Die NFL will Prediction Markets nicht abschaffen. Sie will, dass die Bundesstaaten mitreden dürfen — etwa beim Mindestalter (18 Jahre bei Kalshi, 21 Jahre nach vielen Staatsgesetzen) oder beim Verbraucherschutz. Die Frage ist also nicht Erlaubnis gegen Verbot, sondern: Wer setzt die Spielregeln?

Das ist auch deshalb interessant, weil Polymarket technisch auf Krypto-Infrastruktur aufbaut. Wenn der Supreme Court entscheidet, dass die CFTC allein zuständig ist, könnten Krypto-basierte Wettmärkte langfristig unter einer einzigen, relativ liberalen Bundesbehörde operieren — statt unter einem Flickenteppich aus 50 verschiedenen Staatsgesetzen. Ob das für Nutzer und Betreiber günstiger wäre, hängt davon ab, wie die CFTC diese Zuständigkeit in der Praxis ausübt.

Wetten als Finanzprodukt: Warum die Aufsichtsfrage so kompliziert ist

Prediction Markets — auf Deutsch Vorhersagemärkte — funktionieren wie eine Börse für Ereigniswetten. Nutzer kaufen Verträge darauf, ob etwas eintritt: Gewinnt Team A? Schlägt Kandidat B die Wahl? Der Preis dieser Verträge spiegelt in Echtzeit wider, wie wahrscheinlich das Ereignis laut dem Markt ist.

Der Knackpunkt: Solche Verträge können rechtlich als Derivate — also als Finanzinstrumente, deren Wert von einem anderen Ereignis abhängt — eingestuft werden. Genau das hat das Third Circuit getan: Es klassifizierte Kalshas Sportwettkontrakte als sogenannte „Swaps" (eine Unterform von Derivaten) und ordnete sie damit dem Zuständigkeitsbereich der CFTC zu — der US-Bundesbehörde für Rohstoff- und Derivatemärkte. Andere Gerichte sahen dieselben Produkte als klassisches Glücksspiel, das die Bundesstaaten selbst regeln dürfen. Aus diesem Widerspruch entstand der Rechtsstreit, der nun vor dem Supreme Court landet.

Häufige Fragen

Was ist ein Amicus-Brief, und warum reicht die NFL einen ein?

Ein Amicus-Brief — lateinisch für „Schreiben eines Freundes des Gerichts" — erlaubt es Organisationen, die nicht direkt Partei eines Rechtsstreits sind, dem Gericht ihre Perspektive darzulegen. Die NFL ist in diesem Fall weder Klägerin noch Beklagte, hat aber ein klares Interesse am Ausgang: Sportereignisse der Liga machen einen erheblichen Teil des Handelsvolumens auf Prediction Markets aus, und die Liga möchte Einfluss darauf nehmen, welche Regeln dabei gelten.

Warum widersprechen ausgerechnet frühere CFTC- und Gesetzes-Autoren der aktuellen Behördenposition?

Gary Gensler, ehemaliger Vorsitzender der CFTC, sowie Chris Dodd, Mitautor des Dodd-Frank-Gesetzes — der gesetzlichen Grundlage, auf die die CFTC ihre Alleinzuständigkeit stützt — haben eigene Briefs eingereicht und widersprechen der aktuellen Behördenlinie. Dodd erklärt ausdrücklich, das Gesetz habe nie bezweckt, bundesweites Sportwetten über Derivatemärkte zu ermöglichen. Solche internen Widersprüche aus dem eigenen institutionellen Umfeld können für das Gericht ein wichtiges Signal sein.

Quellen