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New York Lifes 807-Milliarden-Dollar-Vermögensverwalter startet ersten tokenisierten Hochzinsanleihen-Fonds mit Centrifuge
Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 30. Juni 2026

Einer der größten Vermögensverwalter der USA wagt den Schritt in die Blockchain-Welt: Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Decrypt hat New York Life Investment Management (NYLIM), die Investmenttochter des Lebensversicherers New York Life mit 807 Milliarden US-Dollar unter Verwaltung, ihren ersten tokenisierten Fonds angekündigt. Das Produkt setzt auf Hochzinsanleihen — also Unternehmensanleihen mit überdurchschnittlichem Zinsniveau und entsprechend höherem Risiko — und zeigt, dass die Digitalisierung klassischer Finanzprodukte auf der Blockchain längst über sichere Staatsanleihen hinausgeht.
USDC statt Banküberweisung: So funktioniert der neue Fonds von NYLIM
Der Fonds trägt den vollständigen Namen NYLIM Anemoy U.S. High Yield Corporate Bond Segregated Portfolio und ist unter dem Kürzel HYB identifizierbar. Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Decrypt können berechtigte Anleger Anteile über Token zeichnen und zurückgeben, die auf der Tokenisierungsplattform Centrifuge ausgegeben werden. Zeichnung und Rückgabe — also Ein- und Ausstieg in den Fonds — werden dabei vollständig im Stablecoin USDC abgewickelt, nicht in klassischen Bankwährungen.
Einen wichtigen Haken gibt es: Laut Decrypt richtet sich das Angebot ausdrücklich nicht an US-amerikanische Personen und wird auch nicht innerhalb der Vereinigten Staaten vertrieben. Die Einschränkung spiegelt die regulatorischen Hürden wider, denen US-Vermögensverwalter beim Einsatz tokenisierter Produkte begegnen.
Centrifuge ist in diesem Bereich kein unbeschriebenes Blatt: Laut CoinDesk tokenisiert die Plattform bereits Fonds von Apollo Global Management und Janus Henderson, deren Anteile zunehmend in dezentrale Finanzprotokolle — sogenannte DeFi-Anwendungen — wie Aave und Morpho eingebunden sind. Coinbase hat Centrifuge zudem als bevorzugten Tokenisierungspartner benannt.
Wenn Wall Street tokenisiert — was das für europäische Anleger bedeutet (und was nicht)
Der Markteintritt von NYLIM ist kein isoliertes Ereignis. Er reiht sich ein in eine Bewegung, die BlackRock, Franklin Templeton und Apollo bereits angestoßen haben: Traditionelle Finanzprodukte wandern auf die Blockchain — nicht weil die Technologie cool klingt, sondern weil sie Abwicklungsprozesse vereinfachen und neue Anlegergruppen erreichbar machen kann.
Für europäische und damit auch deutsche Anleger enthält dieser Schritt eine wichtige Botschaft: Der Fonds richtet sich ausdrücklich an Nicht-US-Personen. Das bedeutet, dass institutionelle Investoren außerhalb der Vereinigten Staaten grundsätzlich zur angesprochenen Zielgruppe gehören könnten — sofern sie die jeweiligen Zugangsvoraussetzungen erfüllen. Privatanleger sollten jedoch nüchtern bleiben: Auch tokenisierte Fonds sind keine Selbstbedienung. Wer teilnehmen darf, bestimmt weiterhin die Plattform, nicht die Blockchain.
Mindestens ebenso aufschlussreich ist die Wahl des Instruments. Hochzinsanleihen sind kein konservatives Segment — sie versprechen höhere Zinserträge, tragen aber auch ein erhöhtes Ausfallrisiko. Dass NYLIM ausgerechnet dieses Produkt für seinen Tokenisierungs-Erstauftritt wählt, zeigt: Die Technologie soll offenbar nicht nur sichere, leicht handelbare Staatsanleihen digital abbilden, sondern auch komplexere Anlageklassen erschließen.
Was dieser Schritt für den Alltag normaler Sparer bedeutet, bleibt vorerst offen. Tokenisierung ist kein Versprechen auf Rendite — sie ist zunächst eine neue Infrastruktur, deren Nutzen sich erst im Laufe der Zeit zeigen wird.
Blockchain als Fondsbuch: Was „Tokenisierung" hier konkret bedeutet
Wer das Produkt von NYLIM verstehen will, braucht zwei Grundbegriffe. Tokenisierung bedeutet: Ein klassisches Finanzprodukt — hier ein Fonds, der in Unternehmensanleihen investiert — wird durch digitale Token auf einer Blockchain abgebildet. Jeder Token steht für einen Anteil am Fonds, ähnlich wie ein Aktienzertifikat. Was sich ändert: Übertragungen und Abwicklungen laufen über Code statt über Banken-Infrastruktur. Einen ausführlicheren Einstieg bietet unser Artikel Was ist Tokenisierung und wie funktionieren Real-World-Assets auf der Blockchain?.
Die Abwicklung von Käufen und Verkäufen erfolgt beim HYB-Fonds in USDC — einem sogenannten Stablecoin, einer digitalen Währung, deren Kurs an den US-Dollar gekoppelt ist. Was USDC ist und wie er funktioniert, erklärt unser Stablecoin-Ratgeber.
Solche tokenisierten Fondsanteile zählen zur wachsenden Kategorie der Real-World-Assets (RWA) — reale Finanzwerte, die auf der Blockchain handelbar gemacht werden.