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Nasdaq investiert 100 Millionen Dollar in Kraken-Mutter Payward bei 21-Milliarden-Bewertung
Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 11. September 2026

Nasdaqs Venture-Arm investiert 100 Millionen US-Dollar in Payward, die Muttergesellschaft der Kryptobörse Kraken — und bewertet das Unternehmen dabei mit 21 Milliarden Dollar. Das berichten Cointelegraph und Decrypt übereinstimmend unter Berufung auf Bloomberg. Für deutsche Anleger ist das Geschäft aus einem konkreten Grund interessant: Im Gegenzug soll Kraken tokenisierte Nasdaq-Aktien anbieten — also digitale Wertpapiere auf der Blockchain, die laut Decrypt sogar echte Stimmrechte tragen sollen, was in dieser Produktklasse bisher die Ausnahme ist.
Drei Deals, eine Logik: Wie Nasdaq, Deutsche Börse und Co. Kryptobörsen zur Infrastruktur erklären
Laut übereinstimmenden Berichten von Cointelegraph und Decrypt baut die Transaktion auf einer Partnerschaft auf, die Nasdaq und Payward bereits im März 2026 geschlossen hatten. Die 21-Milliarden-Dollar-Bewertung stammt von Bloomberg-Quellen — eine offizielle Bestätigung von Nasdaq oder Payward liegt laut Cointelegraph nicht vor. Zum Vergleich: Als Deutsche Börse im April 2026 ebenfalls 200 Millionen Dollar in Payward investierte, ergab sich daraus laut Bloomberg-Berechnung eine implizite Bewertung von rund 13,3 Milliarden Dollar — der Wert ist also nicht festgeschrieben, sondern schwankt je nach Transaktion.
Das Geschäft umfasst mehr als eine Geldspritze. Payward wird Nasdaqs Marktüberwachungstechnologie — Software, die verdächtige Handelsmuster erkennt — für seine Handelsplätze übernehmen, darunter Krypto, Aktien, tokenisierte Aktien, Futures und Optionen.
Nasdaq ist dabei nicht der erste etablierte Börsenbetreiber mit einem solchen Schritt: Die Intercontinental Exchange, Eigentümerin der New Yorker Börse NYSE, war laut Decrypt bereits im März 2026 bei der Kryptobörse OKX eingestiegen. Nasdaq ist damit der dritte große Börsenbetreiber, der 2026 eine Kryptoplattform direkt beteiligt.
Wenn Börsenbetreiber Kryptoplattformen als Infrastruktur entdecken
Was auf den ersten Blick wie eine weitere Finanzierungsrunde wirkt, hat eine strategische Logik, die über reines Kapital hinausgeht. Nasdaq bringt nicht nur Geld — der Deal gibt Kraken Zugang zu Nasdaqs Überwachungstechnologie für mehrere Handelsplätze gleichzeitig. Das signalisiert: Payward soll nicht nur eine Kryptobörse bleiben, sondern zu einer regulierten Multi-Asset-Plattform für digitale und klassische Wertpapiere werden.
Bemerkenswert ist auch das Tempo. Binnen weniger Monate haben mit Deutsche Börse, Intercontinental Exchange (Eigentümerin der New Yorker Börse NYSE) und nun Nasdaq drei der bedeutendsten klassischen Börseninfrastruktur-Anbieter weltweit eine direkte Beteiligung an Kryptoplattformen erworben. Das ist kein Zufall, sondern ein struktureller Schritt: Traditionelle Börsenbetreiber sichern sich Positionen in der Infrastruktur, die sie für das kommende Segment tokenisierter Wertpapiere brauchen werden.
Für deutsche Leser lohnt ein nüchterner Blick auf die Grenzen des Deals. Die 21-Milliarden-Dollar-Bewertung stammt aus Bloomberg-Quellen — weder Nasdaq noch Payward haben sie offiziell bestätigt. Und der geplante Börsengang von Payward liegt seit März 2026 auf Eis; wann oder ob er kommt, ist offen.
Beim Thema tokenisierte Aktien mit Stimmrechten gilt zudem: Das Produktfeld ist regulatorisch noch weitgehend unerschlossen — auch in der EU. Was technisch möglich ist, und was Aufsichtsbehörden wie die BaFin letztlich zulassen, sind zwei verschiedene Fragen, die sich erst beantworten werden müssen.
Wenn Börsenbetreiber Krypto-Infrastruktur kaufen: Was steckt dahinter?
Zum Verständnis des Deals helfen zwei Grundbegriffe. Erstens: Was ist ein Token? — Ein tokenisiertes Wertpapier ist eine digitale Darstellung einer echten Aktie auf einer Blockchain. Die zugrundeliegende Aktie liegt dabei weiterhin bei einem klassischen Verwahrer; der Token bildet den Anspruch darauf ab. Bisher boten solche Produkte meist nur Kursexposition — wer kaufte, profitierte von Kursbewegungen, hatte aber keine Stimmrechte. Das Kraken-Angebot soll laut Decrypt genau das ändern.
Zweitens der strategische Rahmen: Traditionelle Börsenbetreiber — also Unternehmen, die klassische Wertpapiermärkte betreiben — suchen seit Jahren nach Wegen, tokenisierte Finanzprodukte in ihre bestehende Infrastruktur einzubinden. Nasdaq ist dabei nicht allein: Deutsche Börse investierte im April 2026 ebenfalls in Payward, die Intercontinental Exchange (Eigentümerin der New York Stock Exchange) stieg im März 2026 bei der Kryptobörse OKX ein. Nasdaq ist damit bereits der dritte große Börsenbetreiber, der 2026 direkt bei einer Kryptoplattform einsteigt.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen tokenisierten Aktien mit und ohne Stimmrechte?
Die meisten tokenisierten Aktien — also digitale Abbilder von Wertpapieren auf einer Blockchain — bilden bislang nur die Kursentwicklung einer Aktie nach. Wer sie hält, profitiert von Preisbewegungen, hat aber keine Mitsprache in Hauptversammlungen. Das Modell, das Kraken laut Decrypt für die tokenisierten Nasdaq-Aktien anstrebt, geht weiter: Die Token sollen dieselben Stimmrechte tragen wie reguläre Aktien — ein Merkmal, das in dieser Produktklasse bisher kaum verbreitet ist.
Warum investiert Nasdaqs Venture-Arm und nicht Nasdaq selbst?
Venture-Arme großer Konzerne funktionieren wie interne Frühphasen-Fonds: Sie gehen gezielte Minderheitsbeteiligungen ein, ohne dass der Mutterkonzern ein Unternehmen vollständig übernimmt. Nasdaq bleibt damit strategischer Partner und Investor zugleich, ohne die operative Kontrolle über Payward anzustreben. Das erklärt auch, warum die Transaktion als Investition eingestuft wird und nicht als Übernahme.