News
Kraken bringt über 7.000 US-Aktien und tokenisierte xStocks für EWR-Kunden auf eine Plattform
Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 18. August 2026

Kraken weitet sein Handelsangebot für Kunden im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) erheblich aus: Laut einer aktuellen Ankündigung der Kryptobörse können berechtigte Nutzer ab sofort über 7.000 US-amerikanische Aktien sowie mehr als 700 sogenannte xStocks — tokenisierte, also auf der Blockchain abgebildete Aktien — innerhalb eines einzigen regulierten Kontos handeln. Für deutsche Anleger, die klassische Wertpapiere und Krypto bislang auf getrennten Plattformen verwalten mussten, ist das ein bemerkenswerter Schritt.
Zwei Produktwelten, ein Konto: So ist das Angebot aufgebaut
Der Aktienhandel läuft unter MiFID-II-Zulassung — dem europäischen Regelwerk für Wertpapierdienstleistungen — und wird von Payward Europe Digital Solutions (CY) Limited erbracht, einer Tochtergesellschaft von Kraken mit Lizenz der zypriotischen Wertpapieraufsicht CySEC (Nr. 342/17). Für berechtigte EWR-Kunden ist der Handel provisionslos; Spreads und Währungsumrechnungskosten fallen laut Ankündigung (Kraken) dennoch an.
Anders gelagert sind die xStocks: Diese tokenisierten Aktienabbilder werden nicht von Kraken selbst ausgegeben, sondern von Backed Assets (JE) Limited — einem Unternehmen aus Jersey — und über Payward Digital Solutions Ltd. (lizenziert von der Bermuda Monetary Authority) vertrieben. Jedes xStock ist 1:1 durch den jeweiligen Basiswert besichert und als digitaler Token auf der Blockchain hinterlegt. Ein wesentlicher Unterschied zu klassischen Aktien: xStocks sind bei keiner lokalen Wertpapieraufsichtsbehörde registriert.
Der praktische Vorteil der Token-Variante liegt in der Flexibilität: Sie lassen sich in selbstverwaltete Wallets übertragen und auch außerhalb regulärer Börsenzeiten handeln. Seit ihrem Launch haben xStocks ein kumuliertes Transaktionsvolumen von über 38 Milliarden US-Dollar erreicht, wie Kraken mitteilt. Auf derselben Plattform sind zusätzlich mehr als 600 Krypto-Assets handelbar.
Eine Plattform, zwei sehr unterschiedliche Produkte — das sollten Anleger auseinanderhalten
Der eigentliche Clou dieses Angebots liegt nicht in der Zahl der handelbaren Werte, sondern in der regulatorischen Zweispurigkeit: Klassische US-Aktien fallen unter die MiFID-II-Zulassung und werden von Payward Europe Digital Solutions über die zypriotische Aufsichtsbehörde CySEC abgewickelt — ein bekannter Rahmen, den viele europäische Broker ebenfalls nutzen. xStocks hingegen laufen über eine bermudische Lizenz (Bermuda Monetary Authority) und sind — das ist entscheidend — nicht bei lokalen Wertpapieraufsichtsbehörden registriert, also weder bei der deutschen BaFin noch bei vergleichbaren Stellen in anderen EWR-Ländern.
Das bedeutet konkret: Wer xStocks kauft, hält keinen Anteil an einer klassisch regulierten Aktie, sondern einen Token — einen digitalen Vermögenswert, der laut Kraken 1:1 durch den Basiswert gedeckt ist. Ausgeber ist Backed Assets (JE) Limited mit Sitz in Jersey, nicht Kraken selbst. Wie solche tokenisierten Wertpapiere im Insolvenzfall eines Emittenten behandelt werden, ist rechtlich noch wenig erprobt.
Hinzu kommt die Kostenfrage: „Provisionslos" heißt nicht gebührenfrei. Spreads — also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis — und Währungsumrechnungskosten können anfallen und sind je nach Handelsvolumen durchaus spürbar. Wer das Kleingedruckte übersieht, unterschätzt die tatsächlichen Handelskosten.
Für deutsche Anleger bleibt auch die steuerliche Behandlung von xStocks eine offene Frage: Ob das Finanzamt diese Token wie Aktien, Derivate oder sonstige Wirtschaftsgüter einordnet, ist bislang nicht abschließend geklärt.
Wenn Aktien auf die Blockchain wandern: Was hinter xStocks steckt
Klassische Aktien existieren als Buchungsposten bei Depotbanken — unsichtbar, gebunden an Börsenzeiten, nicht frei übertragbar. Tokenisierung überträgt diesen Anspruch auf eine öffentliche Blockchain: Jedes xStock ist ein digitaler Token, der stellvertretend für eine echte, hinterlegte Aktie steht. Die Tokens werden von Backed Assets (JE) Limited ausgegeben, einem auf solche Produkte spezialisierten Anbieter; Kraken vertreibt sie lediglich über seine Tochtergesellschaft PDSL.
Der praktische Unterschied zu einem normalen Depot: Solche Token können in eine eigene Non-Custodial Wallet — eine Brieftasche, über die ausschließlich der Nutzer selbst die Kontrolle hat — übertragen werden, rund um die Uhr, ohne Makler dazwischen. Das klingt nach mehr Freiheit, bedeutet aber auch mehr Eigenverantwortung: Wer den Zugangscode verliert, verliert den Zugriff auf seinen Bestand.
Der regulatorische Rahmen für klassische Aktien ist dabei ein anderer als für xStocks — ein Unterschied, der für Anleger erheblich ist.
Häufige Fragen
Was genau ist der Unterschied zwischen einer klassischen Kraken-Aktie und einem xStock?
Eine klassische Aktie auf Kraken funktioniert wie bei einem herkömmlichen Broker: Sie wird über eine regulierte Wertpapierfirma gehandelt und ist im Depot verwahrt. Ein xStock hingegen ist ein Token — eine digitale Darstellung derselben Aktie auf der Blockchain, besichert durch den echten Basiswert. xStocks sind nicht bei lokalen Wertpapieraufsichtsbehörden registriert und werden von Backed Assets (JE) Limited ausgegeben, nicht von Kraken selbst.
Ist der Handel wirklich kostenlos?
Kraken bewirbt den Handel als „provisionslos" — das bedeutet: keine feste Transaktionsgebühr pro Order. Laut Kraken können jedoch Spreads (der Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufspreis) sowie Wechselkurskosten anfallen, wenn in einer Fremdwährung gehandelt wird. Null Provision heißt also nicht zwingend null Kosten.
Kann ich xStocks in meine eigene Wallet übertragen?
Ja. xStocks lassen sich in eine Non-Custodial Wallet — eine Wallet, bei der nur der Nutzer den Zugangsschlüssel hält — übertragen und auch außerhalb regulärer Börsenzeiten handeln. Bei klassischen Aktien ist das nicht möglich.