News
Kraken startet strukturiertes Liquidity-Provider-Programm mit fünf Stufen und Maker-Rebates
Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 04. September 2026

Die Krypto-Börse Kraken führt laut einem Blogbeitrag des Unternehmens zum 4. September 2026 ein strukturiertes Liquidity-Provider-Programm mit fünf Stufen ein — und bezahlt bestimmte Marktteilnehmer künftig dafür, dass sie Liquidität bereitstellen. Für deutsche Anleger ist das auf den ersten Blick wenig spürbar; indirekt aber beeinflusst ein solches Programm, wie eng die Kursspannen an der Börse sind — und damit, zu welchem Preis jeder Kauf oder Verkauf abgewickelt wird.
Fünf Stufen, ein Anteilsmaß — so funktioniert Krakens neues Vergütungssystem
Das Herzstück des Programms ist ein ungewöhnlicher Qualifikationsmechanismus: Laut Kraken Liquidity Provider Program (Kraken) entscheidet nicht ein fester Mindestbetrag in Dollar darüber, wer in welche Stufe eingeordnet wird, sondern der sogenannte Maker Contribution Share — also der prozentuale Anteil, den ein Teilnehmer am gesamten Maker-Volumen der Plattform auf rollierender 30-Tage-Basis beisteuert. Je größer dieser Anteil, desto höher die Stufe (LP 1 bis LP 5).
Die Vergütung wächst mit der Stufe: An der Spitze zahlt Kraken den Teilnehmern laut eigenen Angaben einen Maker-Rebate — also eine Rückvergütung pro ausgeführter Order — von bis zu -0,005 % im Spotmarkt, -0,006 % im Futures-Bereich und -0,020 % auf dem xStocks-Markt, einem Segment für tokenisierte Aktien.
Spot- und Futures-Anteile werden dabei unabhängig voneinander bewertet: Wer die Schwelle im Futures-Bereich erreicht, erhält die entsprechende Tier-Einstufung, ohne gleichzeitig die Spot-Vorgabe erfüllen zu müssen. Ab Stufe LP 3 kommt ein weiterer Baustein hinzu: Qualifizierte Teilnehmer können eine Kreditlinie beantragen, deren genaue Konditionen Kraken zufolge bilateral mit dem institutionellen Team ausgehandelt werden.
Warum anteilsbasierte Qualifikation kleineren Market Makern nützt — und was das für Handelsspreads bedeutet
Der entscheidende Unterschied zu klassischen Börsenprogrammen liegt in der Qualifikationslogik: Wer bisher an anderen Plattformen als Market Maker aktiv war, musste oft starre Mindestvolumina in absoluten Dollar-Beträgen erfüllen — ein struktureller Vorteil für große Handelshäuser mit tiefem Kapitalpolster. Krakens Ansatz, stattdessen den Maker Contribution Share zu messen — also den prozentualen Anteil am gesamten passiven Ordervolumen der Plattform —, verschiebt das Gleichgewicht. Ein mittelgroßer Anbieter, der zuverlässig einen nennenswerten Anteil der Liquidität beisteuert, kommt schneller in höhere Stufen als unter einem reinen Volumenschwellen-Modell.
Das klingt technisch, hat aber praktische Konsequenzen: Je mehr qualifizierte Anbieter aktiv Kauf- und Verkaufsaufträge in das Orderbuch stellen, desto enger werden typischerweise die Spannen zwischen Ankaufs- und Verkaufspreis — und desto günstiger handeln letztlich alle Nutzer, auch Privatanleger.
Kritisch betrachtet bleibt jedoch: Kraken ist als eigeninteressierte Partei Urheber dieser Darstellung. Ob das Programm tatsächlich mehr Wettbewerb unter Liquiditätsanbietern erzeugt oder vor allem bestehende Großkunden stärker an die Plattform bindet, lässt sich von außen nicht abschließend beurteilen. Die Kreditlinien ab LP-Stufe 3 etwa werden bilateral verhandelt — Konditionen und Risiken bleiben damit intransparent.
Für in Deutschland ansässige institutionelle Händler gilt zudem: Jede Vereinbarung mit einer Krypto-Börse sollte auf Vereinbarkeit mit MiCA-Anforderungen und nationalen BaFin-Vorgaben geprüft werden.
Warum Börsen Händler fürs Liquidität-Stellen belohnen
Wer an einer Krypto-Börse eine Limit-Order — also einen Kauf- oder Verkaufsauftrag zu einem festen Wunschkurs — ins Orderbuch stellt, ohne sofort eine Gegenpartei zu finden, gilt als Liquiditätsanbieter (Liquidity Provider). Auf Englisch: Maker, weil er Liquidität macht. Wer hingegen sofort zum aktuellen Marktpreis kauft oder verkauft, ist der Taker — er nimmt Liquidität aus dem Orderbuch heraus.
Im Maker-Taker-Modell zahlen Taker in der Regel eine Gebühr, während Maker günstiger wegkommen oder sogar eine kleine Vergütung — einen Rebate — erhalten. Das klingt technisch, hat aber eine simple Wirkung: Je mehr aktive Maker es gibt, desto voller ist das Orderbuch, desto enger sind die Kursspannen, und desto besser sind die Preise für alle Handelsteilnehmer. Börsen haben also ein handfestes Interesse daran, professionelle Market Maker anzuziehen und zu halten.
Häufige Fragen
Was ist ein Maker-Rebate — und warum zahlt eine Börse dafür?
Wer an einer Krypto-Börse eine Limit-Order ins Orderbuch stellt, ohne sofort eine Gegenseite zu finden, gilt als Maker — er „macht" Liquidität. Börsen zahlen diesen Teilnehmern einen Rebate, also eine kleine Gutschrift pro gehandeltem Betrag, weil sie das Orderbuch füllen und dadurch engere Kursspannen für alle ermöglichen. Die Kosten trägt indirekt der Taker, der sofort kauft oder verkauft.
Wer kann sich für das Programm qualifizieren?
Die Einstufung richtet sich nicht nach einem festen Mindestvolumen in Euro oder Dollar, sondern nach dem prozentualen Anteil am gesamten Maker-Volumen auf Kraken — gemessen über ein rollendes 30-Tage-Fenster. Das begünstigt Teilnehmer, die kontinuierlich aktiv sind, nicht nur solche mit einmalig hohem Umsatz.
Ab welcher Stufe gibt es Zusatzleistungen wie eine Kreditlinie?
Laut Kraken beginnt der Zugang zu einer Kreditlinie erst ab der dritten von fünf Stufen (LP 3). Die genauen Konditionen werden bilateral mit dem institutionellen Team der Börse vereinbart.