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Kraken in Gesprächen über 15-%-Beteiligung an DeFi-Protokoll Aave bei 385-Millionen-Dollar-Bewertung

Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 26. Juni 2026

Kraken in Gesprächen über 15-%-Beteiligung an DeFi-Protokoll Aave bei 385-Millionen-Dollar-Bewertung

Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Decrypt verhandelt die Krypto-Börse Kraken derzeit über den Erwerb einer 15-prozentigen Beteiligung am dezentralen Kreditprotokoll Aave — bei einer Unternehmensbewertung von 385 Millionen US-Dollar. Der potenzielle Deal steht im Schatten eines schweren Angriffs auf ein mit Aave vernetztes Protokoll, der früher in diesem Jahr Milliarden an Nutzergeldern in Bewegung setzte. Für deutsche Anleger zeigt der Vorgang, wie sich klassische Krypto-Börsen und die Welt der dezentralen Finanzanwendungen zunehmend annähern.

35.000 Ether gegen Token und Eigenkapital: So ist der Deal strukturiert

Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk sieht der Entwurf des Deals vor, dass Kraken 35.000 Ether — die Kryptowährung der Ethereum-Blockchain — investiert und dafür zwei Dinge erhält: 250.000 AAVE-Token (der native Governance-Token des Protokolls) sowie einen 15-prozentigen Common-Equity-Anteil an der Aave Group, dem Unternehmen hinter dem Protokoll. Der Gesamtwert der Transaktion wird auf rund 71 Millionen US-Dollar beziffert.

Wichtig: Diese 385 Millionen US-Dollar sind die Bewertung des Unternehmens Aave Group — nicht die Marktkapitalisierung des AAVE-Tokens, die laut Decrypt mit rund 1,24 Milliarden US-Dollar mehr als dreimal so hoch liegt.

Laut CoinDesk prüft Kraken außerdem, den Deal zu syndizieren — also weitere Investoren einzubeziehen. Das Investment soll das erste Kapitel einer größeren Strategie sein: Krakens Muttergesellschaft Payward Inc. baut derzeit unter dem Namen Payward Asset Management eine eigene Vermögensverwaltung auf. Zuletzt erwarb Payward die Krypto-Derivatebörse Bitnomial für bis zu 550 Millionen US-Dollar und bereitete eine Kapitalrunde bei einer Bewertung von 20 Milliarden US-Dollar vor.

Wenn die Börse ins Protokoll einsteigt: Was dieser Deal über die Zukunft von Krypto verrät

Für viele Beobachter klingen "zentrale Börse" und "dezentrales Protokoll" wie Gegensätze — schließlich war die Idee hinter Decentralized Finance (DeFi) ursprünglich, ohne Mittelsmann auszukommen. Dass Kraken nun genau dort einsteigen will, ist deshalb mehr als eine Finanztransaktion: Es ist ein Signal, dass die Grenzen zwischen diesen beiden Welten zunehmend verschwimmen.

Für deutsche Nutzer lohnt sich ein genauer Blick auf eine Besonderheit des Deals: Kraken würde sowohl AAVE-Token als auch echte Unternehmensanteile an der Aave Group erhalten. Das ist kein Zufall. Token-Inhaber haben in DeFi-Protokollen in der Regel Mitsprache über Protokollregeln, aber keine klassischen Gesellschafterrechte. Wer beides hält, sitzt auf zwei Stühlen gleichzeitig — mit potenziell mehr Einfluss als jeder bisherige Teilnehmer.

Aufschlussreich ist auch die Bewertungsdiskrepanz: Die Unternehmensbewertung von 385 Millionen US-Dollar liegt deutlich unter der Marktkapitalisierung des AAVE-Tokens von rund 1,24 Milliarden US-Dollar. Token und Unternehmensanteile sind rechtlich völlig verschiedene Dinge — wer Token hält, ist kein Anteilseigner. Das ist ein wichtiger Punkt, den Token-Investoren oft unterschätzen.

Nicht vergessen werden sollte: Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen. Deals dieser Art scheitern häufig oder ändern sich grundlegend. Bis zur Unterzeichnung bleibt der Status quo unverändert.

Wenn Börsen und dezentrale Protokolle sich annähern

Um den Deal zu verstehen, hilft ein kurzer Blick auf die Grundbegriffe: Aave ist ein führendes Protokoll aus dem Bereich Decentralized Finance (DeFi) — also Finanzdienstleistungen, die ohne Bank oder Mittelsmann direkt über Software auf einer Blockchain ablaufen. Konkret ermöglicht Aave Krypto-Kreditvergabe: Nutzer können digitale Vermögenswerte hinterlegen und darauf Kredite aufnehmen oder Zinsen verdienen — vollautomatisch, rund um die Uhr.

Kraken hingegen ist eine klassische zentralisierte Krypto-Börse: Ein Unternehmen mit Sitz, Mitarbeitern und regulatorischen Pflichten, das als Vermittler zwischen Käufern und Verkäufern von Kryptowährungen steht. Diese beiden Welten — das verwaltete Unternehmensmodell auf der einen, die offene Software-Infrastruktur auf der anderen Seite — waren lange getrennt. Dass eine etablierte Börse nun direkt Eigenkapital an einem DeFi-Protokoll erwerben will, markiert einen ungewöhnlichen Schritt in Richtung Verflechtung.

Häufige Fragen

Ist der Deal zwischen Kraken und Aave bereits abgeschlossen?

Nein. Laut den übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Decrypt befinden sich beide Seiten noch in Verhandlungen — zum Zeitpunkt der Berichterstattung gibt es keinen unterzeichneten Vertrag. Solche Gespräche können scheitern, zu veränderten Konditionen abgeschlossen oder ganz abgebrochen werden. Leser sollten daher zwischen einem laufenden Verhandlungsstand und einem vollzogenen Geschäft unterscheiden.

Was bedeutet der Unterschied zwischen AAVE-Token-Marktkapitalisierung und Unternehmensbewertung?

Hier liegt ein häufiges Missverständnis vor: Der AAVE-Token wird am Markt mit einer Kapitalisierung von rund 1,24 Milliarden US-Dollar bewertet — also mehr als dreimal so hoch wie die im Deal angesetzte Unternehmensbewertung der Aave Group von 385 Millionen US-Dollar. Token-Marktkapitalisierung und der Wert des dahinterstehenden Unternehmens sind zwei verschiedene Größen, die sich stark voneinander unterscheiden können.

Quellen