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Anthropics KI schwächt Post-Quanten-Signaturschema HAWK – Bitcoins Quantenpläne unter Druck

Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 30. Juli 2026

Anthropics KI schwächt Post-Quanten-Signaturschema HAWK – Bitcoins Quantenpläne unter Druck

Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Decrypt hat Anthropics noch unveröffentlichtes KI-Modell Claude Mythos Preview eine bisher unbekannte Schwachstelle in HAWK aufgedeckt – einem digitalen Signaturverfahren, das eigens entwickelt wurde, um künftigen Quantencomputern standzuhalten. Der Fund ist für alle relevant, die sich fragen, wie sicher Bitcoin-Wallets in zehn oder zwanzig Jahren noch sein werden: Er zeigt, dass nicht nur Quantencomputer selbst, sondern auch KI-gestützte Analysemethoden solche Sicherheitsverfahren schneller unter Druck setzen können als bisher angenommen.

67 Millionen Mal weniger Rechenaufwand – was Claude Mythos konkret geknackt hat

HAWK ist ein digitales Signaturverfahren – vereinfacht gesagt eine Methode, mit der eine Software beweist, dass eine Nachricht oder Transaktion echt ist, ohne den geheimen Schlüssel preiszugeben. Es gilt als letzter sogenannter gitterbasierter Kandidat in der dritten Runde des NIST-Wettbewerbs, mit dem die US-Standardisierungsbehörde quantensichere Kryptografieverfahren auswählt.

Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Decrypt gelang es Claude Mythos Preview, den kleinsten HAWK-Schlüsselparameter in rund 60 Stunden Rechenzeit zu brechen – zu Kosten von etwa 100.000 US-Dollar. Der entscheidende Befund: Der nötige Rechenaufwand sank von geschätzten 2^64 auf 2^38 Operationen, was rund 67 Millionen Mal weniger Arbeit bedeutet.

Daneben verbesserte das Modell laut Decrypt auch einen Angriff auf eine Forschungsversion von AES – einem weit verbreiteten Verschlüsselungsstandard – um den Faktor 200 bis 800 gegenüber dem bisherigen Rekord aus dem Jahr 2013. Das vollständig eingesetzte AES bleibt davon unberührt. HAWK selbst ist nirgends produktiv im Einsatz; die Ergebnisse gefährden also keine laufenden Systeme, erhöhen aber den Druck auf den NIST-Auswahlprozess.

KI als neuer Taktgeber: Warum das Migrationsfenster enger wird – auch ohne Quantencomputer

Das Bemerkenswerte an diesem Ergebnis ist nicht, dass HAWK gebrochen wurde – es ist, wer es gebrochen hat und wie schnell: ein KI-Modell, in rund 60 Stunden, für etwa 100.000 US-Dollar. Das ist kein trivialer Angriff, aber auch kein staatliches Großprojekt. Es zeigt, dass der Druck auf kryptografische Verfahren künftig von zwei Seiten kommt: von Quantenhardware und von KI-gestützter klassischer Kryptanalyse.

Für Bitcoin-Nutzer ist das zunächst keine akute Gefahr. Das aktuell eingesetzte Signaturverfahren ECDSA – das letztlich entscheidet, wer Bitcoin aus einer Wallet bewegen darf – ist von diesem Angriff nicht betroffen. Und HAWK war ohnehin nie als Migrationsziel für Bitcoin vorgesehen.

Relevant wird es beim Blick auf die laufenden Vorschläge BIP-360 und BIP-361. BIP-360 sieht bewusst mehrere bereits standardisierte Alternativen vor, damit der Ausfall eines einzelnen Verfahrens nicht alles gefährdet – genau das Designprinzip, das sich hier als sinnvoll erweist. BIP-361 geht weiter: Es würde mehr als ein Drittel des gesamten Bitcoin-Angebots einfrieren, um eine geordnete Migration zu ermöglichen – und begründet die Dringlichkeit damit, dass kryptografische Angriffe sich bis zu 20-fach verbessern können. Anthropics Fund liefert dafür ein konkretes Beispiel.

Die eigentliche Botschaft: Das Fenster für eine ruhige, geordnete Migration schließt sich nicht erst dann, wenn ein Quantencomputer einsatzbereit ist.

Warum Quantencomputer die Kryptografie hinter Bitcoin bedrohen

Wer heute Bitcoin besitzt, sichert sein Guthaben mit einem Verfahren namens ECDSA — einer Form der Public-Key-Kryptografie, bei der ein öffentlicher Schlüssel die Adresse bildet und ein geheimer privater Schlüssel Transaktionen autorisiert. Klassische Computer bräuchten astronomisch lange, um aus dem öffentlichen Schlüssel den privaten zu errechnen. Leistungsfähige Quantencomputer könnten das jedoch in überschaubarer Zeit schaffen — weshalb Kryptografen seit Jahren an Nachfolge-Verfahren arbeiten, die auch gegenüber Quantenangriffen standhalten.

Das US-Normierungsinstitut NIST führt dafür einen mehrstufigen Wettbewerb durch, bei dem verschiedene Kandidaten-Algorithmen geprüft und zertifiziert werden. HAWK ist einer der verbleibenden Kandidaten in dieser dritten Runde — ein sogenanntes gitterbasiertes Verfahren, das auf mathematischen Problemen beruht, die auch Quantencomputer nicht leicht lösen können. Produktiv eingesetzt ist HAWK bisher nirgends; es befindet sich noch im Standardisierungsprozess.

Häufige Fragen

Ist mein Bitcoin durch diesen Angriff in Gefahr?

Nein – zumindest nicht direkt. Der Angriff richtet sich ausschließlich gegen HAWK, einen Wettbewerbskandidaten im NIST-Prozess, der bisher nirgends produktiv eingesetzt wird. Bitcoin nutzt derzeit ECDSA (ein auf elliptischen Kurven basierendes Signaturverfahren), das von diesem Fund vollständig unberührt bleibt. Wer Bitcoin hält, sollte jedoch die Diskussion rund um BIP-360 verfolgen, da diese Vorschläge die künftige Sicherheit von Wallet-Adressen regeln werden.

Warum macht es einen Unterschied, ob KI in die Kryptanalyse einsteigt?

Kryptanalyse – die systematische Suche nach Schwächen in Verschlüsselungsverfahren – ist traditionell ein menschlich gesteuerter Prozess, der viel Spezialwissen erfordert. Claude Mythos reduzierte den Rechenaufwand für den HAWK-Angriff von rund 2^64 auf 2^38 Operationen – etwa 67 Millionen Mal weniger Arbeit. Das zeigt, dass KI-Modelle mathematische Strukturen in einem Tempo erkunden können, das klassische Sicherheitsmargen schneller aufzehrt als bisher kalkuliert.

Quellen