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US-Bankenverband klagt gegen OCC wegen Vergabe von Trust-Banklizenzen an Kryptounternehmen

Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 03. Oktober 2026

US-Bankenverband klagt gegen OCC wegen Vergabe von Trust-Banklizenzen an Kryptounternehmen

Der US-amerikanische Verband der Gemeinschaftsbanken ICBA hat laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Cointelegraph am 2. Oktober 2026 Klage gegen die US-Bankenaufsicht OCC eingereicht: Der Verband wirft der Behörde vor, Kryptounternehmen sogenannte Trust-Charters – spezielle Zulassungen zur treuhänderischen Vermögensverwaltung, die weder Einlagennahme noch Kreditvergabe erlauben – zu vergeben, ohne sie denselben strengen Anforderungen wie klassische Gemeinschaftsbanken zu unterwerfen. Für deutsche Leser berührt der Streit eine vertraute Grundsatzfrage: Müssen neue Finanzakteure dieselben Spielregeln erfüllen wie etablierte Institute?

Kein FDIC, kein Kapitalpuffer – was die ICBA an den OCC-Lizenzen konkret beanstandet

Im Kern des Vorwurfs steht ein Regulierungsgefälle: Wie Cointelegraph berichtet, müssen klassische Gemeinschaftsbanken eine FDIC-Einlagenversicherung abschließen – eine staatliche Absicherung für Kundengelder –, ausreichend Eigenkapital als Puffer vorhalten, Liquiditätsstandards erfüllen und sich einer umfassenden konsolidierten Aufsicht unterziehen. Trust-Charter-Inhaber seien von diesen Anforderungen ausgenommen, so die Klage.

ICBA-Präsidentin Rebeca Romero Rainey wird laut CoinDesk mit den Worten zitiert, der Kongress habe die nationale Trust-Charter nicht als „Hintertür ins Bankensystem" für Kryptounternehmen geschaffen. Laut CoinDesk haben unter Präsident Trump und OCC-Chef Jonathan Gould Unternehmen wie Coinbase, Circle, Crypto.com, Protego, Erebor und das teilweise im Trump-Familienbesitz befindliche World Liberty Financial solche Genehmigungen erhalten. Im selben Monat erteilte das OCC laut CoinDesk der Blockchain-Bank OpenReserve – finanziert unter anderem von Andreessen Horowitz und Coinbase Ventures – sogar eine vollständige nationale Bankcharter. Das OCC selbst äußerte sich nicht zu der Klage.

Gleiche Regeln für alle – oder ein Sonderweg für Krypto?

Der Kern dieser Klage ist kein technischer Streit über Paragraphen, sondern eine grundsätzliche Machtfrage: Darf eine Behörde eigenmächtig entscheiden, wer unter welchen Bedingungen ins Finanzsystem eintreten darf – oder ist das Sache des Gesetzgebers?

Die ICBA argumentiert, das OCC handle außerhalb seines gesetzlichen Auftrags. Dabei ist entscheidend, was eine Trust-Charter nicht ist: Unternehmen wie Coinbase oder Circle dürfen damit keine Kundeneinlagen annehmen und keine Kredite vergeben. Sie erhalten also keinen Vollzugang zum Bankensystem, sondern eine schmalere Zulassung – vergleichbar mit einem Hausausweis, der nur bestimmte Räume öffnet. Die ICBA stört sich dennoch daran, dass selbst dieser eingeschränkte Zugang ohne FDIC-Einlagensicherung, Kapitalpuffer und vollständige Aufsicht gewährt wird.

Aus deutscher Perspektive ist die Parallele zur europäischen MiCA-Verordnung – dem EU-Regelwerk für Kryptomärkte – treffend: Auch dort wurde intensiv debattiert, ob Kryptoanbieter denselben Anforderungen wie Banken unterliegen sollen oder eigene, leichtere Regeln erhalten. Die europäische Antwort war ein dediziertes Lizenzregime mit eigenen, aber klar definierten Pflichten.

Was die US-Klage offen lässt: Das OCC hat sich inhaltlich nicht geäußert, und die Gerichte werden nun klären müssen, wo die Grenze zwischen behördlichem Ermessen und legislativem Auftrag liegt. Bis dahin bleibt die Frage, wer die Spielregeln für den Kryptosektor schreibt, in den USA ungeklärt.

Wenn Banken Banken beaufsichtigen – und wer das eigentlich darf

Im Zentrum des Streits steht das Office of the Comptroller of the Currency (OCC) – eine US-Bundesbehörde, die nationale Banklizenzen vergibt und beaufsichtigt. Die Trust-Charter, um die es hier geht, ist eine besondere Art von Zulassung: Sie erlaubt Unternehmen, Vermögenswerte treuhänderisch zu verwahren – ähnlich wie ein Tresor, den jemand anderes füllt –, aber eben keine klassischen Bankgeschäfte wie Sparkonten oder Kredite. Wer mehr über das Konzept der Krypto-Verwahrung wissen möchte, findet dort den nötigen Hintergrund.

Klassische Gemeinschaftsbanken unterliegen dagegen deutlich strengeren Auflagen: Sie müssen Kapitalreserven vorhalten, strenge Liquiditätsstandards erfüllen und ihre Einlagen über die staatliche Einlagensicherung FDIC absichern. Die ICBA argumentiert, dass Kryptounternehmen mit einer Trust-Charter faktisch am Bankensystem teilnehmen – ohne diese Schutznetze aufspannen zu müssen.

Häufige Fragen

Was ist eine Trust-Charter – und warum ist sie nicht dasselbe wie eine Bankzulassung?

Eine Trust-Charter erlaubt Unternehmen, Vermögenswerte treuhänderisch zu verwahren und zu verwalten – etwa Kryptowerte im Auftrag von Kunden. Sie berechtigt aber ausdrücklich nicht dazu, Kundeneinlagen entgegenzunehmen oder Kredite zu vergeben. Damit unterscheidet sie sich grundlegend von einer klassischen Bankzulassung, die genau das ermöglicht und deshalb mit deutlich strengeren Auflagen verbunden ist.

Was wirft die ICBA dem OCC konkret vor?

Die ICBA argumentiert, das OCC gewähre Kryptounternehmen diese Zulassungen, ohne ihnen dieselben Pflichten aufzuerlegen, denen Gemeinschaftsbanken unterliegen – darunter Einlagensicherung durch die FDIC, Kapitalpuffer und Liquiditätsstandards. Laut ICBA-Präsidentin Rebeca Romero Rainey wurde die nationale Trust-Charter vom Kongress nie als Hintertür ins Bankensystem für Kryptounternehmen gedacht. Der Verband sieht darin eine Überschreitung der gesetzlich erteilten Befugnisse des OCC.

Quellen