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Goldman Sachs übernimmt NEOS Investments für bis zu 2,25 Milliarden Dollar und steigt in Bitcoin-Income-ETFs ein

Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 12. August 2026

Goldman Sachs übernimmt NEOS Investments für bis zu 2,25 Milliarden Dollar und steigt in Bitcoin-Income-ETFs ein

Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Decrypt hat Goldman Sachs am 12. August 2026 vereinbart, den US-Vermögensverwalter NEOS Investments für bis zu 2,25 Milliarden US-Dollar zu übernehmen — und steigt damit direkt in den boomenden Markt der Bitcoin-Income-ETFs ein. Der Abschluss steht noch unter behördlichem Vorbehalt und wird frühestens Anfang 2027 erwartet. Für deutsche Anleger ist der Deal vor allem deshalb interessant, weil er zeigt, wie die großen Wall-Street-Häuser den Krypto-Markt inzwischen nicht mehr nur beobachten, sondern aktiv einkaufen.

Der Kaufpreis und das Herzstück: Ein ETF mit 27 % Ausschüttung — und 43 % Verlust

Im Zentrum des Deals steht BTCI, ein sogenannter Bitcoin-Covered-Call-ETF — ein börsengehandelter Fonds, der keine Bitcoin direkt besitzt, sondern in Spot-Bitcoin-ETPs investiert und gleichzeitig Kaufoptionen auf diese Positionen verkauft, um monatliche Ausschüttungen zu generieren. Laut übereinstimmenden Berichten von Goldman Sachs Leaps Into Bitcoin Income ETFs With $2.25 Billion NEOS Buyout (CoinDesk) und Goldman Sachs-NEOS Deal: A Ready-Made Bitcoin Income ETF (Decrypt) verwaltet BTCI rund 1,1 Milliarden US-Dollar, wurde im Oktober 2024 aufgelegt und schüttet auf dem Papier etwa 27 % jährlich aus — hat dabei aber innerhalb eines Jahres rund 43 % seines Wertes verloren.

NEOS selbst verwaltet insgesamt rund 30 Milliarden US-Dollar, verteilt auf 19 optionsbasierte Fonds. Gemeinsam mit Goldmans bestehenden ETF-Assets und denen des zuvor übernommenen Anbieters Innovator Capital Management würde das verwaltete ETF-Vermögen auf über 130 Milliarden US-Dollar steigen — was Platz acht unter den größten aktiven ETF-Managern weltweit entspräche. Die NEOS-Mitgründer Garrett Paolella und Troy Cates sollen nach Abschluss als Partner zu Goldman Sachs Asset Management wechseln. Strukturell bemerkenswert: Goldman hatte bereits im April 2026 einen eigenen Bitcoin-Income-ETF bei der US-Börsenaufsicht SEC angemeldet — mit nahezu identischem Ansatz wie BTCI.

Wenn Wall Street kauft statt baut: Was der Goldman-Deal wirklich über Bitcoin-ETFs aussagt

Der Zukauf folgt einer Logik, die an der Wall Street gerade Schule macht: Statt einen eigenen Bitcoin-Covered-Call-ETF mühsam aufzubauen und Anleger zu gewinnen, kauft Goldman Sachs schlicht die bereits vorhandene Infrastruktur — inklusive Marke, Team und einem Fonds mit rund 1,1 Milliarden US-Dollar an verwaltetem Kapital. Das Goldman Sachs-eigene Registrierungsverfahren bei der US-Börsenaufsicht SEC für ein strukturell ähnliches Produkt wirkt damit im Nachhinein eher wie ein Testballon als wie ein ernstes Eigenentwicklungsprojekt.

Interessant ist auch, was der Deal über den gesamten Markt sagt: Derivative Income-ETFs — also Fonds, die Optionen nutzen, um regelmäßige Ausschüttungen zu erzeugen — sind in den USA auf rund 180 Milliarden US-Dollar angewachsen. Eine jährliche Wachstumsrate von über 70 Prozent seit 2021 zieht zwangsläufig institutionelle Käufer an.

Für deutsche Anleger, die solche Produkte auf dem Radar haben, lohnt ein nüchterner Blick auf die Mechanik: Die hohe Ausschüttungsrendite von BTCI — rund 27 Prozent jährlich — entsteht nicht aus Zinsen oder Dividenden, sondern aus Optionsprämien. Diese Prämien werden erkauft, indem der Fonds bei starken Bitcoin-Rallyes nicht voll mitzieht. Dass BTCI trotz der Ausschüttungen innerhalb eines Jahres rund 43 Prozent an Wert verloren hat, illustriert diesen Mechanismus sehr konkret. Hinzu kommt: Teile der Ausschüttungen können laut SEC-Prospekt schlichte Kapitalrückzahlungen sein — also eigenes Geld, das in anderer Form zurückfließt.

Wenn eine hohe Ausschüttung trügt: Was hinter Bitcoin-Income-ETFs steckt

Ein ETF – Exchange Traded Fund ist im Kern ein börsengehandelter Korb, der einen Index oder eine Anlagestrategie abbildet. NEOS hat dieses Prinzip auf eine spezielle Ertragsstrategie angewendet: BTCI kauft Spot-Bitcoin-ETPs — also börsengehandelte Produkte, die den Bitcoin-Preis abbilden — und verkauft gleichzeitig sogenannte Call-Optionen auf diese Positionen.

Eine Call-Option ist das Recht, einen Vermögenswert zu einem festgelegten Preis zu kaufen. Wer diese Optionen verkauft, kassiert dafür eine Prämie — das ist die Quelle der hohen monatlichen Ausschüttungen. Der Haken: Steigt Bitcoin stark, partizipieren Anleger nur begrenzt, weil die Gewinne oberhalb des festgelegten Preises an den Optionskäufer fließen.

Diese Strategie nennt sich Covered Call und ist auf den Aktienmarkt seit Jahrzehnten bekannt. Auf Krypto angewendet, ist sie deutlich jünger — und wie das Beispiel BTCI zeigt, keineswegs ohne Risiko.

Häufige Fragen

Was ist ein Covered-Call-ETF — und warum können trotz hoher Ausschüttungen Verluste entstehen?

Ein Covered-Call-ETF hält Wertpapiere (hier: Anteile an Bitcoin-Fonds) und verkauft gleichzeitig sogenannte Call-Optionen darauf — das Recht anderer Marktteilnehmer, die Anteile zu einem festgelegten Preis zu kaufen. Die dafür kassierten Prämien fließen als monatliche Ausschüttung an Anleger. Der Haken: Steigt Bitcoin stark, partizipieren Anleger kaum, weil die Kursgewinne durch die verkauften Optionen gedeckelt sind. Gleichzeitig schützen die Prämien nicht vor fallenden Kursen — was den Wertverlust von BTCI erklärt.

Ist die Transaktion bereits abgeschlossen?

Nein. Goldman Sachs und NEOS haben lediglich eine Vereinbarung getroffen; der tatsächliche Abschluss steht noch aus. Er ist an behördliche Genehmigungen sowie weitere Bedingungen geknüpft und wird frühestens im ersten Quartal 2027 erwartet. Bis dahin operieren beide Unternehmen weiterhin eigenständig.

Quellen