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Galaxy senkt CLARITY-Act-Chancen auf 50 Prozent: US-Krypto-Marktstrukturgesetz kämpft gegen Senatskalender
Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 29. Juni 2026

Laut übereinstimmenden Berichten von Cointelegraph und Decrypt hat Galaxy Digital seine Einschätzung, dass der CLARITY Act — das geplante erste umfassende US-Regulierungsgesetz für digitale Assets — noch 2026 verabschiedet wird, erneut gesenkt: in drei Schritten von 75 auf 60 und nun auf 50 Prozent. Für deutsche Krypto-Anleger und -Unternehmen ist das relevant, weil ein solches Gesetz erstmals verbindliche Spielregeln für den weltgrößten Kapitalmarkt schaffen würde — und sein Scheitern die globale regulatorische Unsicherheit weiter verlängert.
Dreifaches Downgrade: Warum Galaxy das Timing, nicht den Inhalt fürchtet
Das aktuelle Downgrade ist das dritte in kurzer Folge: Erst am 9. Juni 2026 hatte Galaxy-Chefresearcher Alex Thorn die Wahrscheinlichkeit von 75 auf 60 Prozent gesenkt — nun folgte der nächste Schritt auf 50 Prozent, was Thorn selbst als „Coin-Toss"-Situation beschreibt. Wie Galaxy Cuts 2026 CLARITY Act Odds to 50% (Cointelegraph) berichtet, liegt das Problem nicht im Gesetzesinhalt, sondern im Kalender: Es gibt bislang keinen einheitlichen Senatstext, kein geplantes Abstimmungsdatum im Plenum — und die traditionelle Augustpause beginnt bereits am 8. August 2026, fünf Wochen lang, Rückkehr erst am 14. September.
Zusätzlichen Druck schildert Galaxy Slashes CLARITY Act's 2026 Odds to 50% as Senate Time Runs Short (Decrypt): Präsident Trump hat die Unterzeichnung eines Wohnungsbaugesetzes an die Verabschiedung des sogenannten SAVE Act — ein Gesetz zum Nachweis der US-Staatsbürgerschaft bei Wahlen — geknüpft, was den ohnehin knappen Senatskalender weiter verstopft. Zum Vergleich: Das Vorhersagemarkt Polymarket — eine Plattform, auf der Nutzer auf politische Ereignisse wetten — bewertet die Chancen sogar noch pessimistischer bei rund 49 Prozent, nach einem Höchststand von 74 Prozent vor einem Monat.
Strukturell hat der CLARITY Act die entscheidende Hürde noch vor sich: Im Repräsentantenhaus passierte er bereits im Juli 2025, im Bankenausschuss des Senats im Mai 2026 mit 15 zu 9 Stimmen. Doch für eine Abstimmung im vollständigen Senat braucht es 60 Stimmen — und nur zwei Demokraten stimmten im Ausschuss zu, weit weniger als die sieben nötigen.
Warum ein Kalender-Problem das größte Krypto-Gesetz der USA ausbremst
Das Entscheidende an Galaxys Einschätzung ist, was sie ausdrücklich nicht sagt: Das Gesetz ist nicht gescheitert, es ist nicht umstritten in seiner Grundidee — es fehlt schlicht die Zeit. Alex Thorn spricht von einem Timing-Problem, keinem Inhaltsproblem. Das ist ein wichtiger Unterschied.
Und doch ist ein Timing-Problem in der US-Gesetzgebung oft gefährlicher als ein inhaltlicher Streit. Gesetze, die einen Kongress nicht überstehen, müssen im nächsten Kongress von vorne beginnen. Für den CLARITY Act würde das bedeuten: Alle bisherigen Kompromisse, Anhörungen und Abstimmungsergebnisse — darunter der Durchgang im Repräsentantenhaus im Juli 2025 und die Senatsausschuss-Mehrheit im Mai 2026 — wären prozedural wertlos. 2027 hieße: neu anfangen.
Für Anleger und Unternehmen in Deutschland bedeutet das vor allem anhaltende Unklarheit. Wer in US-gelistete Krypto-Produkte investiert oder mit amerikanischen Gegenparteien handelt, lebt weiter in einem Graubereich: Welche Vermögenswerte fallen unter die Aufsicht der Wertpapierbehörde SEC, welche unter die Rohstoffbehörde CFTC? Diese Frage bestimmt, welche Regeln gelten, welche Produkte zugelassen sind — und welche Risiken Unternehmen eingehen.
50 Prozent klingt nach einer offenen Wette. In der Realität bedeutet es: Das Fenster ist noch nicht zu, aber es schließt sich schnell. Wer auf eine klare US-Regulierung für digitale Assets gehofft hat, muss sich auf ein weiteres Jahr der Ungewissheit einstellen.
Vom Ausschuss ins Plenum: Wo der CLARITY Act gerade steckt
Der CLARITY Act würde erstmals regeln, welche digitalen Assets als Wertpapiere gelten und welche als Rohstoffe — mit geteilter Aufsicht zwischen der Börsenaufsicht SEC und der Terminmarkt-Behörde CFTC. Für Krypto-Unternehmen weltweit würde das bedeuten: klare Zuständigkeiten statt jahrelanger Grauzone.
Das Gesetz hat bereits eine wichtige Hürde genommen: Im Juli 2025 passierte es das Repräsentantenhaus, im Mai 2026 bewilligte es das Senate Banking Committee — der zuständige Senatsausschuss — mit 15 zu 9 Stimmen. Allerdings stimmten dabei nur zwei Demokraten zu.
Genau das wird zum Problem im nächsten Schritt: Im vollen Senat gilt eine sogenannte 60-Stimmen-Hürde — ein Verfahren, das Endlosdebatten verhindert, aber eine breite Mehrheit erfordert. Da die Republikaner allein nicht auf 60 Stimmen kommen, brauchen sie mindestens sieben demokratische Senatoren. Ob diese zu gewinnen sind, ist derzeit offen — und damit hängt das gesamte Zeitfenster des Gesetzes in der Luft.
Häufige Fragen
Was bedeutet die 60-Stimmen-Hürde im US-Senat?
Im US-Senat kann eine Minderheit von Senatoren Abstimmungen durch endlose Redebeiträge — einen sogenannten Filibuster — blockieren. Um diesen Filibuster zu beenden und überhaupt zur Abstimmung zu kommen, braucht es 60 von 100 Stimmen (sogenannte Cloture). Weil im Ausschuss nur zwei Demokraten für den CLARITY Act stimmten, liegt die Partei weit unter dieser Schwelle — die Minderheit könnte das Gesetz also im Plenum ausbremsen.
Ist der CLARITY Act damit gescheitert?
Nein. Galaxy-Chefresearcher Alex Thorn betont ausdrücklich, dass es sich um ein Timing-Problem handelt, nicht um ein inhaltliches. Das Gesetz hat das Repräsentantenhaus bereits passiert und das zuständige Senatsausschuss positiv durchlaufen. Die offene Frage ist allein, ob der volle Senat noch vor Jahresende abstimmt — oder ob sich die Verabschiedung auf 2027 verschiebt.