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Frankreich ordnet Sperrung von Polymarket durch Internetanbieter an
Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 18. Juli 2026

Frankreichs Glücksspielaufsichtsbehörde ANJ hat am 16. Juli 2026 angeordnet, dass Internetanbieter im Land die Vorhersageplattform Polymarket sperren — wie CoinDesk und Cointelegraph übereinstimmend berichten. Damit eskaliert Frankreich seinen bisherigen Kurs deutlich: Zwar galt bereits seit November 2024 ein Verbot für finanzielle Transaktionen, doch nun soll der Zugang zur Plattform vollständig blockiert werden. Für deutsche Nutzer ist das Thema unmittelbar relevant — Deutschland steht ebenfalls auf der Liste der Länder, die Polymarket bereits eingeschränkt haben.
Sucht, Manipulation, Millionen Klicks: So begründet die ANJ ihren Schritt
Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Cointelegraph klassifiziert die ANJ Polymarket nicht als Finanzhandelsplattform, sondern als illegales Glücksspielangebot — ohne die in Frankreich erforderliche Betriebsgenehmigung. Wer in Frankreich für ein solches nicht genehmigtes Angebot wirbt, riskiert laut CoinDesk eine Geldstrafe von bis zu 100.000 Euro.
Die Behörde begründet die Sperrung konkret mit drei Punkten: Polymarket biete keine Selbstausschluss-Tools — also keine Möglichkeit für Nutzer, sich selbst vom Spielen zu sperren — und keine Wettobergrenzen. Zudem hatten französische Nutzer das seit November 2024 geltende Transaktionsverbot einfach per VPN umgangen. Allein im Juni 2026 zählte Polymarket laut CoinDesk 578.751 Zugriffe von 205.057 einzigartigen Nutzer-Adressen aus Frankreich.
Cointelegraph zufolge geht die ANJ noch weiter: Sie erwähnt ausdrücklich mögliche Manipulationen bei wetterabhängigen Wetten — konkret durch gehackte Temperatursensoren. Die Pariser Staatsanwaltschaft hat dazu bereits im Mai 2026 eine Cyberkriminalitäts-Untersuchung eingeleitet. Weltweit ist Polymarket inzwischen in mehr als 30 Regionen blockiert, darunter neben Deutschland auch Länder wie Belgien, Spanien und Indien.
Vorhersagemarkt oder Wettbüro? Eine Grenzfrage mit echten Konsequenzen für Nutzer in Deutschland
Die Kernfrage hinter der Sperrung ist eine, die Regulierungsbehörden weltweit zunehmend beschäftigt: Ist eine Plattform, auf der man mit echtem Geld auf Ereignisausgänge wettet — Wahlergebnisse, Temperaturrekorde, Unternehmensentscheidungen — ein Finanzinstrument oder schlicht ein Glücksspielangebot mit modernem Anstrich?
Frankreichs ANJ hat diese Frage im Februar 2026 klar beantwortet: Glücksspiel. Diese Einordnung ist kein juristisches Detail — sie bestimmt, welche Behörden zuständig sind, welche Schutzpflichten gelten und ob eine Plattform überhaupt legal operieren darf. Polymarket bietet bislang weder Selbstausschluss-Optionen noch klassische Suchtprävention, wie sie lizenzierte Glücksspielanbieter in der EU vorhalten müssen.
Für deutsche Nutzer ist der Fall kein bloßes Spektakel aus dem Nachbarland. Deutschland hat den Zugang zu Polymarket ebenfalls eingeschränkt — und steht damit in einer langen Liste von über 30 Ländern weltweit. Wer die Plattform trotzdem nutzt, etwa über ein VPN — ein Programm, das den eigenen Standort verschleiert —, bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone, die je nach Land mit konkreten Risiken verbunden sein kann.
Was die Sperrung nicht bedeutet: Sie ist kein Urteil darüber, ob Vorhersagemärkte als Konzept grundsätzlich illegal sind. Sie zeigt aber, dass der regulatorische Druck auf dezentrale, kryptobasierte Plattformen in Europa zunimmt — und dass technische Zugangshürden allein kein dauerhafter Ersatz für rechtliche Klarheit sind.
Wetten auf die Zukunft: Was Polymarket ist und warum Behörden es so schwer einordnen können
Polymarket ist eine sogenannte Vorhersagemarkt-Plattform — ein Dienst, auf dem Nutzer mit Kryptowährung darauf setzen, wie reale Ereignisse ausgehen: Wahlen, Sportergebnisse, Wetterphänomene oder wirtschaftliche Kennzahlen. Die Plattform läuft auf einer öffentlichen Blockchain — einem dezentralen, für alle einsehbaren digitalen Buchführungssystem — und wird nicht von einer zentralen Institution gesteuert.
Genau diese technische Struktur macht die rechtliche Einordnung schwierig. Klassische Glücksspielbehörden fragen: Wird hier auf Zufallsergebnisse gesetzt? Klassische Finanzaufsichten fragen: Werden hier Wertpapiere gehandelt? Polymarket passt in keine der beiden Schubladen eindeutig — und bewegt sich damit in einem rechtlichen Graubereich, den verschiedene Länder unterschiedlich ausfüllen.
Frankreich hat diese Frage nun eindeutig beantwortet: Für die ANJ ist Polymarket schlicht illegales Glücksspiel. Dass die Plattform trotz Beschränkungen weiter zugänglich war — unter anderem über ein VPN oder vergleichbare Umgehungstools — hat die Behörde offenbar zur schärferen ISP-Sperrung bewogen.