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Solana-Treasury-Firmen lehnen Übernahmeofferten von Forward Industries ab
Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 16. Juni 2026

Das größte börsennotierte Solana-Treasury-Unternehmen — also eine Firma, die Solana-Coins als zentralen Unternehmensbesitz hält — ist mit dem Versuch gescheitert, drei kleinere Konkurrenten zu übernehmen: Laut übereinstimmenden Berichten von Cointelegraph und Decrypt haben die Solana Company, Brera Holdings und SkyAI die Angebote von Forward Industries zwischen dem 9. und 12. Juni 2026 allesamt abgelehnt oder schlicht ignoriert. Das Scheitern wirft ein Schlaglicht auf die Dynamiken eines noch jungen und unübersichtlichen Marktsegments, das auch deutsche Anleger zunehmend wahrnehmen.
Drei Übernahmeangebote, drei Absagen — und ein Milliardenverlust im Hintergrund
Den Auftakt machte Brera Holdings (Börsenticker: SLMT): Wie Solana-Treasury-Firms Reject Forward Industries' Acquisition Offers (Cointelegraph) und Decrypt übereinstimmend berichten, wies das Unternehmen am 9. Juni ein unverbindliches All-Stock-Angebot — also eine reine Aktientausch-Offerte ohne Barzahlung — zurück, das die SLMT-Aktien mit je 7,19 US-Dollar bewertet hätte. Bemerkenswert: Forward Industries hatte das Angebot ohne vorherige Gespräche mit dem Brera-Management gestellt.
Am 12. Juni folgte die Solana Company (HSDT, ehemals Helius Medical Technologies) mit einer formellen Ablehnung: Hier entsprach das Angebot 0,386 neu ausgegebenen Forward-Aktien je HSDT-Aktie — von Forward mit 1,63 US-Dollar je Anteilsschein beziffert. Ebenfalls am 12. Juni lief das Angebot an SkyAI (SKYA) kommentarlos ab; das Unternehmen ließ die Frist verstreichen, ohne zu antworten.
Vor diesem Hintergrund ist die Ausgangslage von Forward Industries selbst aufschlussreich: Das Unternehmen hält rund sieben Millionen Solana (SOL), die für knapp 1,6 Milliarden US-Dollar erworben wurden — zum Berichtszeitpunkt war dieser Bestand nur noch etwa 525 Millionen US-Dollar wert. Der unrealisierte Verlust übersteigt damit eine Milliarde US-Dollar.
Warum Konsolidierung scheitert — und was das über das Geschäftsmodell verrät
Das Scheitern aller drei Übernahmeversuche ist mehr als eine Anekdote aus einem Nischensegment. Es zeigt, wie unterschiedlich die Interessen der Beteiligten sind — und wie früh dieser Markt noch ist.
Forward Industries sitzt auf rund 7 Millionen SOL, die für knapp 1,6 Milliarden US-Dollar angeschafft wurden. Zum Zeitpunkt der Berichte waren diese Bestände noch etwa 525 Millionen Dollar wert — ein unrealisierter Verlust von über einer Milliarde Dollar. Aus dieser Position heraus Übernahmen anzustreben, klingt paradox. Die Logik dahinter: Wer mehr SOL-Bestände unter einem Dach vereint, kann günstiger operieren, einen größeren Bekanntheitsgrad aufbauen und möglicherweise besser Kapital aufnehmen. August Widmer, Partner bei Echo Base, formulierte es direkt: Konsolidierung sei der einzig tragfähige Weg für den Sektor.
Die kleineren Firmen sehen das offenbar anders. Wer ein Angebot ablehnt oder schlicht unbeantwortet lässt, setzt auf Eigenständigkeit — und darauf, dass der eigene Kurs irgendwann die angebotene Bewertung übertrifft. Das ist eine Wette, keine Gewissheit.
Das strukturelle Problem bleibt ungelöst: Börsennotierte Krypto-Treasury-Unternehmen tragen zwei Risikodimensionen gleichzeitig — den Kursverlauf der gehaltenen Coins und die üblichen Unwägbarkeiten eines börsennotierten Unternehmens. Dass der Aktienkurs aller Beteiligten am Tag der Berichterstattung zweistellig zulegte, lag laut Decrypt vor allem an einem breiten Marktaufschwung, nicht an den Übernahmenachrichten selbst. Das illustriert, wie stark externe Faktoren dieses Segment dominieren — unabhängig davon, was die Unternehmen intern entscheiden.
Wenn Firmen Krypto statt Produkte in die Bilanz schreiben
Hinter dem Übernahmepoker steckt ein Geschäftsmodell, das erst in den letzten Jahren populär wurde: Börsennotierte Unternehmen kaufen Solana (SOL) oder andere Kryptowährungen im großen Stil und halten diese als zentralen Vermögenswert — ähnlich wie manche Firmen früher Gold in die Bilanz nahmen. Das nennt sich Treasury-Strategie: Anleger können so über normale Aktien an der Kursentwicklung einer Kryptowährung teilhaben, ohne selbst eine digitale Geldbörse einrichten zu müssen.
Das klingt praktisch, hat aber einen Haken. Der Unternehmenswert hängt fast vollständig am Kurs der gehaltenen Coins — steigt er, steigt die Aktie; fällt er, drohen massive Verluste auf dem Papier. Genau hier liegt der Grund, warum Forward Industries und seine Konkurrenten gerade unter Druck stehen: Der SOL-Kurs hat sich seit den Einstiegskäufen erheblich verschlechtert, was die Branche zu strategischen Schritten zwingt.
Häufige Fragen
Warum lehnen kleinere Unternehmen eine Übernahme ab, wenn der Übernehmer größer ist?
Größe allein ist kein Argument für eine Übernahme. Kleinere Firmen können ein All-Stock-Angebot — also eine Zahlung nicht in bar, sondern in Aktien des Käufers — ablehnen, wenn sie den gebotenen Preis für zu niedrig halten oder keine Kontrolle über ihre Strategie abgeben wollen. Dass Forward Industries selbst einen unrealisierten Verlust von über einer Milliarde US-Dollar trägt, dürfte die Attraktivität der angebotenen Aktien für die Zielunternehmen zusätzlich gedämpft haben.
Was bedeutet "All-Stock-Angebot" konkret?
Bei einem All-Stock-Angebot erhalten die Aktionäre der übernommenen Firma keine Barauszahlung, sondern Aktien des übernehmenden Unternehmens. Der tatsächliche Wert hängt also vom Kurs dieser Aktien ab — und der kann schwanken. Für Aktionäre von Brera Holdings, Solana Company oder SkyAI bedeutete das: Sie hätten Forward-Aktien bekommen, deren Wert zum Angebotszeitpunkt unter erheblichem Druck stand.