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Ehemalige Ethereum-Foundation-Forscher gründen unabhängiges Forschungslabor Ethlabs
Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 22. Juni 2026

Fünf ehemalige leitende Mitarbeiter der Ethereum Foundation haben am 22. Juni 2026 eine neue gemeinnützige Forschungsorganisation namens Ethlabs ins Leben gerufen — laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Decrypt finanziert von den größten börsennotierten Ethereum-Haltern sowie von Ethereum-Mitgründer Joe Lubin. Für deutsche Nutzer und Anleger ist das aus einem einfachen Grund interessant: Hinter dem Schritt steckt ein grundlegender Wandel, wie das Ethereum-Protokoll künftig weiterentwickelt wird — weg von einer einzelnen zentralen Stiftung, hin zu mehreren unabhängigen Forschungsorganisationen.
Fünf Gründer, ein breites Finanzierungsnetzwerk — und eine klare Forschungsagenda
Hinter Ethlabs stehen fünf Namen, die in der Ethereum-Entwicklerszene bekannt sind: Ansgar Dietrichs übernimmt die Rolle des geschäftsführenden Direktors, an seiner Seite arbeiten Barnabé Monnot, Caspar Schwarz-Schilling, Josh Rudolf und Julian Ma. Alle fünf waren zuvor in leitenden Positionen bei der Ethereum Foundation tätig.
Die Finanzierung kommt laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Decrypt von SharpLink Gaming und Bitmine Immersion Technologies — beides börsennotierte Unternehmen, die große Mengen Ether in ihrer Unternehmenskasse halten — sowie von Ethereum-Mitgründer Joe Lubin, der hinter dem Blockchain-Unternehmen Consensys steht. Weitere Geldgeber sind laut CoinDesk Anchorage Digital, Octant und SNZ; Decrypt zufolge beteiligen sich über 50 weitere Unterstützer aus Layer-2-Netzwerken — also Erweiterungsschichten, die auf Ethereum aufbauen —, Risikokapitalgebern und dezentralen Projekten. Konkrete Finanzierungssummen wurden nicht veröffentlicht.
Inhaltlich will sich Ethlabs zunächst auf drei Schwerpunkte konzentrieren: schnellere Transaktionsabwicklung, mehr Kapazität im Netzwerk und Infrastruktur für Institutionen, die Stablecoins — an einen Währungswert gebundene digitale Token — und andere tokenisierte Vermögenswerte über Ethereum abwickeln wollen. Alle Forschungsergebnisse sollen offen zugänglich veröffentlicht werden; Geldgeber erhalten Transparenzberichte, dürfen aber laut der Organisation keine technischen Prioritäten vorgeben.
Wenn Geldgeber zahlen, aber nicht bestimmen dürfen — wie glaubwürdig ist das?
Das Modell, das Ethlabs beschreibt, klingt auf den ersten Blick nach einer Quadratur des Kreises: Unternehmen wie SharpLink Gaming und Bitmine Immersion Technologies — börsennotierte Firmen, die große Mengen Ether in ihren Bilanzen halten — finanzieren eine Forschungsorganisation, deren technische Agenda sie laut Ethlabs selbst nicht beeinflussen dürfen. Statt Mitspracherecht erhalten sie Transparenzberichte. Das ist strukturell vergleichbar mit einer Forschungsförderung durch eine Stiftung: Der Geldgeber bekommt Einblick, aber keine Weisungsbefugnis.
Ob dieses Versprechen in der Praxis hält, wird die Zeit zeigen. Interessenkonflikte entstehen oft schleichend — dann nämlich, wenn Forscher wissen, wer ihre Gehälter zahlt. Positiv zu werten ist, dass alle Ergebnisse offen veröffentlicht werden sollen; das schafft zumindest öffentliche Kontrolle.
Wichtig für die Einschätzung: Ethlabs tritt nicht an die Stelle der Ethereum Foundation, die als Schweizer Nonprofit weiterhin existiert. Es geht um Ergänzung, nicht um Ablösung. Das pluralistische Modell — mehrere unabhängige Gruppen arbeiten parallel am Protokoll — kennt man aus der Open-Source-Welt, etwa bei Linux. Es macht Entwicklungsentscheidungen robuster gegen einzelne Ausfälle oder interne Krisen, birgt aber auch die Gefahr unkoordinierter Parallelarbeit.
Für deutsche Nutzer, die Ethereum als Infrastruktur für Stablecoins oder tokenisierte Vermögenswerte nutzen, ist eines klar: Die institutionellen Akteure, die jetzt die Forschung mitfinanzieren, haben ein handfestes wirtschaftliches Interesse daran, dass das Netzwerk schneller und skalierbarer wird — das deckt sich zumindest oberflächlich mit den Interessen gewöhnlicher Nutzer.
Warum Ethereum keine zentrale Stiftung mehr braucht — und was das bedeutet
Ethereum ist kein gewöhnliches Softwareprojekt: Es ist ein öffentliches Protokoll, auf dem heute ein Großteil des globalen Stablecoin- und Tokenisierungsmarkts läuft. Stablecoins — digitale Währungen, deren Wert an einen stabilen Vermögenswert wie den US-Dollar gekoppelt ist — werden zu mehr als der Hälfte auf Ethereum ausgegeben.
Bislang lag die Koordination der technischen Weiterentwicklung überwiegend bei der Ethereum Foundation, einer gemeinnützigen Schweizer Organisation. Dieses Modell geriet zuletzt unter Druck: Mehrere Führungspersönlichkeiten verließen die Foundation in kurzer Zeit. Ethlabs ist Teil einer Antwort darauf — nicht als Ersatz, sondern als parallele, unabhängige Stimme in der Protokollentwicklung.
Das Prinzip dahinter nennt sich „Multi-Node"-Modell: Statt einer zentralen Instanz sollen künftig mehrere unabhängige Forschungsorganisationen nebeneinander an Ethereum arbeiten — ähnlich wie verschiedene Redaktionen unabhängig über dasselbe Thema berichten, ohne eine gemeinsame Linie vorzugeben.
Häufige Fragen
Ist Ethlabs ein Teil der Ethereum Foundation?
Nein. Ethlabs ist eine eigenständige gemeinnützige Organisation, die unabhängig von der Ethereum Foundation arbeitet. Die fünf Gründer waren zwar zuvor leitende Mitarbeiter der Foundation, haben diese aber verlassen, um Ethlabs aufzubauen. Die Ethereum Foundation selbst — eine Schweizer Nonprofit-Organisation — existiert weiterhin und ist weder Gründer noch Auftraggeber von Ethlabs.
Können die Geldgeber die Forschungsrichtung beeinflussen?
Laut den Berichten von CoinDesk und Decrypt ausdrücklich nicht. Finanziers wie SharpLink Gaming, Bitmine oder Joe Lubin erhalten zwar Transparenzberichte über die laufende Arbeit, haben aber keinen direkten Einfluss auf die technischen Prioritäten der Organisation. Alle Forschungsergebnisse sollen öffentlich zugänglich veröffentlicht werden — ein Modell, das die Unabhängigkeit der Arbeit strukturell absichern soll.
Wie viel Geld steckt hinter Ethlabs?
Das ist nicht bekannt. Konkrete Finanzierungssummen wurden laut den vorliegenden Berichten nicht offengelegt. Bekannt ist lediglich, wer zu den Unterstützern zählt — darunter über 50 Ökosystem-Partner aus Layer-2-Netzwerken, Venture Capital und dezentralen Projekten.