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Ethereum Foundation stellt neue Organisationsstruktur vor und baut 54 Stellen ab
Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 23. Juni 2026

Die Ethereum Foundation — die gemeinnützige Organisation, die hinter der Entwicklung des Ethereum-Netzwerks steht — hat am 23. Juni 2026 eine umfassende Restrukturierung bekanntgegeben: 54 Mitarbeitende, rund 20 % der gesamten Belegschaft, wurden entlassen, und die Arbeit der Stiftung wurde in sieben neue Cluster aufgeteilt. Für alle, die Ether halten oder Ethereum-basierte Anwendungen nutzen, ist das relevant — denn diese Organisation entscheidet maßgeblich mit, wohin sich das Protokoll technisch entwickelt.
Sieben Cluster statt einer großen Einheit — so ist die Stiftung künftig aufgestellt
Das neue Organisationsmodell gliedert die Arbeit der Stiftung laut dem Blogbeitrag der Ethereum Foundation (Ethereum Foundation) in sieben Cluster. Fünf davon sind inhaltlich ausgerichtet: Protocol Layer, Access Layer, User Layer, Community Layer und Institutional Layer. Hinzu kommen ein Operations-Cluster und ein Management-Cluster.
Den größten technischen Scope trägt der Protocol Layer: Er soll das Ethereum-Protokoll in den Bereichen Zensurresistenz, Open-Source-Entwicklung, Privatsphäre und Sicherheit voranbringen. Konkret genannt werden dabei Post-Quantum-Security — also Schutz gegen zukünftige Quantencomputer-Angriffe —, zkEVM (Zero-Knowledge-EVM, ein Ansatz, bei dem Protokollausführungen mithilfe kryptografischer Beweise lückenlos verifizierbar gemacht werden) sowie L1-Privacy, also Datenschutz direkt auf der Basisschicht des Netzwerks.
Für die 54 entlassenen Mitarbeitenden gilt eine abgestufte Abfindungsregelung: Jede Person erhält den jeweils höheren Betrag aus einem Monatsgehalt pro Dienstjahr oder der im jeweiligen Land gesetzlich vorgeschriebenen Abfindung — zuzüglich eines zusätzlichen Grants etwa für Karrierecoaching.
Die Stiftung begründet den Umbau mit der Umsetzung ihres zuvor veröffentlichten Mandats und einer Treasury Management Policy. Ziel sei laut EF eine „schlankere und fokussiertere" Organisation.
Was der Umbau für Ethereum-Nutzer bedeutet — und was er nicht verspricht
Eine Non-Profit-Stiftung, die 20 % ihrer Mitarbeitenden abbaut und gleichzeitig betont, dadurch schlanker und fokussierter zu werden: Das klingt erst einmal nach dem klassischen Unternehmens-Umstrukturierungs-Narrativ. Doch der Vergleich hinkt. Die Ethereum Foundation ist kein Konzern mit Quartalszielen — sie finanziert Grundlagenarbeit am Protokoll, ohne direkte Einnahmen aus dem Netzwerkbetrieb zu erzielen.
Das erklärt die eigentliche Stoßrichtung des Umbaus: Laut EF soll die neue Struktur helfen, Kernaufgaben ohne übermäßige Störung durch kurzfristige Marktbewegungen zu erfüllen. Gemeint ist damit, dass Ressourcen und Aufmerksamkeit stärker auf langfristige Protokollsicherheit, Privatsphäre und Dezentralisierung konzentriert werden — statt auf Trend-Themen, die im nächsten Bärenmarkt wieder verschwinden.
Für deutsche Nutzer und Investoren gilt es, zwei Dinge auseinanderzuhalten: Erstens steuert die EF Ethereum nicht allein. Sie ist eine von mehreren Organisationen und Entwicklergruppen, die am Protokoll arbeiten. Ein Stellenabbau bedeutet also nicht, dass Ethereum-Entwicklung zum Stillstand kommt. Zweitens bleibt offen, ob die neue Clusterstruktur die proklamierten Ziele tatsächlich erreicht — die EF ist eine eigeninteressierte Quelle, wenn sie über ihren eigenen Umbau berichtet.
Kritisch zu beobachten bleibt außerdem, welche konkreten Projekte durch die Entlassungen verlangsamt werden. Die Themen Post-Quantum-Sicherheit und Protokoll-Privatsphäre klingen strategisch wichtig — wie schnell die verbleibenden Teams liefern, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen.
Was die Ethereum Foundation eigentlich tut — und warum das für Nutzer zählt
Ethereum ist kein Unternehmen mit einer Zentrale, die Entscheidungen trifft. Es ist ein offenes Netzwerk, an dem Hunderte Entwickler weltweit arbeiten. Die Ethereum Foundation ist dabei eine Art koordinierende Kraft: Sie finanziert Forschung, fördert Kernentwickler und setzt inhaltliche Prioritäten — ohne das Protokoll direkt zu kontrollieren.
Wer Ether hält oder Anwendungen auf Ethereum nutzt, ist indirekt davon abhängig, was die Stiftung vorantreibt. Themen wie Layer 2 — also Technologien, die Transaktionen kostengünstiger und schneller machen, ohne die Hauptkette zu belasten — oder Datenschutz auf Protokollebene landen oft zuerst auf dem Tisch der EF.
Die Stiftung finanziert sich aus einem eigenen Stiftungsvermögen, nicht durch den Verkauf von Produkten oder Werbung. Ihre strategischen Entscheidungen beeinflussen deshalb die Entwicklungsrichtung von Ethereum auf Jahre hinaus.
Häufige Fragen
Bedeuten 20 % weniger Mitarbeitende, dass Ethereum langsamer weiterentwickelt wird?
Nicht zwingend. Die Ethereum Foundation betont, die neue Struktur solle fokussierter und schlanker arbeiten — mit dem erklärten Ziel, Kernaufgaben klarer zu priorisieren statt Personal breit zu streuen. Ob das in der Praxis zutrifft, lässt sich erst im Rückblick beurteilen. Zudem ist die EF laut eigener Aussage nicht die einzige Organisation, die an Ethereum arbeitet; unabhängige Teams und Unternehmen entwickeln das Protokoll parallel weiter.
Kontrolliert die Ethereum Foundation das Netzwerk?
Nein — und das ist ein verbreitetes Missverständnis. Die EF ist eine Förderstiftung, kein Betreiber. Sie kann Vorschläge einbringen und Projekte finanzieren, hat aber keine technische Schalthoheit über das Netzwerk. Entscheidungen über Protokolländerungen entstehen in einem offenen Prozess, an dem viele unabhängige Entwicklerteams und Validator-Betreiber — also die Computer, die das Netzwerk absichern — beteiligt sind.