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Elliptic und Zama kooperieren: Wallet-Screening für vertrauliche DeFi-Anwendungen
Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 28. Juli 2026

Der Blockchain-Analyseanbieters Elliptic und das Verschlüsselungs-Startup Zama haben am 28. Juli 2026 eine Kooperation bekanntgegeben: Elliptic übernimmt das Wallet-Risiko-Screening für Zamas vertrauliche DeFi-Anwendungen — also für dezentrale Finanzprodukte, bei denen Kontostände und Transaktionsbeträge verschlüsselt bleiben. Für deutsche Anleger und Institutionen ist das relevant, weil die Partnerschaft zeigt, wie Datenschutz und regulatorische Compliance auf öffentlichen Blockchains künftig zusammenpassen könnten — ohne dass Nutzer ihre Finanzdaten offenlegen müssen.
Verschlüsselt handeln, trotzdem geprüft: So funktioniert das Modell technisch
Das Herzstück der Kooperation ist ein konkretes Produkt: ein vertraulicher DeFi-Vault — ein automatisierter Renditesparvertrag auf der Blockchain —, den Zama gemeinsam mit den Protokollen Morpho und Steakhouse Financial entwickelt hat. Nutzer tauschen dabei regulären USDC (einen an den US-Dollar gekoppelten Stablecoin) in sogenanntes cUSDC um und hinterlegen es im „Steakhouse Confidential Prime USDC Vault". Laut Zama bleiben dabei Kontostände und Positionen für Außenstehende unsichtbar, weil die Technologie auf Fully Homomorphic Encryption (FHE) setzt — einem Verschlüsselungsverfahren, das Berechnungen direkt auf verschlüsselten Daten erlaubt, ohne sie je im Klartext zu zeigen.
Bevor ein Nutzer Zugang zu dieser Anwendung erhält, prüft Elliptic dessen Wallet auf bekannte Risikosignale — etwa Verbindungen zu Sanktionslisten oder identifiziertem illegalem Kapital. Entscheidend dabei: Elliptic sieht laut Elliptic-Blogbeitrag (Elliptic) weder verschlüsselte Salden noch Transaktionsdetails der Endnutzer. Das Screening läuft rein auf Basis der Wallet-Adresse. Institutionen können auf dieser Grundlage eigene Compliance-Kontrollen anwenden, bevor der Nutzer die vertrauliche Anwendung nutzen darf.
Datenschutz und Compliance: Kein Widerspruch mehr — aber auch kein Freifahrtschein
Die Kooperation zwischen Elliptic und Zama ist mehr als eine technische Integration — sie adressiert ein grundsätzliches Spannungsfeld, das bisher viele Institutionen vom Einstieg in DeFi abgehalten hat: Wer auf einer öffentlichen Blockchain aktiv ist, legt automatisch seine Transaktionen offen. Wer das vermeidet, gerät schnell in die Nähe von Mixern oder anderen Diensten, die Regulatoren als Geldwäschewerkzeuge betrachten.
Das Modell von Zama und Elliptic unterscheidet sich davon grundlegend. Fully Homomorphic Encryption (FHE) — eine Verschlüsselungstechnik, die Berechnungen auf verschlüsselten Daten erlaubt, ohne sie entschlüsseln zu müssen — schützt Kontostände und Beträge, ohne die Nachvollziehbarkeit der Blockchain aufzugeben. Elliptic prüft dabei lediglich, ob eine Wallet vorbekannten Risikokategorien angehört; sensible Nutzerdaten fließen dabei laut Elliptic nicht an den Dienstleister.
Für den deutschen und europäischen Markt ist das relevant, weil die AML-Pflichten unter MiCA — der EU-Verordnung für Kryptomärkte — genau solche Screening-Mechanismen voraussetzen. Institute, die bislang auf Compliance-Konformität bestanden, hatten kaum Möglichkeit, DeFi-Protokolle mit Datenschutzfunktion zu nutzen.
Einschränkend gilt: Bisher ist nur ein einziger Vault live, und Zamas Selbstbeschreibung als „am schnellsten wachsendes Vertraulichkeitsprotokoll" ist eine Eigenaussage ohne unabhängige Verifikation. Ob das Modell regulatorischer Prüfung standhält, werden erst konkrete Aufsichtsentscheidungen zeigen — nicht die Ankündigung einer Partnerschaft.
Wenn Transparenz zum Problem wird: der Zielkonflikt hinter der Kooperation
Dezentrale Finanzanwendungen (DeFi) laufen auf öffentlichen Blockchains — das bedeutet: Jede Transaktion ist für jeden einsehbar. Was als Vertrauensmerkmal gedacht ist, wird für Unternehmen und Institutionen schnell zum Hindernis: Wer Handelsstrategien, Liquiditätspositionen oder Kundenguthaben nicht offenlegen möchte, scheut öffentliche Blockchains.
Gleichzeitig unterliegen Finanzinstitutionen strengen Geldwäschebekämpfungs-Pflichten (AML): Sie müssen wissen, mit wem sie es zu tun haben, und dürfen keine Gelder von sanktionierten oder kriminellen Adressen annehmen. Datenschutz und Compliance galten lange als unvereinbar — entweder ist alles sichtbar, oder gar nichts.
Fully Homomorphic Encryption (FHE) — eine Verschlüsselungsmethode, die Berechnungen direkt auf verschlüsselten Daten erlaubt, ohne sie je zu entschlüsseln — ist ein technischer Ansatz, der hier ansetzt. Das Netzwerk bleibt öffentlich und prüfbar; Kontostände und Beträge hingegen bleiben verborgen. Die Frage, die Elliptic und Zama nun praktisch angehen, lautet: Lässt sich Compliance-Prüfung betreiben, ohne dass dafür die Verschlüsselung aufgebrochen werden muss?