News
US-Steuerausschuss verabschiedet Krypto-Steuergesetz – einen Tag nach Scheitern des Clarity Act
Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 16. September 2026

Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Decrypt hat der US-Kongress binnen eines Tages zwei gegensätzliche Signale in Sachen Krypto-Regulierung gesendet: Während der Clarity Act — ein Gesetz zur Marktstruktur digitaler Assets — im Senat vorerst an einer Verfahrenshürde gescheitert ist, verabschiedete ein Steuerausschuss des Repräsentantenhauses nur Stunden später ein eigenes Krypto-Steuergesetz mit breiter Mehrheit. Für Anleger und Nutzer hierzulande zeigt das Auf und Ab in Washington, wie unvorhersehbar und zäh der Weg zu verlässlichen Krypto-Regeln in der weltgrößten Volkswirtschaft nach wie vor ist.
49 zu 50: Wie der Clarity Act scheiterte — und das Steuergesetz trotzdem vorankam
Im Senat ging es am Dienstag noch nicht einmal um den Inhalt des Clarity Act selbst. Die Abstimmung — 49 Ja- gegen 50 Nein-Stimmen — betraf einen vorgelagerten Verfahrensschritt: den Antrag, die Vorlage überhaupt erst auf die Tagesordnung zu setzen und eine formale Debatte zu eröffnen. Für diesen sogenannten Cloture-Schritt — eine Mehrheitshürde, die den Einstieg in die eigentliche Senatsdebatte freischaltet — wären 60 Stimmen nötig gewesen. Der Clarity Act kam damit nicht einmal bis zur inhaltlichen Diskussion. Laut Decrypt stimmten alle anwesenden Demokraten sowie die republikanischen Senatoren Susan Collins, Josh Hawley und Jerry Moran dagegen. Sen. Cynthia Lummis, die prominenteste Fürsprecherin des Gesetzes, kommentierte das Ergebnis knapp: „It's over."
Weniger als 24 Stunden später folgte der Kontrast: Laut CoinDesk verabschiedete der House Ways and Means Committee — der Steuerausschuss des Repräsentantenhauses — den Digital Asset Tax Certainty Act mit 38 zu 5 Stimmen. Das Gesetz sieht unter anderem eine De-minimis-Grenze von 10 US-Dollar vor, unterhalb derer kleine Krypto-Alltagszahlungen von der aufwendigen Steuerbuchhaltung ausgenommen wären. Darüber hinaus regelt es die steuerliche Behandlung von Mining, Staking, Transfers sowie Broker-Pflichten. Der Entwurf muss jedoch noch das vollständige Repräsentantenhaus passieren — und das bei einem Kongresskalender, der laut CoinDesk noch etwa fünf Wochen Sitzungszeit lässt.
Zwei Schritte vor, ein Schritt zurück — was das Washingtoner Auf und Ab wirklich bedeutet
Das Nebeneinander von Scheitern und Fortschritt innerhalb von 24 Stunden ist kein Zufall, sondern Methode: In Washington laufen Gesetzgebungsverfahren selten auf einer einzigen Spur. Marktstruktur und Steuerrecht sind inhaltlich getrennte Baustellen, und beide Kammern — Senat und Repräsentantenhaus — verfolgen ihre eigenen Zeitpläne.
Was das Steuervotum von 38 zu 5 auf den ersten Blick als breiten überparteilichen Konsens erscheinen lässt, verdient eine zweite Lektüre. Der demokratische Abgeordnete Lloyd Doggett stimmte dagegen und machte dabei ein grundsätzliches Argument: Warum soll eine Industrie mit gut vernetzten Lobbys steuerliche Sonderregeln bekommen, während andere Steuerfragen liegen bleiben? Diese Kritik ist nicht neu — und sie wird den weiteren parlamentarischen Weg begleiten.
Wichtig zu verstehen ist auch, was das Ausschussvotum noch nicht ist: Der Entwurf hat das gesamte Repräsentantenhaus noch nicht passiert, geschweige denn den Senat. Das verbleibende Zeitfenster von rund fünf Wochen bis zur nächsten Sitzungspause ist für ein Gesetzgebungsverfahren dieser Komplexität knapp bemessen.
Für deutsche Nutzer und Anleger liegt der eigentliche Lehrwert woanders: Die USA — oft als Maßstab für Regulierungsklarheit gehandelt — demonstrieren gerade, wie lange selbst grundlegende Fragen wie "Was gilt als steuerpflichtiger Vorgang?" ungeklärt bleiben können. Die europäische MiCA-Verordnung, die hierzulande bereits greift, wirkt vor diesem Hintergrund geradezu übersichtlich strukturiert. Rechtssicherheit entsteht eben nicht durch Ankündigungen, sondern durch abgeschlossene Verfahren.
Wenn Verfahren wichtiger sind als Inhalte: So funktioniert der US-Gesetzgebungsweg
Um das Geschehen einzuordnen, hilft ein Blick auf zwei Ebenen: das Verfahren und die Steuerkonzepte, um die es geht.
Im US-Senat reicht eine einfache Mehrheit oft nicht aus, um eine Debatte überhaupt erst zu eröffnen. Dafür braucht es Cloture — einen Verfahrensschritt, der 60 von 100 Stimmen erfordert und Dauerredner ("Filibuster") beenden kann. Scheitert Cloture, kommt ein Gesetz gar nicht erst zur inhaltlichen Abstimmung. Genau das ist dem Clarity Act passiert — er wurde an dieser Hürde gestoppt, bevor der Senat überhaupt über den Text abstimmen konnte.
Auf der inhaltlichen Seite dreht sich das neue Steuergesetz unter anderem um Tätigkeiten wie Mining — das rechenintensive Erzeugen neuer Krypto-Einheiten — und Staking, bei dem Nutzer vorhandene Coins einsetzen, um ein Netzwerk zu sichern und dafür Belohnungen erhalten. Beide Aktivitäten werfen bislang ungelöste Steuerfragen auf, die das neue Gesetz vereinheitlichen soll.
Häufige Fragen
Ist der Clarity Act damit endgültig gescheitert?
Nicht zwingend für immer. Die Senatsabstimmung war eine sogenannte Cloture-Abstimmung — also eine Verfahrenshürde, die bestimmt, ob überhaupt weiter über ein Gesetz beraten werden darf. Der eigentliche Gesetzestext wurde damit nicht inhaltlich abgelehnt. Die Senatsführung könnte den Clarity Act erneut zur Abstimmung stellen. Senatorin Lummis, seine größte Fürsprecherin, kommentierte das Ergebnis allerdings mit den Worten „It's over".
Was bedeutet die De-minimis-Grenze im neuen Steuergesetzentwurf?
De minimis ist lateinisch für „geringfügig". Im Kontext des Digital Asset Tax Certainty Act bedeutet die Grenze von zehn US-Dollar: Kleine Alltagstransaktionen mit Krypto unterhalb dieses Betrags würden von aufwendiger Steuerbuchhaltung ausgenommen. Der Gedanke dahinter ist, den bürokratischen Aufwand für alltägliche Kleinstzahlungen zu reduzieren — ähnlich wie beim Bezahlen mit Kleingeld.
Gilt das neue US-Steuergesetz bereits?
Nein. Der Steuerausschuss des Repräsentantenhauses hat den Entwurf verabschiedet, doch er muss noch das gesamte Repräsentantenhaus und anschließend den Senat passieren, bevor er in Kraft tritt. Laut Berichten verbleiben bis zur nächsten Sitzungsperiode nur noch etwa fünf Wochen Arbeitszeit.