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Deribit startet größte Produkt-Expansion: über 90 neue USDC-Perpetuals auf Aktien, Rohstoffe und Pre-IPO-Bewertungen
Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 16. September 2026

Die Krypto-Derivate-Börse Deribit hat am 16. September 2026 ihre nach eigenen Angaben bislang umfangreichste Produkterweiterung angekündigt: mehr als 90 neue Kontrakte, die Händlern erstmals auch Zugang zu Aktien, ETFs, Rohstoffen und sogar zu den Bewertungen privater Technologieunternehmen wie OpenAI und Anthropic ermöglichen sollen. Für deutsche Nutzer ist das aus einem einfachen Grund relevant — und aus einem anderen Grund erklärungsbedürftig: Die Produkte laufen nicht unter EU-Recht, sondern unter einer Lizenz aus Dubai.
Fünf neue Marktsegmente, ein gemeinsamer Nenner: kein Ablaufdatum
Laut Deribit (Insights) gliedert sich die Expansion in fünf Segmente: Über 60 neue Krypto-Perpetuals kommen hinzu, ergänzt durch Perpetuals auf Einzelaktien und ETFs, auf Rohstoffe, auf einen breit gefassten Krypto-Index (COIN50) sowie auf die Bewertungen der KI-Unternehmen Anthropic und OpenAI — die sogenannten Pre-IPO-Perpetuals.
Alle Kontrakte teilen zwei Eigenschaften: Sie werden in USDC — einem an den US-Dollar gekoppelten Stablecoin — abgerechnet und haben kein festes Ablaufdatum. Händler können Positionen also theoretisch unbegrenzt halten, solange sie die anfallenden Haltekosten (die sogenannte Funding Rate) tragen.
Bei den Aktien-Perpetuals finden sich bekannte Namen: Nvidia, Tesla, Apple, Meta, Microsoft, Alphabet, Amazon und MicroStrategy. Auf der ETF-Seite stehen unter anderem der Nasdaq-100-ETF (QQQ) und der S&P-500-ETF (SPY) auf der Liste.
Technische Grundlage ist ein zuvor abgeschlossenes Upgrade der Matching Engine — jener Software, die Käufer und Verkäufer zusammenführt —, das laut Deribit schnellere Ausführungen und engere Preisabstände ermöglichen soll.
Dubai statt BaFin: Was die Lizenz für deutsche Nutzer konkret bedeutet
Der entscheidende Satz in Deribits eigenem Regelwerk ist unscheinbar, aber folgenreich: Die neuen Aktien-, ETF-, Rohstoff- und Pre-IPO-Produkte laufen unter einer Limited Licence Approval der Virtual Assets Regulatory Authority (VARA) — der Krypto-Aufsichtsbehörde Dubais. Europäische Regulierung, also etwa die Aufsicht durch die deutsche BaFin oder den EU-weiten Rahmen der MiCA-Verordnung, greift hier nicht. Wer als deutscher Nutzer handelt, bewegt sich außerhalb des gewohnten Schutzniveaus.
Das ist kein verstecktes Detail, sondern ein strukturelles Merkmal: Deribit ist in den USA und mehreren weiteren Ländern schlicht nicht verfügbar — und auch für EU-Bürger gibt es keine regulatorische Auffangstruktur, falls etwas schiefläuft.
Hinzu kommt eine inhaltliche Verwechslungsgefahr. Die Pre-IPO-Kontrakte auf Anthropic und OpenAI klingen nach einem direkten Zugang zu zwei der meistdiskutierten KI-Firmen der Welt. Sie sind es nicht. Laut Deribit FZE handelt es sich um Derivate — Finanzinstrumente, die lediglich Preisbewegungen nachbilden. Kein Miteigentum, keine Stimmrechte, kein Anspruch auf das Unternehmen selbst.
Und schließlich: Deribit ist kommerziell an der Nutzung seiner Plattform interessiert — die Ankündigung stammt aus dem eigenen Blog. Unabhängige Bewertungen dieser Produkte, etwa zu tatsächlicher Liquidität oder Preisfindungsqualität, liegen zum jetzigen Zeitpunkt nicht vor.
Wenn Krypto-Kontrakte auf Aktien und Öl treffen: Was steckt hinter diesen Produkten?
Um Deribits Schritt einordnen zu können, hilft ein kurzer Blick auf die Produktgattung. Bei den neuen Kontrakten handelt es sich um Perpetual Swaps — Terminkontrakte ohne Verfallsdatum, die den Kurs eines Basiswerts nachbilden, ohne dass Händler diesen Basiswert jemals besitzen. Wer einen Aktien-Perpetual auf NVIDIA kauft, hält also kein NVIDIA-Wertpapier, sondern eine Wette auf die Kursentwicklung — abgewickelt in der Kryptowährung USDC.
Deribit ist seit Jahren als Derivate-Plattform mit Schwerpunkt auf Bitcoin- und Ethereum-Optionen aktiv. Mit der neuen Expansion verlässt die Börse erstmals ihr angestammtes Krypto-Terrain. Dass eine Krypto-Plattform nun Kontrakte auf Aktien oder Rohstoffe anbietet, ist kein Einzelfall — aber der Umfang von über 90 Kontrakten auf einmal ist ungewöhnlich. Grundsätzlich gilt: Wer Derivate handelt, setzt auf Preisbewegungen, trägt dabei aber auch gehebelte Verlustrisiken.
Häufige Fragen
Was bedeutet "kein festes Ablaufdatum" bei diesen Kontrakten?
Klassische Futures laufen zu einem festgelegten Datum aus — dann wird abgerechnet und der Kontrakt endet. Perpetual Swaps — also unbefristete Kontrakte — haben keinen solchen Stichtag. Positionen können theoretisch unbegrenzt offen bleiben, solange die Margin-Anforderungen erfüllt sind. Alle neuen Deribit-Kontrakte sind nach diesem Prinzip gestaltet.
Bekomme ich über die Pre-IPO-Perpetuals Anteile an OpenAI oder Anthropic?
Nein. Laut Deribit Insights verleihen diese Kontrakte weder Eigentumsrechte noch Stimmrechte noch irgendwelche Ansprüche gegenüber den Unternehmen. Sie bilden lediglich die öffentlich diskutierten Bewertungen dieser privaten Firmen ab — ähnlich wie eine Wette auf eine Zahl, ohne dass man das Rouletterad besitzt.
Gilt für diese Produkte europäisches Verbraucherschutzrecht?
Nein. Die Lizenz für Aktien-, ETF-, Rohstoff- und Pre-IPO-Produkte stammt von der VARA — der Krypto-Regulierungsbehörde in Dubai. EU-Regelwerke wie MiFID II oder die BaFin-Aufsicht greifen hier nicht.