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Compound Finance: Gauntlet empfiehlt Abschaltung von vier Lending-Märkten auf Polygon und Unichain
Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 14. Juli 2026

Die Risikoanalyse-Firma Gauntlet hat am 10. Juli 2026 im Compound Governance Forum empfohlen, vier Lending — Krypto-Kreditmärkte — auf den Blockchain-Netzwerken Polygon und Unichain geordnet abzuschalten. Betroffen sind die Märkte für USDC und USDT auf Polygon sowie USDC und WETH auf Unichain. Der Grund: Alle vier Märkte verzeichnen seit Monaten kaum Nutzung und schrumpfende Kreditvolumina — ein Hinweis darauf, dass Betrieb und Risiko den wirtschaftlichen Nutzen übersteigen.
Vier Märkte, vier Eingriffe: So soll die Abschaltung technisch ablaufen
Laut Deprecation of Polygon and Unichain Comets (Compound Governance) schlägt Gauntlet ein gestaffeltes Maßnahmenpaket vor, das neue Einlagen verhindert, aber bestehende Positionen schützt.
Im Kern sollen auf allen vier Märkten die Supply Caps — also die Obergrenzen für neue Einlagen — auf null gesetzt werden. Wer bereits Kapital eingezahlt hat, kann es weiterhin jederzeit abziehen; frisches Kapital kann aber nicht mehr hinzukommen. Gleichzeitig werden die Collateral Factors — der Anteil eines hinterlegten Assets, der als Kreditsicherheit angerechnet wird — für die meisten Sicherheiten um 50 Prozent gekürzt. Für das Polygon-Asset MaticX soll der Wert vollständig auf null fallen. Die Supply-Zinssätze werden auf null gesetzt, sodass Einleger keine Rendite mehr erhalten.
Ausdrücklich unverändert bleiben die sogenannten Liquidation Factors: Bestehende Kreditpositionen werden durch das Proposal nicht zwangsweise aufgelöst.
Die schwachen Zahlen untermauern die Empfehlung: Der Polygon-USDT-Markt verzeichnete in den letzten 180 Tagen durchschnittlich nur rund 900.000 USD an offenen Krediten, zuletzt sogar nur noch etwa 486.000 USD. Auf Unichain sind die Volumina noch kleiner — der USDC-Markt kommt auf knapp 86.000 USD Borrows, der WETH-Markt auf rund 343.000 USD.
Geordneter Rückzug statt Chaos: Was dieser Vorgang über DeFi-Governance verrät
Dieser Vorschlag ist kein Notfall — er ist ein Lehrstück in kontrolliertem Risikomanagement. Dass Gauntlet überhaupt eine solche Empfehlung einreichen kann, setzt eine funktionierende Governance-Struktur voraus: Risikoexperten beobachten laufend die Auslastung einzelner Märkte und können bei wirtschaftlicher Irrelevanz frühzeitig gegensteuern, bevor ein schlecht genutzter Markt zum Sicherheitsproblem wird. Das ist kein Versagen — es ist das System, das arbeitet.
Wichtig für alle, die Kapital in diesen Märkten halten: Es handelt sich bislang um eine Empfehlung, keine vollzogene Protokolländerung. Erst wenn die Compound-Community per Abstimmung zustimmt, werden die vorgeschlagenen Parameteränderungen wirksam. Bestehende Supplier können ihr Geld jederzeit abziehen — Supply Caps auf null verhindern lediglich neues Kapital. Und da die Liquidation Factors ausdrücklich unverändert bleiben, droht bestehenden Kreditnehmern durch diesen Vorschlag keine erzwungene Liquidation ihrer Sicherheiten.
Der breitere Kontext ist bemerkenswert: Unichain — das Netzwerk von Uniswap — hat innerhalb eines Jahres rund 97 Prozent seines Gesamtkapitals verloren. Das zeigt, wie schnell sich Liquidität in der DeFi-Welt verlagert, wenn Anreize wegfallen oder konkurrierende Netzwerke attraktiver werden. Compound zieht hier die logische Konsequenz: Märkte ohne Nutzer binden Aufmerksamkeit und bergen Risiken, ohne Ertrag zu erzeugen. Ein Rückzug kann rationaler sein als ein Festhalten.
Compound, Gauntlet und Polygon — wer steckt dahinter?
Compound Finance ist ein dezentrales Kreditprotokoll — Nutzer können dort Kryptowährungen einlegen und dafür Zinsen verdienen oder andere Coins als Kredit aufnehmen, ganz ohne Bank. Die Märkte, die jetzt zur Abschaltung empfohlen werden, nennt Compound intern „Comets" — gemeint sind einzelne Lending-Märkte auf bestimmten Blockchain-Netzwerken.
Gauntlet ist ein externes Risikoanalyse-Unternehmen, das für Compound die Marktparameter überwacht und Empfehlungen an die Protokoll-Community ausspricht. Solche Vorschläge landen im öffentlichen Governance Forum und müssen von der Community angenommen werden — sie sind keine einseitigen Entscheidungen.
Polygon und Unichain sind zwei Blockchain-Netzwerke, auf denen Compound eigene Märkte betreibt. Beide gelten als günstigere Alternativen zum Ethereum-Hauptnetz — doch günstigere Gebühren allein garantieren keine Nachfrage.
Häufige Fragen
Was passiert mit meinem Kapital, wenn ich aktuell in einem dieser Märkte Mittel hinterlegt habe?
Bestehende Supplier — also Nutzer, die Kapital in einem dieser Märkte bereitgestellt haben — können ihr Geld jederzeit abziehen. Die vorgeschlagenen Maßnahmen setzen die Supply Caps auf null, was nur verhindert, dass neues Kapital einfließt. Bestehende Einlagen werden nicht gesperrt oder eingefroren. Laut dem Governance-Vorschlag bleiben außerdem die Liquidation Factors unverändert, sodass auch bestehende Kreditpositionen nicht zwangsweise aufgelöst werden.
Was ist ein „Comet" bei Compound Finance?
Compound bezeichnet einzelne Lending-Märkte innerhalb seines Protokolls als „Comets" — jeder Comet ist ein eigenständiger Markt für eine bestimmte Kryptowährung auf einer bestimmten Blockchain. So ist der „Polygon USDC Comet" der Markt, in dem Nutzer auf der Polygon-Blockchain USDC verleihen und als Sicherheit andere Assets hinterlegen können. Das Abschalten eines Comets bedeutet, diesen einzelnen Markt zu schließen, ohne andere Märkte zu berühren.