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TRM Labs: CoinEx leitete über 3,84 Milliarden US-Dollar zu sanktionierten iranischen Krypto-Entitäten

Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 25. Juni 2026

TRM Labs: CoinEx leitete über 3,84 Milliarden US-Dollar zu sanktionierten iranischen Krypto-Entitäten

Die Blockchain-Analysefirma TRM Labs hat in einem aktuellen Bericht nachgewiesen, dass die Kryptobörse CoinEx über mehr als sieben Jahre hinweg mehr als 3,84 Milliarden US-Dollar an Transaktionen zu sanktionierten iranischen Krypto-Plattformen geleitet hat. Für deutsche Anleger ist der Befund aus einem einfachen Grund relevant: Er zeigt, wie unregulierte Offshore-Börsen trotz bestehender US-Sanktionen als Schlupflöcher für verbotene Finanzströme fungieren können — und welche Risiken damit für jeden entstehen, der solche Plattformen nutzt.

Milliarden-Kanal nach Teheran: Wie CoinEx Irans Finanznetz am Leben hielt

Das Herzstück der Analyse bildet die Verbindung zwischen CoinEx und Nobitex, Irans größter Kryptobörse: Seit November 2018 flossen laut How CoinEx Became Iran's Primary Gateway to Global Cryptocurrency Markets (TRM Labs) über 2,7 Milliarden US-Dollar in rund 6,2 Millionen einzelnen Blockchain-Transfers zwischen den beiden Plattformen — im Schnitt etwa eine Million Dollar täglich. 2024 war CoinEx Nobitexs mit Abstand größter externer Handelspartner, mit einem Volumen fast neunmal so hoch wie das der nächstgrößeren namentlich genannten Börse. 2025 entfielen rund 16,3 Prozent von Nobitexs Jahresvolumen allein auf CoinEx.

TRM wertet es als kein Zufallsmuster, dass auch jede andere größere iranische Kryptobörse zwischen fünf und zehn Prozent ihres Gesamtvolumens über CoinEx abwickelte. Die Analysten sehen darin eine koordinierte Vereinbarung — nicht organisches Marktgeschehen.

Besonders brisant: TRM identifizierte direkte Transaktionen von CoinEx zu Wallets, die der Iranischen Revolutionsgarde (IRGC) zugeordnet werden — rund sechs Millionen US-Dollar in 186 Transfers —, sowie etwa 374.000 US-Dollar in Richtung des Palästinensischen Islamischen Dschihads und weitere Verbindungen zu Hisbollah-assoziierten Adressen. Hinzu kommen rund 67 Millionen US-Dollar, die zwischen Juni 2025 und Juni 2026 von der iranischen Zentralbank über ein verschachteltes Geldwäscheschema — unter anderem über den Stablecoin USDT auf mehreren Blockchain-Netzwerken — in CoinEx-Adressen flossen.

Wenn Compliance-Zahlen die eigentliche Geschichte erzählen

Der vielleicht aufschlussreichste Datenpunkt im TRM-Bericht ist nicht die Gesamtsumme, sondern ein Prozentsatz: Laut TRM gelten rund 8 % von CoinExs eigenem Transaktionsvolumen als illizit — also als potenziell rechtswidrig. Zum Vergleich: Börsen, die gängige Compliance-Standards einhalten, liegen typischerweise unter 0,3 %. Das ist kein gradueller Unterschied, sondern ein Faktor von fast 27 — und macht deutlich, wie weit CoinEx von dem entfernt ist, was Regulatoren und Strafverfolgungsbehörden als akzeptabel einstufen.

Für deutsche Nutzer gilt: Die EU-Geldwäscherichtlinien und die seit 2024 geltende MiCA-Verordnung — das neue EU-weite Regelwerk für Kryptomärkte — verlangen von zugelassenen Anbietern genau jene Kontrollmechanismen, die CoinEx laut TRM offenbar nicht ausreichend betrieben hat. Wer über eine nicht regulierte Offshore-Börse handelt, trägt das Risiko selbst: Transaktionen könnten im Nachhinein als Teil eines sanktionierten Netzwerks identifiziert werden, was im schlimmsten Fall rechtliche Konsequenzen für den Nutzer haben kann.

Gleichzeitig ist Vorsicht bei der Einordnung des Berichts angebracht: TRM Labs ist selbst ein kommerzieller Anbieter von Blockchain-Analysen — ein Unternehmen, das mit Behörden und Compliance-Teams zusammenarbeitet und ein wirtschaftliches Interesse an der Sichtbarkeit solcher Befunde hat. Die Methodik ist nicht unabhängig geprüft. CoinEx hat sich öffentlich bisher nicht zu den konkreten Vorwürfen geäußert. Solche Berichte sind wichtige Puzzleteile — aber keine abgeschlossenen Gerichtsurteile.

Warum Sanktionen und Blockchain-Analyse hier zusammenspielen

Um die Tragweite des Berichts zu verstehen, helfen zwei Grundkonzepte. Erstens: US-Sanktionen gegen Iran verbieten amerikanischen Personen und Unternehmen jede Geschäftsbeziehung mit sanktionierten Entitäten — doch sie gelten nicht automatisch weltweit. Offshore-Börsen wie CoinEx, die in keiner westlichen Jurisdiktion reguliert sind, operieren in einer rechtlichen Grauzone, bis sie selbst ins Visier geraten.

Zweitens: Kryptotransaktionen hinterlassen auf der Blockchain — einem öffentlichen, unveränderlichen Buchungssystem — dauerhafte Spuren. Genau das macht On-Chain-Analyse so mächtig: Ermittler können Geldflüsse Jahre später rekonstruieren, selbst wenn Konten längst geschlossen sind.

Hinzu kommt die Rolle von Stablecoins — digitalen Münzen, deren Wert an den US-Dollar gekoppelt ist. Sie sind besonders attraktiv für den grenzüberschreitenden Werttransfer unter Sanktionsdruck, weil sie Währungsrisiken umgehen und schnell über verschiedene Blockchain-Netzwerke verschoben werden können.

Häufige Fragen

Bin ich als deutscher Nutzer von CoinEx direkt betroffen?

Wer CoinEx als Handelsplattform nutzt, bewegt sich auf einer Börse, der eine erhebliche Exposition gegenüber sanktionierten Entitäten vorgeworfen wird. Zwar richten sich US-Sanktionen primär an amerikanische Personen und Unternehmen, doch europäische Regulierungsbehörden und Banken beobachten solche Befunde genau. Wer Gelder von einer sanktionierten oder sanktionsgefährdeten Plattform empfängt, kann in eigene Compliance-Probleme geraten — etwa beim Umtausch in Euro auf einer regulierten Börse.

Was bedeutet „illizites Transaktionsvolumen" bei einer Kryptobörse?

Blockchain-Analysefirmen wie TRM Labs verfolgen, welcher Anteil des Handelsvolumens einer Börse mit Wallets verbunden ist, die kriminellen Aktivitäten, Sanktionsverstößen oder verbotenen Organisationen zugeordnet werden. Laut TRM liegt dieser Wert bei CoinEx bei rund 8 Prozent — verglichen mit 0,3 Prozent, die für regelkonforme Börsen als typisch gelten. Je höher dieser Wert, desto wahrscheinlicher, dass eine Plattform keine ausreichenden AML-Kontrollen (Maßnahmen gegen Geldwäsche) betreibt.

Quellen