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CoinEx weist Vorwürfe zurück: Blockchain-Analysen zeigen 3,84 Milliarden Dollar Flows zu sanktionierten iranischen Krypto-Plattformen

Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 25. Juni 2026

CoinEx weist Vorwürfe zurück: Blockchain-Analysen zeigen 3,84 Milliarden Dollar Flows zu sanktionierten iranischen Krypto-Plattformen

Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Decrypt hat das Blockchain-Analyseunternehmen TRM Labs über 3,84 Milliarden US-Dollar in Transaktions-Flows zwischen der Kryptobörse CoinEx und sanktionierten iranischen Krypto-Plattformen nachverfolgt — über einen Zeitraum von sieben Jahren. CoinEx bestreitet jede wissentliche Beteiligung und betont, dass bloße On-Chain-Aktivität keine Kenntnis der Plattform von illegalen Vorgängen belege. Für deutsche Nutzer zeigt der Fall, welche Compliance-Risiken entstehen können, wenn eine Börse ins Visier von Sanktionsermittlungen gerät.

3,84 Milliarden Dollar: Was TRM Labs konkret nachverfolgt haben will

Der Löwenanteil der von TRM Labs — einem privaten Blockchain-Analyseunternehmen — dokumentierten Flows entfällt auf die iranische Börse Nobitex: rund 2,7 Milliarden US-Dollar sollen allein über diesen Kanal gelaufen sein, wie CoinDesk berichtet. Damit wäre CoinEx der größte externe Handelspartner von Nobitex gewesen. Laut Decrypt bezeichnet TRM Labs CoinEx sogar als die wichtigste externe Stütze des gesamten iranischen Krypto-Ökosystems.

Darüber hinaus identifizierte TRM Labs laut CoinDesk direkte Transaktionsberührungspunkte von CoinEx mit mehr als 60 weiteren iranischen Krypto-Plattformen. Besonders brisant: 6 Millionen US-Dollar sollen mit Wallets der Iranischen Revolutionsgarde und rund 374.000 US-Dollar mit dem Palästinensischen Islamischen Jihad in Verbindung stehen. Decrypt berichtet zudem, CoinEx habe im Rahmen eines einjährigen Schemas 67 Millionen US-Dollar aus der iranischen Zentralbank über mehrere Blockchains erhalten.

Wichtig: Bei diesen Zahlen handelt es sich um Analyseergebnisse eines privaten Unternehmens. Es liegt bislang weder eine formelle Anklage noch eine behördliche Entscheidung gegen CoinEx vor — das US-Finanzministerium sanktionierte Anfang Juni 2026 die iranischen Börsen Nobitex, Wallex, Bitpin und Ramzinex, nicht CoinEx selbst.

Wenn Daten anklagen, aber kein Gericht geurteilt hat

Der Fall CoinEx zeigt ein grundlegendes Spannungsfeld der Krypto-Welt: Blockchain-Analyseunternehmen wie TRM Labs können Transaktionspfade auf öffentlichen Blockchains mit großer Präzision rekonstruieren — doch ihre Befunde sind private Analysen, keine Gerichtsurteile. CoinEx steht bislang auf keiner Sanktionsliste. Es gibt weder eine formelle Anklage noch eine behördliche Entscheidung gegen die Börse. Das ist keine Kleinigkeit: Der Unterschied zwischen "Daten zeigen Flows" und "Börse hat wissentlich Sanktionen umgangen" ist rechtlich und faktisch erheblich.

Gleichzeitig wäre es zu einfach, den Befund als irrelevant abzutun. Sieben Jahre, über 60 iranische Plattformen, direkte Berührungspunkte mit Wallets der Iranischen Revolutionsgarde — das sind keine marginalen Ausreißer in einem anonymen Datensatz. Dass CoinEx nach den US-Sanktionen gegen Nobitex und andere iranische Börsen Anfang Juni 2026 nun selbst einen Ausstiegsprozess eingeleitet hat, deutet darauf hin, dass zumindest intern Handlungsbedarf erkannt wurde.

Für Nutzer in Deutschland ist die strukturelle Frage entscheidend: Unter dem europäischen Regelwerk MiCA — dem neuen EU-Rahmen für Krypto-Dienstleister — sind lizenzierte Anbieter zu strikten AML-Prüfungen (Geldwäsche-Prävention) verpflichtet, die genau solche Sanktions-Expositionen verhindern sollen. Börsen außerhalb dieses Rahmens, wie die auf den Seychellen registrierte CoinEx, unterliegen diesen Pflichten nicht — was die Transparenz gegenüber Nutzern grundlegend unterschiedlich macht.

Warum Blockchain-Transaktionen für Behörden so aufschlussreich sind

Kryptowährungen gelten oft als anonym — doch das stimmt nur halb. Jede Transaktion auf einer öffentlichen Blockchain ist dauerhaft gespeichert und für jeden einsehbar. Firmen wie TRM Labs sind darauf spezialisiert, diese öffentlichen Datenspuren systematisch auszuwerten: Sie verknüpfen Wallet-Adressen mit bekannten Akteuren und können so nachvollziehen, woher Gelder kommen und wohin sie fließen — eine Methode, die sich On-Chain-Analyse nennt.

Für Kryptobörsen wie CoinEx hat das konkrete Konsequenzen. Wer als zentralisierte Plattform Nutzern den Handel ermöglicht, ist in vielen Ländern verpflichtet, verdächtige Transaktionen zu erkennen und zu melden — das nennt sich AML, also Geldwäscheprävention. In der Europäischen Union verschärft die neue MiCA-Verordnung diese Pflichten weiter.

Sanktionen wiederum sind staatliche Verbote: Wer mit bestimmten Ländern, Firmen oder Personen Geschäfte macht, riskiert selbst rechtliche Konsequenzen — unabhängig davon, ob er davon wusste.

Häufige Fragen

Steht CoinEx selbst auf der US-Sanktionsliste?

Nein — zumindest zum Zeitpunkt der Berichterstattung nicht. Die US-Sanktionen des Finanzministeriums Anfang Juni 2026 richteten sich gegen iranische Kryptobörsen wie Nobitex, Wallex, Bitpin und Ramzinex. CoinEx selbst wurde nicht sanktioniert. Die Berichte von TRM Labs stellen Transaktions-Verbindungen her, sind aber keine behördliche Entscheidung — es liegt bislang weder eine formelle Anklage noch ein Sanktionseintrag gegen CoinEx vor.

Beweisen nachverfolgte Blockchain-Flows automatisch illegales Verhalten?

Nicht zwingend. On-Chain-Analyse — die Auswertung öffentlich einsehbarer Transaktionsdaten auf einer Blockchain — kann zeigen, dass Gelder zwischen Adressen geflossen sind. Sie belegt aber nicht automatisch, dass eine Plattform wusste, wessen Gelder das waren oder woher sie stammten. Genau diesen Punkt macht CoinEx geltend: Flows allein seien kein Nachweis für Kenntnis oder Absicht. Ob dem so ist, müssten im Zweifel Strafverfolgungsbehörden oder Gerichte klären.

Quellen