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US-Strafverfolgungsbehörden und 82 katholische Anführer warnen vor Sicherheitslücken im CLARITY Act

Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 24. Juni 2026

US-Strafverfolgungsbehörden und 82 katholische Anführer warnen vor Sicherheitslücken im CLARITY Act

Laut übereinstimmenden Berichten von Cointelegraph und Decrypt haben am 24. Juni 2026 vier US-Strafverfolgungsorganisationen sowie 82 katholische Anführer in getrennten Briefen Alarm geschlagen: Ein geplantes US-Kryptogesetz, der sogenannte CLARITY Act, könnte Ermittlungen gegen Geldwäsche und Menschenhandel erschweren. Ihr gemeinsamer Angriffspunkt ist eine einzelne Klausel des Gesetzes, die Software-Entwickler von bestimmten Finanzregeln ausnehmen soll. Das Gesetz könnte den globalen Regulierungsrahmen für dezentrale Krypto-Anwendungen prägen — und damit auch Nutzer und Entwickler weit außerhalb der USA betreffen.

Section 604: Die eine Klausel, die Ermittler und Kirchenvertreter aufbringt

Im Zentrum der Kritik steht laut übereinstimmenden Berichten von Cointelegraph und Decrypt Section 604 des CLARITY Act, die auch als Blockchain Regulatory Certainty Act (BRCA) bekannt ist. Diese Klausel soll Entwickler von sogenannter nicht-verwahrender Software — also Tools, bei denen Nutzer ihre Krypto-Werte selbst kontrollieren und kein Anbieter dazwischensteht — davon ausnehmen, als Geldtransmittenten eingestuft zu werden. Geldtransmittenten unterliegen in den USA strengen Identifizierungs- und Anti-Geldwäsche-Pflichten.

Die vier Strafverfolgungsorganisationen, darunter die National District Attorneys Association und die International Association of Chiefs of Police, argumentieren laut Cointelegraph, diese Ausnahme könnte die Anforderungen zur Kundenidentifikation (KYC) und zur Bekämpfung von Geldwäsche im Vergleich zum klassischen Bankensektor verwässern und laufende Ermittlungen behindern. Die 82 katholischen Unterzeichner, koordiniert durch die Alliance to End Human Trafficking, warnten in ihrem Brief an die Senatsspitzen beider Parteien vor einer möglichen Begünstigung von Menschenhandel.

Lindsay Fraser, Chief Policy Officer der Blockchain Association — einem Branchenverband —, wies die Kritik laut Cointelegraph als „grundlegendes Missverständnis" zurück: Section 604 tue „eine einzige, eng begrenzte Sache" und immunisiere keine Kriminellen. Der CLARITY Act soll laut Decrypt am 17. Juli im US-Repräsentantenhaus verhandelt werden; das Senate Banking Committee hatte ihn bereits im Mai passiert, allerdings stimmten die meisten Demokraten dagegen.

Wenn Software-Entwickler zu Geldwäschern werden — oder eben nicht

Der eigentliche Konflikt hinter den Protestbriefen ist ein grundsätzlicher: Wer trägt Verantwortung in einem System, das absichtlich ohne zentrale Kontrollstelle gebaut wurde?

Section 604 soll Software-Entwickler schützen, die Krypto-Anwendungen schreiben, ohne dabei Kundengelder zu verwahren. Die Logik dahinter: Ein Programmierer, der ein Werkzeug baut, ist kein Bankier — genauso wenig wie ein Messerhersteller für jeden Diebstahl haftet, bei dem sein Produkt benutzt wird. Die Blockchain Association betont genau diesen Punkt.

Strafverfolgungsbehörden sehen das anders: Wenn bestimmte Anbieter keine KYC-Pflichten (also keine Identitätsprüfung ihrer Nutzer) und keine Geldwäsche-Melderegeln einhalten müssen, entsteht eine regulatorische Lücke — und Kriminelle suchen gezielt solche Lücken.

Was dieser Streit nicht ist: Er ist keine Grundsatzdebatte darüber, ob Kryptowährungen per se gefährlich sind. Es geht um eine sehr konkrete Frage: Wie weit reicht die Ausnahme für Entwickler, und wer füllt die entstehende Kontrollücke?

Für Nutzer und Entwickler in Deutschland ist das relevant, weil ähnliche Fragen — wo endet das Werkzeug, wo beginnt die Finanzdienstleistung? — auch in der europäischen Regulierung ungelöst sind. Ein US-Gesetz, das diese Grenze zieht, schafft einen Präzedenzfall, an dem sich andere Gesetzgeber orientieren können oder müssen. Der Ausgang der Anhörung am 17. Juli dürfte deshalb weit über die USA hinaus beobachtet werden.

Warum eine Ausnahme für Software-Entwickler so viel Streit auslöst

Der CLARITY Act ist ein umfangreiches US-Gesetzespaket, das erstmals klare Spielregeln für den gesamten Kryptomarkt schaffen soll — von Börsen über Stablecoins bis hin zu dezentralen Anwendungen. Im Kern des aktuellen Streits steckt eine Unterscheidung, die für Außenstehende zunächst technisch klingt, aber erhebliche Folgen hat: zwischen verwahrenden und nicht-verwahrenden Diensten.

Wer verwahrt, hält das Geld anderer — wie eine Bank oder eine Krypto-Börse. Nicht-verwahrende Entwickler hingegen schreiben lediglich die Software, etwa für DeFi — dezentrale Finanzanwendungen, bei denen Nutzer ihre Vermögenswerte selbst kontrollieren. Section 604 des CLARITY Act soll genau diese Entwickler davon befreien, als Geldtransmittenten zu gelten.

Das Problem: Geldtransmittenten unterliegen in den USA strengen Pflichten zur Identitätsprüfung (KYC — Know Your Customer) und zur Geldwäschebekämpfung. Wer aus diesen Regeln herausfällt, muss solche Kontrollen nicht durchführen — und genau das beunruhigt Ermittler und Aktivisten gleichermaßen.

Häufige Fragen

Was genau soll Section 604 des CLARITY Act bewirken?

Section 604 — auch bekannt als Blockchain Regulatory Certainty Act — soll Entwickler von Software schützen, die Nutzer nicht direkt verwahrt oder kontrolliert. Konkret würde diese Gruppe nicht als sogenannte Geldtransmittenten eingestuft und wäre damit von bestimmten Pflichten wie Kundenidentifikation und Geldwäscheprävention ausgenommen. Kritiker befürchten, dass diese Ausnahme Schlupflöcher für illegale Aktivitäten öffnet; Befürworter sehen sie als notwendigen Schutz für Open-Source-Entwicklung.

Ist der CLARITY Act bereits Gesetz?

Nein. Das Gesetz hat zwar im Mai 2026 das Senate Banking Committee passiert — allerdings stimmten die meisten Demokraten dagegen —, und eine Anhörung im US-Repräsentantenhaus ist für den 17. Juli 2026 geplant. Bis zur endgültigen Verabschiedung können Gesetze in den USA noch erheblich verändert oder gestoppt werden. Der aktuelle Widerstand aus mehreren Richtungen zeigt, dass der Weg zum fertigen Gesetz noch offen ist.

Quellen