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Clarity Act gescheitert: US-Steuergesetz für Krypto passiert Ausschuss – SEC und CFTC starten Regulierungsoffensive
Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 19. September 2026

Zwei Gesetze, zwei Schicksale, eine offene Frage: Wie soll Krypto in den USA eigentlich geregelt werden? Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Decrypt scheiterte der sogenannte Digital Asset Market Clarity Act im US-Senat — das Gesetz hätte klare Zuständigkeiten zwischen den Finanzbehörden geschaffen. Gleichzeitig brachte ein Ausschuss des Repräsentantenhauses am 16. September 2026 ein separates Krypto-Steuergesetz auf den Weg — eine Entwicklung, die auch für deutsche Anleger mit US-Bezug als Orientierungspunkt relevant sein könnte.
Steuerregeln, Behördenoffensive und ein gescheitertes Großprojekt: Was konkret auf dem Tisch liegt
Der Digital Asset Market Clarity Act hätte laut Clarity Act — Was drin stand und was ihn ersetzt (CoinDesk) weit mehr geregelt als nur Zuständigkeiten: Er hätte die CFTC — die US-Aufsichtsbehörde für Warenmärkte — mit vollständiger Aufsicht über Krypto-Spot-Märkte ausgestattet, digitale Vermögenswerte in Kategorien eingeteilt und Entwickler dezentraler Finanzanwendungen (DeFi — offene Finanzprotokolle ohne zentrale Vermittler) mit begrenzten Haftungsschutzmaßnahmen versehen.
Parallel dazu genehmigte der Steuerausschuss des Repräsentantenhauses den Digital Asset Tax Certainty Act (H.R. 10357), wie Crypto Tax Bill Clears House Committee (Decrypt) berichtet. Konkret sieht der Entwurf vor: Netzwerk- oder Transaktionsgebühren bis zu zehn US-Dollar sollen — frühestens ab 2028 — von der Gewinn- und Verlustrechnung ausgenommen sein. Erträge aus Mining und Staking würden als gewöhnliches Einkommen besteuert. Außerdem sollen sogenannte Wash-Sale-Regeln auf Krypto ausgeweitet werden: Diese verbieten es, einen steuerlichen Verlust geltend zu machen, wenn dasselbe Asset kurz vor oder nach dem Verkauf wieder zurückgekauft wird — ein Steuerkniff, der bei Krypto bisher legal war. Für Dollar-Stablecoins nahe ihrem Einlösewert sind vereinfachte Steuerregeln vorgesehen. Das Gesetz ist noch weit von der Verabschiedung entfernt: Es muss beide Kammern in identischer Form passieren und vom Präsidenten unterzeichnet werden.
Behördenregeln statt Gesetz: Warum das für Krypto-Anleger ein Unterschied ist
Das Scheitern des Clarity Act hinterlässt eine strukturelle Lücke — und die Antwort von SEC und CFTC darauf ist aufschlussreich. Beide Behörden reagieren mit eigenen Regelentwürfen, doch SEC-Chairman Atkins sagt selbst: Diese Regeln sind weniger stabil als Gesetze. Eine neue Regierung, eine neue Führung — und was heute gilt, kann morgen wieder kassiert oder vor Gericht zu Fall gebracht werden. Für Anleger bedeutet das: Die Planungssicherheit, die ein Gesetz geboten hätte, fehlt weiterhin.
Bemerkenswert ist dabei die Situation bei der CFTC. Ihr Vorsitzender Selig ist derzeit das einzige aktive Mitglied der eigentlich fünfköpfigen Behörde — ein Ausnahmezustand, der ihm ungewöhnlich viel Handlungsspielraum gibt, aber auch die demokratische Legitimation dieser Schritte schwächt.
Das parallel vorangetriebene Steuergesetz bewegt sich auf einem anderen Gleis. Es berührt keine Aufsichtsfragen, sondern wie Krypto-Gewinne, Mining-Erträge oder Staking-Einnahmen steuerlich behandelt werden. Für deutsche Nutzer ist das weniger direkt, aber als Referenzpunkt interessant: Diskussionen über Wash-Sale-Regeln — also das Verbot, Verluste zu realisieren und sofort wieder einzusteigen — oder die steuerliche Einordnung von Staking-Erträgen sind keine rein amerikanischen Debatten. Wie die USA diese Fragen lösen, beeinflusst, welche Antworten andere Länder für vertretbar halten.
Unterm Strich: Die USA haben beim Krypto-Recht noch keine klare Linie gefunden — und das bleibt vorerst so.
Zwei Behörden, zwei Gesetze – und ein langer Schatten
Hinter dem aktuellen Regulierungsstreit steckt eine alte Grundsatzfrage: Wer hat in den USA eigentlich das letzte Wort über Krypto — die Börsenaufsicht SEC oder die Rohstoffmarkt-Behörde CFTC? Vereinfacht gesagt behandelt die SEC Kryptowerte eher wie Aktien, die CFTC eher wie Rohstoffe. Welche Behörde zuständig ist, entscheidet über Regeln, Pflichten und Rechtsschutz für alle Beteiligten.
Genau das sollte der Clarity Act lösen: klare Zuständigkeiten per Gesetz festschreiben. Ohne ein solches Gesetz agieren beide Behörden weiter auf eigene Faust — mit Regeln, die ein Nachfolger oder ein Gericht jederzeit kippen kann.
Das parallel laufende Steuergesetz berührt hingegen spezifische Fragen wie die steuerliche Behandlung von Staking — also dem Verdienen von Zinsen durch das Einsetzen eigener Kryptowerte als Netzwerksicherheit — oder von Stablecoins, also digitalen Münzen mit festem Wert meist in US-Dollar.
Häufige Fragen
Warum ist eine Behördenregel nicht dasselbe wie ein Gesetz?
SEC und CFTC können Regeln für Kryptomärkte erlassen, ohne dass der Kongress zustimmt. Der entscheidende Unterschied: Solche Regeln sind an die jeweilige Führung der Behörde gebunden. Wechselt der Vorsitzende — etwa nach einer Präsidentschaftswahl — kann ein Nachfolger sie zurückziehen oder abändern. Ein vom Kongress verabschiedetes Gesetz hingegen bleibt bestehen, bis es der Gesetzgeber selbst ändert, und ist deutlich schwerer vor Gericht anzufechten.
Gilt das neue Krypto-Steuergesetz bereits?
Nein. Der Digital Asset Tax Certainty Act passierte im September 2026 nur einen Ausschuss des Repräsentantenhauses. Damit er in Kraft tritt, müssen beide Kammern des Kongresses — Repräsentantenhaus und Senat — den Entwurf in identischer Form verabschieden und der Präsident muss ihn unterzeichnen. Die vorgesehenen Regelungen, etwa zur Gebührenbefreiung, sollen zudem frühestens 2028 greifen.