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Circle erhält finale OCC-Zulassung für nationale Trust Bank – USDC-Reserven könnten unter Bundesaufsicht kommen

Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 10. Juli 2026

Circle erhält finale OCC-Zulassung für nationale Trust Bank – USDC-Reserven könnten unter Bundesaufsicht kommen

Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Cointelegraph hat Circle, der Emittent des Stablecoins USDC — einer digitalen Münze, deren Wert fest an den US-Dollar gekoppelt ist —, am 10. Juli 2026 die finale Genehmigung der US-Bankenbehörde OCC erhalten, eine eigene nationale Trust Bank zu gründen. Für Nutzer außerhalb der USA ist das relevant, weil es die Frage aufwirft, wie sicher und transparent die Milliarden-Reserven hinter USDC künftig beaufsichtigt werden — ein Thema, das auch europäische Regulierer unter dem Stichwort MiCA beschäftigt.

Vom Charter-Antrag zur finalen Genehmigung: Was Circle National Trust darf – und was nicht

Das neue Institut trägt den rechtlichen Namen First National Digital Currency Bank (FNDCB) und wird unter dem Handelsnamen Circle National Trust auftreten. Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Cointelegraph hatte Circle den Antrag auf einen sogenannten Bank-Charter — die offizielle Betriebslizenz — im Juni 2025 eingereicht. Im Dezember 2025 folgte eine bedingte Genehmigung; die vollständige, finale Freigabe der OCC datiert nun auf den 10. Juli 2026.

Im ersten Schritt wird Circle National Trust ausschließlich fiduziarische Verwahrungsdienstleistungen erbringen — also Vermögenswerte treuhänderisch verwahren — und zwar zunächst nur für Circle selbst und verbundene Unternehmen. Eine spätere Erweiterung auf externe institutionelle Kunden wie Banken oder regulierte Derivatehändler ist laut genehmigtem Geschäftsplan möglich, aber nicht festgelegt.

Wichtig: Anders als eine klassische Geschäftsbank ist Circle National Trust im Rahmen ihres Charters nicht dazu autorisiert, Einlagen von Verbrauchern anzunehmen oder Kredite zu vergeben. Die Verwaltung der USDC-Reserven — derzeit rund 73 Milliarden US-Dollar im Umlauf — unter direkter OCC-Aufsicht bleibt laut CoinDesk eine zukünftige Möglichkeit, die noch nicht umgesetzt ist.

Was die OCC-Zulassung wirklich bedeutet – und was sie (noch) nicht ist

Der entscheidende Punkt, der in der Nachricht leicht untergeht: Circle National Trust ist keine Bank im klassischen Sinne. Sie darf keine Sparkonten führen, keine Verbraucherkredite vergeben und steht Privatkunden nicht offen. Was sie kann: digitale Vermögenswerte verwahren – zunächst ausschließlich für Circle selbst und verbundene Unternehmen. Das klingt bescheiden, ist aber regulatorisch ein großer Schritt.

Denn bislang operierte Circle als Nichtbank im Graubereich der US-Finanzaufsicht. Mit einer nationalen Trust Bank tritt das Unternehmen nun in einen Rahmen ein, der für Verwahrung und Treuhänderpflichten bundesweit einheitliche Standards setzt. Das OCC – das Office of the Comptroller of the Currency, vereinfacht gesagt die oberste US-Bankenaufsicht – kann nun direkt hineinschauen.

Was das für USDC-Reserven bedeutet, bleibt allerdings offen: Die Möglichkeit, diese Milliarden unter OCC-Aufsicht zu verwalten, ist im genehmigten Geschäftsplan vorgesehen – aber noch nicht umgesetzt. Hier sollte man Erwartungen dämpfen: Genehmigt ist nicht gleich implementiert.

Für europäische Beobachter ist der strukturelle Gedanke trotzdem instruktiv. Unter MiCA – dem neuen EU-Regelwerk für Kryptomärkte – müssen Stablecoin-Emittenten ihre Reserven ebenfalls klar trennen und beaufsichtigen lassen. Circle zeigt mit diesem Schritt, dass sich eine ähnliche Logik auch in den USA durchsetzt: Wer einen Dollar-Stablecoin in nennenswertem Umfang ausgibt, muss sich früher oder später dem institutionellen Aufsichtsrahmen stellen.

Was eine Trust Bank mit Krypto-Verwahrung zu tun hat

Wer Krypto hält, ohne ihn selbst zu verwahren, verlässt sich auf einen Dienstleister — das nennt sich Krypto-Verwahrung (Custody). Genau das ist das Kerngeschäft einer Trust Bank: Sie verwahrt Vermögenswerte treuhänderisch, handelt also im Auftrag und zum Schutz anderer — ähnlich einem Tresor, den eine unabhängige Stelle verwaltet.

Der entscheidende Unterschied zur klassischen Bank: Eine nationale Trust Bank darf keine Konten für Privatpersonen führen und keine Kredite vergeben. Ihre Erlaubnis ist enger gefasst — dafür unterliegt sie der direkten Bundesaufsicht durch die OCC, dem U.S. Office of the Comptroller of the Currency, einer der wichtigsten Bankenbehörden der USA.

Stablecoins wie USDC funktionieren nur so lange vertrauenswürdig, wie die hinterlegten Reserven — also die echten Dollar, die jeden digitalen Token absichern — sicher und nachweisbar vorhanden sind. Eine bundesbehördlich beaufsichtigte Verwahrstruktur soll genau das institutionell absichern.

Häufige Fragen

Ist Circle National Trust jetzt eine richtige Bank?

Nein — und diese Unterscheidung ist wichtig. Eine nationale Trust Bank darf weder Einlagen von Verbrauchern annehmen noch Kredite vergeben. Sie ist kein Ersatz für eine klassische Geschäftsbank, sondern ein spezialisiertes Institut für Verwahrungsaufgaben. Circle National Trust wird zunächst ausschließlich interne Verwahrdienste für Circle selbst und verbundene Unternehmen erbringen.

Werden USDC-Reserven jetzt von der US-Regierung kontrolliert?

Noch nicht. Die OCC-Zulassung eröffnet Circle die Möglichkeit, die Verwaltung der USDC-Reserven künftig unter Bundesaufsicht zu stellen — implementiert ist das bislang nicht. Es handelt sich um eine zukünftige Option, keine vollendete Tatsache. Ob und wann dieser Schritt erfolgt, ist derzeit offen.

Was bedeutet „fiduziarisch" in diesem Zusammenhang?

Fiduziarisch meint, dass ein Institut Vermögenswerte treuhänderisch — also im Auftrag und Interesse anderer — verwahrt und verwaltet, ohne selbst wirtschaftlicher Eigentümer zu werden. Circle National Trust übernimmt digitale Assets in Verwahrung, handelt dabei aber stets im Interesse der jeweiligen Auftraggeber, nicht auf eigene Rechnung.

Quellen