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Chainlink schließt sich 47 europäischen und südkoreanischen Banken für Echtzeit-Devisenabwicklung per Stablecoin an

Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 23. Juni 2026

Chainlink schließt sich 47 europäischen und südkoreanischen Banken für Echtzeit-Devisenabwicklung per Stablecoin an

Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Cointelegraph hat das Oracle-Netzwerk Chainlink — eine Technologie, die Blockchains mit externen Systemen und Daten verbindet — am 23. Juni 2026 das Projekt „Project Pangea" angekündigt: eine Koalition aus 47 europäischen und südkoreanischen Banken, die grenzüberschreitende Devisengeschäfte künftig per Stablecoin nahezu in Echtzeit abwickeln sollen. Für deutsche Leser ist das Vorhaben direkt relevant, denn 37 der beteiligten Institute kommen aus Europa und bringen eine Euro-Stablecoin-Komponente mit.

47 Banken, zwei Währungsräume, ein Ziel: Devisenabwicklung in Sekunden statt Tagen

Hinter dem Projekt stehen drei Kernpartner: Qivalis, ein Konsortium von 37 europäischen Banken, das einen Euro-gebundenen Stablecoin — eine Kryptowährung mit festem Wechselkurs zu einer Fiatwährung — einbringt; UniKA, eine Allianz aus mehr als einem Dutzend südkoreanischer Geschäftsbanken mit einem Won-Stablecoin; sowie das südkoreanische Technologieunternehmen FairSquareLab. Zusammen repräsentieren die beteiligten Institute laut Bericht von CoinDesk über zehn Billionen US-Dollar an verwaltetem Vermögen.

Der Handels­korridor zwischen Europa und Südkorea bewegt jährlich mehr als 150 Milliarden US-Dollar — bislang mit einer Abwicklungszeit von zwei Werktagen (sogenannte T+2-Abwicklung). Project Pangea will das auf nahezu sofortige T+0 verkürzen, indem Euro- und Won-Stablecoins per atomarem Payment-versus-Payment — einem Tausch, bei dem beide Seiten exakt gleichzeitig zahlen, ohne dass eine Seite in Vorleistung geht — über das Pangea-L1-Blockchain-Netzwerk ausgetauscht werden, wie Cointelegraph berichtet.

Chainlink fungiert dabei als Middleware — als verbindende Softwareschicht — und dockt an die bestehende Swift- und ISO-20022-Infrastruktur der Banken an, ohne deren Kernsysteme ersetzen zu müssen. Laut CoinDesk strebt Chainlinks VP Niki Ariyasinghe an, innerhalb von zwölf Monaten erste Live-Transaktionen in einem regulatorisch abgesicherten Rahmen durchzuführen. Cointelegraph stellt klar: Zum jetzigen Zeitpunkt handelt es sich bei Project Pangea um eine Arbeitsgruppe — ein produktives Netzwerk ist noch nicht in Betrieb.

Kein Experiment, aber auch kein fertiges Produkt — warum dieser Unterschied zählt

Project Pangea verdient Aufmerksamkeit — aber auch eine nüchterne Einordnung. Was hier angekündigt wurde, ist eine Arbeitsgruppe, kein laufendes Zahlungsnetz. Das ist kein Mangel, sondern der ehrliche erste Schritt: Bevor Großbanken gemeinsam Geld bewegen, müssen sie gemeinsam Regeln, Technik und Haftungsfragen klären. Genau das passiert gerade.

Bemerkenswert ist der technische Ansatz: Das System soll nicht die bestehende Bankinfrastruktur ersetzen, sondern sich darin einbetten. Banken nutzen weltweit Swift — das internationale Nachrichtensystem für Überweisungen — sowie ISO 20022, einen internationalen Standard, der festlegt, wie Finanztransaktionen strukturiert und maschinenlesbar übertragen werden. Project Pangea klinkt sich als Schicht dazwischen ein. Das ist politisch klug: Regulatoren und Compliance-Abteilungen reagieren allergisch auf Systeme, die bewährte Standards aushebeln wollen.

Für den europäischen Kontext ist das Qivalis-Konsortium der entscheidende Baustein. Wenn 37 europäische Banken einen gemeinsamen Euro-Stablecoin entwickeln, bewegen sie sich im Rahmen der EU-Verordnung MiCA — also der europäischen Krypto-Regulierung, die seit 2024 schrittweise in Kraft trat und klare Regeln für Stablecoins setzt. Das ist kein Zufall, sondern Voraussetzung für regulatorische Akzeptanz.

Das angestrebte Ziel, innerhalb von zwölf Monaten echte Transaktionen durchzuführen, ist ehrgeizig. Es bleibt ein Ziel — keine vertragliche Zusage. Ob daraus produktiver Betrieb wird, hängt auch davon ab, wie schnell die beteiligten Aufseher in Europa und Südkorea mitziehen.

Warum Banken jahrzehntelang zwei Tage auf ihr Geld gewartet haben

Wer Geld ins Ausland schickt oder Fremdwährungen tauscht, kennt das Gefühl: Die Transaktion dauert Tage, obwohl das Internet die Daten in Millisekunden überträgt. Der Grund liegt in der Infrastruktur dahinter. Im klassischen Bankensystem bedeutet eine Devisentransaktion, dass Käufer und Verkäufer nicht gleichzeitig tauschen, sondern in Schritten — mit Zwischenhändlern, Verrechnungsstellen und Wartezeiten. Das Ergebnis ist der sogenannte T+2-Standard: Die endgültige Abwicklung dauert zwei Geschäftstage.

Hier kommen Stablecoins ins Spiel — digitale Token, deren Wert an eine klassische Währung wie Euro oder Won gekoppelt ist. Kombiniert mit einem sogenannten atomaren Tausch-Mechanismus — bei dem zwei Zahlungen buchstäblich gleichzeitig stattfinden oder gar nicht — lässt sich dieses Zeitproblem technisch lösen. Chainlink positioniert sich dabei nicht als Bank oder Zahlungsanbieter, sondern als Verbindungsschicht zwischen bestehender Bankinfrastruktur und dieser neuen Abwicklungslogik.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen T+2 und T+0 bei Devisengeschäften?

Bei internationalen Zahlungen und Währungstransaktionen dauert die tatsächliche Abwicklung — also der endgültige Austausch der Geldbeträge zwischen den Banken — heute meist zwei Werktage. Das nennt sich T+2 (Trade plus 2 Tage). Project Pangea zielt auf T+0: Die Abwicklung soll im selben Moment erfolgen, in dem die Transaktion ausgelöst wird. Möglich werden soll das durch den gleichzeitigen, automatischen Tausch von Stablecoins beider Währungsräume.

Ersetzt Project Pangea das bestehende Bankensystem?

Nein. Laut den vorliegenden Berichten ist das System ausdrücklich als Middleware konzipiert — also als Zwischenschicht, die sich in bestehende Infrastruktur einklinkt. Banken müssten ihre gewohnten Systeme nicht aufgeben: Das Projekt nutzt bestehende Standards wie Swift und ISO 20022, wickelt die Transaktionen aber zusätzlich über ein eigenes Blockchain-Netzwerk ab. Es ist ein Aufsatz auf das Bestehende, kein Ersatz.

Quellen