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Celsius-Insolvenzverwalter verklagt BitMEX auf 495 Millionen Dollar wegen Zwangsliquidationen im Covid-Crash 2020
Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 17. September 2026

Sechs Jahre nach dem Corona-Crash im Kryptomarkt werden alte Wunden wieder aufgerissen: Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Cointelegraph reichte der Insolvenzverwalter der zusammengebrochenen Kryptoplattform Celsius am 12. September 2026 Klage gegen fünf mit der Derivatebörse BitMEX verbundene Unternehmen ein – und fordert dabei Bitcoin im Gegenwert von rund 495 Millionen US-Dollar zurück. Der Vorwurf: BitMEX soll im März 2020 Zwangsliquidationen zu manipulierten Preisen durchgeführt und damit massiv auf Kosten seiner eigenen Kunden profitiert haben.
Wie BitMEX laut Klage die eigenen Regeln gegen Kunden gewendet haben soll
Beklagte sind laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk fünf Unternehmen aus dem BitMEX-Konzerngeflecht: HDR Global Trading, ABS Global Trading, Shine Effort, 100x Holdings und HDR Global Services – mit Firmensitzen verteilt über Bermuda, die Cayman Islands, England, Hongkong, die Seychellen und die USA. Die Klage wurde beim U.S. Bankruptcy Court for the Southern District of New York eingereicht.
Im Kern geht es um 6.360,16 Bitcoin aus zwei Handelstagen im März 2020. Celsius verlor am 12. März 2020 eigene 1.325,84 BTC durch Zwangsliquidationen – also automatische Zwangsverkäufe, die ausgelöst werden, wenn Sicherheiten unter einen bestimmten Schwellenwert fallen. Die deutlich größere Summe von 5.034,33 BTC verlor der Investmentfonds JST einen Tag später; JST trat seine Ansprüche anschließend an die Celsius-Masse ab.
Laut Cointelegraph wirft die Klageschrift BitMEX vor, Liquidationsaufträge zu Preisen platziert zu haben, die mehr als 24 Prozent unter dem jeweils nächstbesten Angebotspreis auf der eigenen Plattform lagen. Laut CoinDesk kontrollierte BitMEX dabei sowohl den Mechanismus, der Liquidationszeitpunkte bestimmte, als auch den plattformeigenen Versicherungsfonds – einen Puffer, der bei Liquidationen Gewinne einstreicht. Die Plattform soll laut Klageschrift absichtlich so konstruiert worden sein, um Kunden zu schädigen. Diese Vorwürfe sind bislang unbewiesen.
Wenn die Plattform Richter, Vollstrecker und Profiteur zugleich ist
Der Kern des Vorwurfs ist ein grundsätzliches Problem, das weit über BitMEX hinausweist: Eine zentralisierte Börse kontrollierte gleichzeitig, wann eine Position zwangsliquidiert wird, zu welchem Preis das geschieht – und besaß obendrein den Versicherungsfonds, der aus genau diesen Liquidationen Gewinn zog. Das ist, als würde ein Kasino nicht nur die Regeln bestimmen, sondern auch die Kasse leeren dürfen, wenn ein Spieler verliert.
Ob die konkreten Vorwürfe gerichtlich standhalten, ist völlig offen – sie sind bislang unbewiesen. Was der Fall jedoch unabhängig vom Ausgang illustriert: Leverage – also das Handeln mit geliehenem Kapital – auf Plattformen, bei denen Nutzer weder die Liquidationsmechanismen einsehen noch nachprüfen können, birgt Risiken, die selbst erfahrene Akteure unterschätzen. Celsius und der Fonds JST verloren ihre Positionen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen, dem 12. und 13. März 2020 – also innerhalb von 48 Stunden in einem der heftigsten Krypto-Kurseinbrüche überhaupt.
Für deutsche Anleger ist noch ein weiterer Aspekt bemerkenswert: Insolvenzmassen arbeiten offenbar aktiv und über Jahre hinweg daran, verlorene Mittel zurückzuholen – juristisch, grenzüberschreitend, gegen Unternehmen auf mehreren Kontinenten. Das ist weder schnell noch günstig. Wer Geld auf einer insolventen Plattform verliert, sollte realistische Erwartungen haben: Rückzahlungen, falls sie überhaupt kommen, dauern Jahre.
Wenn Börsen gleichzeitig Richter und Profiteur sind
Um die Schwere der Vorwürfe zu verstehen, hilft ein Blick auf die Mechanik dahinter. Wer an Kryptobörsen mit Hebelwirkung — also geliehenem Kapital — handelt, geht ein erhöhtes Risiko ein: Fällt der Kurs zu stark, schließt die Plattform die Position automatisch, um den Verlust zu begrenzen. Das nennt sich Liquidation.
Das eigentlich Brisante im Fall BitMEX: Das Unternehmen soll laut Klageschrift nicht nur diese Liquidationsregeln festgelegt, sondern gleichzeitig den sogenannten Versicherungsfonds kontrolliert haben — einen Topf, der aus eben diesen Zwangsliquidationen gespeist wird. Wer also die Regeln macht, entscheidet auch darüber, wann und wie Positionen geschlossen werden – und kassiert am Ende mit.
Im März 2020, als die Kurse infolge der aufkommenden Corona-Krise abstürzten, war der Markt besonders anfällig für solche Mechanismen. Genau in diesem Moment soll das System laut Klage zum Nachteil der Kunden gegriffen haben.
Häufige Fragen
Was genau wirft die Klage BitMEX vor?
Laut Cointelegraph soll BitMEX Liquidationsaufträge zu Preisen ausgeführt haben, die mehr als 24 % unter dem nächstbesten verfügbaren Verkaufspreis auf der BitMEX-Plattform selbst lagen – also deutlich schlechter als das, was die eigene Börse zum selben Zeitpunkt eigentlich geboten hätte. Darüber hinaus soll BitMEX laut Klageschrift den Bitcoin-Preis auf seiner Plattform auch unter dem Niveau konkurrierender Börsen gehalten haben. Ein weiterer Kern des Vorwurfs: BitMEX kontrollierte laut CoinDesk gleichzeitig sowohl den Mechanismus, der Liquidationen auslöst, als auch den Versicherungsfonds, der dabei profitiert – ein offensichtlicher Interessenkonflikt. Alle Vorwürfe sind bislang unbewiesen.
Was bedeutet es, dass Ansprüche von JST an die Celsius-Masse „abgetreten" wurden?
Abtretung bedeutet: Eine Partei überträgt ihre Forderung vertraglich auf eine andere. Der Investmentfonds JST verlor im März 2020 über 5.000 BTC durch Liquidationen und hat seine Ansprüche gegen BitMEX an die Celsius-Insolvenzmasse weitergegeben. Die Insolvenzverwalter können diese Forderung nun stellvertretend einklagen – als wäre es ihre eigene.