News
BitMEX Research prüft Vorwürfe gegen Blockstream Mining Note und BSTR-Börsengang
Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 23. Juni 2026

Am 21. Juni 2026 hat BitMEX Research — der Analysearm der gleichnamigen Kryptobörse — eine Reihe von Vorwürfen gegen das Blockstream Mining Note-Programm und den geplanten NASDAQ-Börsengang der Bitcoin-Treasury-Gesellschaft BSTR untersucht. Auslöser war ein Substack-Artikel vom 8. Juni 2026, der unter anderem dem ehemaligen Leiter des Blockstream-Mining-Geschäfts schwere Vergehen vorwarf. Für deutsche Anleger, die in hochverzinsliche Krypto-Mining-Produkte investieren oder den BSTR-Börsengang verfolgen, lohnt ein nüchterner Blick darauf, welche Vorwürfe BitMEX als belegt, welche als irreführend und welche als ungeklärt einstuft.
Vorstrafe bestätigt, Schuld offen: Was BitMEX zu den einzelnen Anklagepunkten herausfand
Im Mittelpunkt der Analyse steht Chris Cook, ehemaliger Leiter des Blockstream-Mining-Geschäfts, das laut BitMEX inzwischen in eine eigenständige Einheit ausgegliedert wurde. Laut The Blockstream Mining Note Accusations (BitMEX Research) bestätigt BitMEX, dass Cook tatsächlich vorbestraft ist — hält aber fest, dass seine Vermögenskäufe allein kein zwingender Beweis für einen Diebstahl sind.
Zum Blockstream Mining Note-Programm (BMN) — schuldenähnliche Wertpapiere, mit denen Anleger indirekt in Bitcoin-Mining investieren — stellt BitMEX klar: Die Angebotsunterlagen enthielten keine Gruppengarantie von Blockstream oder BSTR. Ein direkter Haftungsübertrag auf künftige BSTR-Aktionäre ist demnach nicht korrekt.
Den vielzitierten Vorwurf, die Bitcoin-Reserve hinter dem sogenannten Liquid-Netzwerk (einem Bitcoin-Seitenpfad für schnellere Transaktionen) sei im Januar 2026 nur zu 82,4 Prozent gedeckt gewesen, bezeichnet BitMEX als irreführend: Es habe sich um einen Programmierfehler im Code von liquid.network gehandelt, der schnell behoben wurde — keine strukturelle Unterdeckung.
Den Vorwurf, der Verwahrungsdienstleister Komainu sei „kompromittiert", stuft BitMEX mangels jeglichem Beleg im Originalartikel als unsubstantiiert ein. Offene Fragen bleiben laut BitMEX bei der ausgelobten Rendite von angeblich 20 Prozent — hier empfiehlt die Analyse weitere journalistische Untersuchung.
Was der Fall über Mining-Investments mit schuldenähnlicher Struktur verrät
Der Fall illustriert ein strukturelles Problem, das über Blockstream hinausgeht: Hochverzinsliche Krypto-Mining-Produkte — also Anlageformen, die Renditen durch den Betrieb von Mining-Hardware versprechen — werben oft mit attraktiven Zahlen, während die eigentliche Absicherung im Kleingedruckten steckt. Dass die Blockstream Mining Notes laut BitMEX Research keine Gruppengarantie des Mutterkonzerns enthielten, ist kein Einzelfall. Solche Produkte werden häufig als eigenständige Vehikel strukturiert, bei denen Verluste nicht automatisch auf die Muttergesellschaft durchschlagen — aber eben auch nicht deren Bonität als Sicherheitsnetz nutzen.
Besonders lehrreich ist der Hinweis auf den Dashboard-Bug bei liquid.network: Ein Anzeigefehler ließ L-BTC — den auf der Liquid-Sidechain ausgegebenen Bitcoin-Anspruch — zeitweise als nur zu 82,4 Prozent gedeckt erscheinen. Das zeigt, wie leicht On-Chain-Daten — also direkt auf der Blockchain ablesbare Informationen — fehlinterpretiert werden können, wenn man ihre technische Quelle nicht kennt. Ein Screenshot eines fehlerhaften Dashboards kann einen ernsthaften Vorwurf erzeugen, der sich bei näherer Prüfung als Bug entpuppt.
BitMEX Research selbst ist keine neutrale Instanz: Als Forschungsarm einer Kryptobörse hat das Unternehmen ein eigenes Interesse am Ansehen des Marktes. Dass die Analyse dennoch offene Fragen — etwa zur beworbenen Rendite von rund 20 Prozent — benennt und weitere journalistische Untersuchung anregt, spricht für eine gewisse Redlichkeit. Abschließende Entlastung ist der Bericht jedoch ausdrücklich nicht.
Wenn Mining-Investitionen auf Börsengänge treffen: die nötigen Grundbegriffe
Im Zentrum des Falls stehen zwei Konstrukte, die für sich genommen komplex sind — und in Kombination noch mehr Aufmerksamkeit erfordern.
Das erste ist das Bitcoin Mining: Dabei stellen Teilnehmer Rechenleistung bereit, um Transaktionen zu bestätigen und neue Bitcoin zu erzeugen. Das Blockstream Mining Note-Programm (kurz: BMN) verbriefte diese Rechenleistung als eine Art Wertpapier — Anleger kauften also nicht direkt Bitcoin, sondern einen Anteil an künftiger Mining-Leistung, verbunden mit einer Renditeverheißung.
Das zweite ist der Begriff Bitcoin-Treasury-Company: ein börsennotiertes Unternehmen, dessen Geschäftsmodell im Wesentlichen darin besteht, Bitcoin in der eigenen Bilanz zu halten — ähnlich wie Strategy (früher MicroStrategy) in den USA. BSTR soll nach einem Zusammenschluss via SPAC — einer Mantelgesellschaft, die speziell für Börsengänge gegründet wird — an der NASDAQ gelistet werden.
Wer Produkte wie BMN prüft, sollte zudem verstehen, wer die erworbenen Vermögenswerte tatsächlich verwahrt: Die Krypto-Verwahrung (Custody) ist ein eigenes Risikothema, das im vorliegenden Fall ebenfalls eine Rolle spielt.
Häufige Fragen
Was sind Blockstream Mining Notes, und wer haftet dafür?
Blockstream Mining Notes (BMN) sind schuldenähnliche Wertpapiere, mit denen Blockstream Kapital für sein Mining-Geschäft eingesammelt hat. Laut BitMEX Research enthielten die Angebotsunterlagen keine Gruppengarantie von Blockstream oder der neuen Börsengesellschaft BSTR. Das bedeutet: Die neue Pubco haftet nach dieser Einschätzung nicht automatisch für Verbindlichkeiten aus dem Mining-Programm — die beiden Einheiten sind rechtlich getrennt.
Warum tauchte Chris Cooks Vorstrafe nicht in den SEC-Unterlagen auf?
Die US-Börsenaufsicht SEC verlangt von Direktoren und leitenden Personen eine Offenlegung strafrechtlicher Vorgeschichten. Laut BitMEX Research ist Cook kein Direktor der neuen Pubco BSTR, und das Mining-Geschäft soll nicht Teil dieser Gesellschaft sein — weshalb eine Nennung in den Einreichungen nach dieser Lesart nicht zwingend erforderlich wäre. BitMEX bestätigt die Vorstrafe selbst als zutreffend, sieht aber keinen Beweis für einen aktiven Diebstahl durch Cook. </s>