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Bitcoin-Fork BIP-110 scheitert: Minderheitskette erzeugt nur zwei Blöcke in acht Stunden
Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 09. August 2026

Ein Bitcoin-Fork — also eine Abspaltung der Blockchain in zwei konkurrierende Ketten — ist am Samstag bei Block 961.632 spektakulär ins Stocken geraten: Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Decrypt spaltete sich eine Minderheitskette rund um den umstrittenen Vorschlag BIP-110 von der Haupt-Bitcoin-Chain ab, produzierte in den ersten acht Stunden jedoch nur zwei Blöcke, während Bitcoin selbst im gleichen Zeitraum Dutzende weiterschrieb. Für deutsche Nutzer besonders relevant: Wer Fork-Coins voreilig handelt, riskiert dabei echte Bitcoin zu verlieren.
Zwei Blöcke in acht Stunden: Warum die Minderheitskette praktisch stillsteht
Konkret ausgelöst wurde der Split dadurch, dass BIP-110-Nodes begannen, jeden Block ohne ein bestimmtes Signaling-Flag — also ein digitales Zustimmungssignal der Miner — abzulehnen. Das Problem: Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Decrypt hatten zuletzt nur 2,53 Prozent der geminen Blöcke überhaupt für BIP-110 signalisiert — weit unter dem erforderlichen Schwellenwert von 55 Prozent.
Die Folge ist ein krasses Kräfteungleichgewicht: Die Minderheitskette erbte Bitcoins aktuelle Mining-Difficulty — also den eingestellten Schwierigkeitsgrad, der bestimmt, wie viel Rechenaufwand ein neuer Block kostet — verfügt aber nur über einen winzigen Bruchteil der Rechenleistung. Die nächste automatische Anpassung dieser Schwierigkeit würde bei aktuellem Tempo erst in rund 350 Tagen greifen; Bitcoin selbst schafft denselben Zyklus in etwa 14 Tagen. Die Deadline, bis zu der die Minderheitskette Block 963.647 erreichen müsste, wird sie damit aller Wahrscheinlichkeit nach nie erfüllen — die Kette ist faktisch eingefroren.
Warum Bitcoins Konsens-Mechanismus Minderheitsforks fast automatisch ausbremst
Das rasche Scheitern von BIP-110 ist kein Zufall — es ist das System, das genau so funktioniert, wie es soll. Bitcoin hat keine zentrale Instanz, die Regeln durchsetzt. Stattdessen übernimmt die sogenannte Mining Difficulty — die automatisch angepasste Schwierigkeit, einen neuen Block zu berechnen — diese Rolle indirekt, aber wirkungsvoll.
Die Minderheitskette erbte beim Split die volle Difficulty der Haupt-Chain, bringt aber nur einen winzigen Bruchteil der weltweiten Rechenleistung mit. Das Ergebnis: Wo Bitcoin alle zehn Minuten einen Block findet, braucht die Abspaltung Stunden — oder Tage. Und da die automatische Neujustierung der Difficulty erst nach 2.016 Blöcken greift, steckt die Kette in einer Falle: Bei aktuellem Tempo würde sie diese Marke erst in rund 350 Tagen erreichen.
Was das für BIP-110 bedeutet, ist eindeutig: Das Pflicht-Signaling-Fenster endet bei Block 963.647 — eine Marke, die die Minderheitskette praktisch nie erreichen wird. Das Projekt ist damit technisch gescheitert, auch wenn formal noch keine endgültige Abschaltung erklärt wurde.
Davon unabhängig verdient das Replay-Risiko besondere Aufmerksamkeit. Weil BIP-110 keinen Replay-Schutz eingebaut hat — also keinen Mechanismus, der verhindert, dass eine Transaktion auf beiden Ketten gleichzeitig gilt — kann eine Transaktion, die auf der Minderheitskette ausgeführt wird, automatisch auch auf der Haupt-Bitcoin-Chain wirksam werden. Dieser technische Zusammenhang ist keine Frage der Vorsicht, sondern ein protokollimmanentes Risiko, das bei Chain-Splits ohne Replay-Schutz grundsätzlich besteht.
Warum ein Bitcoin-Vorschlag die gesamte Netzwerkgemeinschaft spalten kann
Bitcoin-Verbesserungsvorschläge — sogenannte BIPs (Bitcoin Improvement Proposals) — sind der formale Weg, Änderungen am Protokoll vorzuschlagen. Damit eine Änderung aktiviert wird, muss eine ausreichende Mehrheit der Miner über einen definierten Zeitraum aktiv dafür „signalisieren", also mit ihren Blöcken zustimmen. BIP-110 verlangte eine Schwelle von 55 Prozent, die nie erreicht wurde.
Entscheidend für das schnelle Scheitern der Minderheitskette ist die Mining Difficulty — ein automatischer Schwierigkeitsgrad, der regelt, wie viel Rechenleistung nötig ist, um einen neuen Block zu finden. Die Minderheitskette erbte Bitcoins aktuelle, sehr hohe Difficulty, bringt aber kaum eigene Rechenleistung mit. Das Ergebnis: extrem lange Wartezeiten zwischen den Blöcken.
Hinzu kommt, dass ein Chain-Split ohne sogenannten Replay-Schutz — also eine technische Absicherung, die Transaktionen eindeutig einer Kette zuweist — besondere Risiken für Nutzer schafft, die Fork-Coins bewegen möchten.
Häufige Fragen
Was bedeutet das Replay-Risiko konkret für mich als Nutzer?
Wer Fork-Coins auf der Minderheitskette verkauft oder überträgt, geht ein erhebliches Risiko ein: Da beide Ketten nach einem Split ohne Replay-Schutz identische Transaktionsformate akzeptieren, kann eine Transaktion, die auf der Minderheitskette ausgeführt wird, automatisch auch auf der Haupt-Bitcoin-Chain gültig sein — und dort echte BTC bewegen. Wer also Fork-Coins einlösen möchte, sollte sich zuerst vergewissern, ob ein Replay-Schutz vorhanden ist.
Warum kommt die Minderheitskette bei der Difficulty-Anpassung nicht einfach nach unten?
Die Mining Difficulty — also der Schwierigkeitsgrad, neue Blöcke zu erzeugen — passt sich bei Bitcoin automatisch alle 2.016 Blöcke an. Die Minderheitskette erbte beim Split Bitcoins aktuelle, hohe Difficulty, verfügt aber nur über einen Bruchteil der Rechenleistung. Bis zur nächsten Anpassung würde es bei aktuellem Tempo rund 350 Tage dauern, während Bitcoin dafür etwa 14 Tage benötigt — ein strukturelles Problem, das die Kette praktisch lähmt.