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Bitcoin: 16-Milliarden-Dollar-Quartalsoptionen verfallen – Call-lastiges Buch könnte Volatilität auslösen
Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 23. September 2026

Jeden letzten Freitag im Quartal verfolgen Krypto-Händler weltweit einen Termin mit besonderer Spannung: das große Optionsverfallen. Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Decrypt laufen am Freitag, 25. September 2026, Bitcoin-Optionen im Nominalwert von rund 15,6 bis 15,9 Milliarden US-Dollar aus — ein Volumen, das gut ein Drittel aller ausstehenden Bitcoin-Optionspositionen auf der Handelsplattform Deribit ausmacht. Wer Bitcoin hält oder kaufen möchte, sollte verstehen, warum solche Verfallstermine kurzfristig für Unruhe an den Märkten sorgen können.
Calls dominieren das Buch – und fast alle sind im Gewinn
Laut Bitcoin's $16 Billion Quarterly Options Settlement Arrives With a Call-Heavy Book (CoinDesk) liegt das Put/Call-Verhältnis der auslaufenden Positionen bei 0,69 — das bedeutet: Auf jeden Put (eine Wette auf fallende Kurse) kommen rund 1,4 Calls (Wetten auf steigende Kurse). Das Buch ist damit deutlich bullisch ausgerichtet.
Noch auffälliger: 55 % der auslaufenden Call-Positionen — das entspricht einem Nominalwert von 9,4 Milliarden Dollar — sind aktuell im Geld, also profitabel. Der Spot-Preis von Bitcoin lag zuletzt bei rund 84.000 bis 85.500 Dollar, während Put-Positionen laut CoinDesk nahezu wertlos sind.
Der Strike-Preis mit dem höchsten Open Interest — der Anzahl offener Kontrakte — liegt bei 70.000 Dollar, wo sich gleichzeitig die größten Call- und Put-Positionen konzentrieren, wie 15.6 Billion Bitcoin Options Expire Friday (Decrypt) berichtet. Hinzu kommen rund 2,1 Milliarden Dollar in auslaufenden Ether-Optionen zum selben Termin — insgesamt also knapp 18 Milliarden Dollar Krypto-Optionsvolumen an einem einzigen Freitag.
Wenn der Rückenwind plötzlich wegfällt: Was das Settlement wirklich bedeutet
Das eigentlich Aufschlussreiche an diesem Verfallstermin ist nicht das schiere Volumen, sondern die Mechanik dahinter. Wer versteht, wie Dealer-Hedging funktioniert, versteht auch, warum Bitcoin-Rallyes manchmal wie von selbst laufen — und warum sie nach einem Settlement abrupt ins Stocken geraten können.
Vereinfacht gesagt: Wenn viele Marktteilnehmer Call-Optionen — also das Recht, Bitcoin zu einem fixen Preis zu kaufen — bei Banken oder Market-Makern erwerben, müssen diese Gegenparteien ihr Risiko absichern. Das tun sie, indem sie selbst Bitcoin kaufen. Steigt der Preis, kaufen sie nach; fällt er, verkaufen sie. Dieser automatische Kaufdruck hat laut Deribit-CEO Luuk Strijers die Rallye durch die Zone um 80.000 bis 87.000 Dollar mitgetragen. Nach dem Settlement erlischt diese Verpflichtung — der strukturelle Rückenwind entfällt ersatzlos.
Wichtig zu verstehen: Das bedeutet keine automatische Kursumkehr. Es heißt lediglich, dass ein bisher unsichtbarer Stabilisator aus dem Markt verschwindet. Wie der Preis anschließend reagiert, hängt von vielen weiteren Faktoren ab — unter anderem den zeitgleich veröffentlichten US-Konjunkturdaten und dem CME-Settlement am Nachmittag.
Der Max-Pain-Wert — jener Preis, bei dem die meisten Käufer von Optionen Verluste machen — liegt mit rund 75.000 bis 76.000 Dollar deutlich unter dem aktuellen Niveau. Er gilt in der Marktanalyse als grobe Orientierungsgröße, nicht als Kursprognose: Märkte bewegen sich selten mechanisch auf einen rechnerischen Schmerzpunkt zu.
Wenn Absicherungsgeschäfte plötzlich wegfallen
Um zu verstehen, warum Verfallstermine den Preis bewegen können, hilft ein Blick auf die Mechanik dahinter. Bei Optionen — Verträgen, die das Recht geben, Bitcoin zu einem festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen — übernehmen sogenannte Dealer die Gegenseite vieler Trades. Um ihr eigenes Risiko zu begrenzen, kaufen oder verkaufen sie laufend echten Bitcoin als Absicherung.
Je mehr Call-Optionen (Kaufrechte) im Umlauf sind und je näher der Bitcoin-Kurs an den jeweiligen Strike-Preisen liegt, desto aktiver müssen Dealer absichern. Das erzeugt am Markt einen konstanten Kaufdruck — eine Art unsichtbaren Rückenwind für den Preis.
Fällt dieser Mechanismus nach dem Settlement weg, kann sich das Preisbild abrupt verändern. Wie stark, hängt unter anderem vom Open Interest — also dem Gesamtvolumen aller noch offenen Positionen — und davon ab, wie viele davon tatsächlich „im Geld" sind.
Häufige Fragen
Was bedeutet es, wenn eine Option „im Geld" ist?
Eine Option ist „im Geld" (englisch: in the money), wenn sie bei sofortigem Verfall einen echten Auszahlungswert hätte. Bei einer Call-Option — also dem Recht, Bitcoin zu einem bestimmten Preis zu kaufen — ist das der Fall, wenn der aktuelle Marktpreis über dem vereinbarten Kaufpreis liegt. Beim aktuellen Verfallstermin trifft das laut CoinDesk auf 55 % aller auslaufenden Call-Positionen zu.
Was ist Max Pain und warum wird er so oft erwähnt?
Max Pain bezeichnet den Kurs, bei dem Käufer von Optionen insgesamt den größten finanziellen Verlust erleiden würden — und Optionsverkäufer entsprechend am meisten gewinnen. Beim aktuellen Termin liegt dieser Wert bei rund 75.000 bis 76.000 Dollar. Der Begriff taucht in Marktberichten häufig auf, weil manche Marktteilnehmer vermuten, Preise würden sich vor dem Verfall in diese Richtung bewegen. Belastbare Beweise dafür gibt es nicht — Max Pain ist ein Orientierungspunkt, kein Kursziel.