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Bank of Korea startet zweite CBDC-Pilotphase mit neun Banken im September

Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 20. Juli 2026

Bank of Korea startet zweite CBDC-Pilotphase mit neun Banken im September

Südkoreas Zentralbank treibt ihr digitales Währungsprojekt einen entscheidenden Schritt voran: Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Cointelegraph will die Bank of Korea im September 2026 die zweite Phase ihres CBDC-Pilotprojekts „Project Hangang" starten — diesmal mit neun statt bisher sieben Partnerbanken. Für deutsche Leser ist das bemerkenswert, weil Südkorea damit zeigt, wie digitales Zentralbankgeld und klassische Bankeinlagen im Alltag zusammenwachsen könnten — ein Konzept, das auch beim geplanten digitalen Euro zunehmend diskutiert wird.

Von 81.000 Testteilnehmern zur nächsten Stufe: Was Phase zwei konkret vorsieht

Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Cointelegraph verlief die erste Phase von April bis Juni 2025 mit rund 81.000 Teilnehmern und knapp 115.000 Transaktionen. Dabei kamen sogenannte Deposit-Token zum Einsatz — das sind digitale Darstellungen von Bankeinlagen, die auf einer Blockchain verbucht werden, ähnlich wie ein digitaler Kontoauszug, aber übertragbar wie Bargeld.

Für Phase zwei kommen mit der Gyeongnam Bank und der iM Bank zwei Regionalbanken neu hinzu; Großbanken wie KB Kookmin, Shinhan, Hana und Woori waren bereits in Phase eins beteiligt. Das Modell bleibt arbeitsteilig: Die Bank of Korea stellt die Infrastruktur für den institutionellen CBDC — also das digitale Zentralbankgeld, das nur zwischen Banken fließt — bereit, während die Geschäftsbanken darauf aufbauend ihre eigenen Deposit-Token ausgeben und verwalten.

Neu in Phase zwei sind Peer-to-Peer-Überweisungen direkt zwischen Nutzern, biometrische Authentifizierung per Fingerabdruck oder Gesichtserkennung sowie erste Tests für staatliche Subventionszahlungen über tokenisierte Einlagen. Ein BOK-Vertreter wird von CoinDesk mit den Worten zitiert: „Ab der zweiten Phase legen wir den Grundstein für die Kommerzialisierung."

Blaupause oder Sonderweg? Was Südkoreas Pilotversuch wirklich beweist

Project Hangang ist kein Experiment im stillen Kämmerlein mehr. Mit über 80.000 Teilnehmern in der ersten Phase und dem nun geplanten Ausbau auf neun Banken rückt das Projekt in eine Größenordnung vor, die echte Schlussfolgerungen erlaubt — zumindest technisch. Entscheidend ist dabei das gewählte Modell: Die Bank of Korea tritt nicht als direkter Ansprechpartner für Verbraucher auf. Stattdessen stellen die Geschäftsbanken sogenannte Deposit-Token aus — digitale Abbilder ihrer eigenen Einlagen —, während die Zentralbank die gemeinsame Infrastruktur im Hintergrund betreibt. Das klingt nach einem Kompromiss, ist aber in Wirklichkeit eine durchdachte Arbeitsteilung: Banken behalten ihre Kundenbeziehung, die Zentralbank behält die Kontrolle über das Fundament.

Für Europa ist dieses Modell hochrelevant. Die Europäische Zentralbank diskutiert beim digitalen Euro eine sehr ähnliche Architektur — Geschäftsbanken als Mittler, Zentralbank als stille Infrastruktur. Südkorea liefert nun reale Daten darüber, ob das im Alltag funktioniert.

Gleichzeitig zeigt der internationale Vergleich, wie unterschiedlich die Wege sind: Laut CoinDesk hat der US-Senat bereits ein Gesetz verabschiedet, das einen digitalen Dollar untersagen würde; Trumps Unterschrift steht dabei noch aus. Während Washington bremst, beschleunigt Seoul.

Für deutsche Leser bleibt eine wichtige Einschränkung: Was in Südkorea unter kontrollierten Pilotbedingungen funktioniert, ist kein Beweis, dass ein vergleichbares System in Europa reibungslos eingeführt werden könnte. Regulatorische, datenschutzrechtliche und politische Hürden — Stichwort DSGVO und Souveränitätsfragen — sind in der EU erheblich höher.

Zentralbankgeld trifft Bankeinlage: das Zwei-Schichten-Modell hinter Project Hangang

„Project Hangang" basiert auf einem Prinzip, das zunächst etwas technisch klingt, aber eine vertraute Logik hat: Die Bank of Korea stellt die digitale Infrastruktur — eine Art sicheres Schienennetz — bereit, während die Geschäftsbanken darauf ihre eigenen Token — digitale Einheiten, die einen Wert repräsentieren — ausgeben. Diese sogenannten Deposit-Token sind keine Münzen aus der Zentralbank-Druckmaschine, sondern digitale Versionen normaler Bankeinlagen.

Das Besondere: Beide Schichten greifen ineinander. Der Wholesale-CBDC — also das digitale Zentralbankgeld, das nur zwischen Banken und der Zentralbank fließt, nicht direkt in Bürgerhand — bildet das Fundament. Die Kunden wiederum nutzen die Deposit-Token ihrer Bank, gestützt auf dieses Fundament.

Wer verstehen möchte, wie programmierbares Geld — Geld, das automatisch bestimmte Bedingungen erfüllen kann — dabei eine Rolle spielt, bekommt mit den geplanten Subventionszahlungen per Deposit-Token einen konkreten Vorgeschmack.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen dem CBDC der Bank of Korea und einem normalen digitalen Bankkonto?

Der CBDC — also digitales Zentralbankgeld — ist eine Verbindlichkeit der Zentralbank selbst, ähnlich wie Bargeld in digitaler Form. Bei „Project Hangang" nutzen Verbraucher jedoch keine direkte CBDC, sondern sogenannte Deposit-Token — digitale Token, die Geschäftsbanken auf Basis der Zentralbank-Infrastruktur ausgeben. Das ähnelt einem normalen Kontoguthaben, ist aber technisch auf einer gemeinsamen Infrastruktur verankert.

Können südkoreanische Bürger jetzt schon mitmachen?

Noch nicht im großen Maßstab. „Project Hangang" ist weiterhin ein Pilotprojekt. Die erste Phase lief von April bis Juni 2025 mit rund 81.000 Teilnehmern — eine begrenzte Testgruppe. Erst die zweite Phase, die im September 2026 startet, soll neue Funktionen wie Überweisungen zwischen Privatpersonen und staatliche Subventionszahlungen erproben. Eine vollständige kommerzielle Einführung steht noch aus.

Quellen