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Bank of England ersetzt individuelle Haltelimits durch 40-Milliarden-Pfund-Obergrenzen für Stablecoins
Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 22. Juni 2026

Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Cointelegraph hat die Bank of England am 22. Juni 2026 ihre geplante Stablecoin-Regulierung grundlegend überarbeitet: Statt strenger individueller Obergrenzen — ursprünglich waren 20.000 Pfund pro Person vorgesehen — gilt künftig eine einheitliche Ausgabeobergrenze von 40 Milliarden Pfund pro systemischem Stablecoin. Für Europa ist das bedeutsam, denn Großbritannien positioniert sich damit als ernstzunehmender Standort für digitale Zahlungsmittel — und tritt in direkten Wettbewerb mit dem EU-Regulierungsrahmen MiCA.
Wie die neuen Regeln im Detail aussehen — und was sie erlauben
Die 40-Milliarden-Pfund-Obergrenze gilt pro systemischem Stablecoin — also für digitale Zahlungsmittel, die aufgrund ihrer Größe und Vernetzung als potenziell risikorelevant für das britische Finanzsystem eingestuft werden. Stablecoins, die diese Schwelle nicht erreichen und primär im Kryptohandel genutzt werden, fallen weiterhin unter die Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA), der britischen Finanzmarktaufsicht.
Laut übereinstimmenden Berichten von Bank of England Backs Down on Strict Stablecoin Holding Limits (CoinDesk) und Bank of England Stablecoin Rules Clear Path for 2027 Launch (Cointelegraph) dürfen Emittenten künftig bis zu 70 Prozent ihrer Reserven in kurzlaufende britische Staatsanleihen mit einer Laufzeit unter sechs Monaten investieren. Der verbleibende Anteil von mindestens 30 Prozent muss als unverzinste Einlage bei der Zentralbank gehalten werden.
Für Verbraucher klar geregelt: Zinszahlungen an Stablecoin-Halter bleiben ausdrücklich verboten — die BoE will verhindern, dass Stablecoins zu einer Art digitalem Sparkonto werden. Erlaubt sind dagegen aktivitätsbasierte Belohnungen wie Cashback oder Treuepunkte über Apps. Die Ausgabeobergrenze soll schrittweise wegfallen, sobald sich der Markt stabilisiert hat; das Regelwerk ist für Ende 2026 zur Finalisierung vorgesehen, der Start für 2027 geplant.
Warum diese Kehrtwende mehr ist als eine technische Regelkorrektur
Die Entscheidung der Bank of England ist vor allem ein Signal darüber, wie Regulierung entsteht — und wie sie sich verändern lässt. Dass ein Ausschuss des House of Lords gemeinsam mit der Krypto-Industrie einen Zentralbank-Entwurf so grundlegend umschreiben konnte, ist kein Selbstläufer. Es zeigt: Wer frühzeitig und konkret argumentiert, kann auch in einem sicherheitsorientierten regulatorischen Umfeld Gehör finden.
Inhaltlich ist der Wechsel von individuellen Haltelimits zu einer emittentenseitigen Ausgabeobergrenze eine wesentliche Logikverschiebung. Statt das Risiko beim einzelnen Nutzer zu deckeln, setzt die BoE nun auf eine systemische Größenbremse — also eine Begrenzung, die greift, bevor ein Stablecoin so groß wird, dass sein Ausfall das Finanzsystem gefährden könnte. Das ist konzeptionell näher an klassischer Bankenregulierung als an Verbraucherschutz.
Für europäische Beobachter ist der Vergleich mit dem EU-Rahmen MiCA naheliegend — aber Vorsicht: Direkte Regelvergleiche sind auf Basis der vorliegenden Berichte nicht seriös möglich. Was sich sagen lässt: Großbritannien erprobt einen eigenen Ansatz mit eigenem Zeitplan. Das schafft parallel laufende Regulierungsmodelle, die internationale Emittenten künftig navigieren müssen.
Wichtig bleibt: Das britische Regelwerk ist noch kein geltendes Recht. Die Finalisierung ist für Ende 2026 geplant, der Start für 2027. Bis dahin sind weitere Anpassungen ausdrücklich möglich — die aktuelle Fassung ist ein Entwurf, kein Abschluss.
Was Stablecoins sind – und warum ihre Regulierung so heikel ist
Ein Stablecoin ist eine Kryptowährung, deren Wert an eine stabile Referenzgröße gekoppelt ist — meist an eine klassische Währung wie den US-Dollar oder das britische Pfund. Das klingt unspektakulär, hat aber eine wichtige Konsequenz: Stablecoins funktionieren im Alltag wie digitales Buchgeld und könnten theoretisch klassische Bankkonten für Zahlungen ersetzen.
Genau das macht Zentralbanken nervös. Wenn Millionen Menschen ihre Ersparnisse in einen privat ausgegebenen Stablecoin verlagern, verliert die Zentralbank einen Teil ihrer Kontrolle über den Geldkreislauf. Umgekehrt: Bricht das Vertrauen in einen weit verbreiteten Stablecoin ein, könnte das eine Art digitalen Bankensturm auslösen.
Die Bank of England unterscheidet deshalb zwischen systemischen Stablecoins — solchen, die so verbreitet sind, dass ihr Ausfall das Finanzsystem gefährden könnte — und kleineren, die hauptsächlich im Krypto-Handel genutzt werden. Für erstere gelten die neuen, strengeren Regeln der BoE; letztere bleiben unter der Aufsicht der FCA, der britischen Finanzmarktaufsichtsbehörde.