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Banca d'Italia-Studie: Stablecoin-Überweisungen oft nicht billiger als traditionelle Anbieter
Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 01. August 2026

Wer Geld ins Ausland schickt, hat vielleicht gehört, dass Stablecoins — also digitale Münzen, deren Wert an eine klassische Währung wie den US-Dollar gekoppelt ist — dabei günstiger sein sollen als klassische Banküberweisung. Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Cointelegraph zeigt eine aktuelle Mystery-Shopping-Studie der Banca d'Italia, der Zentralbank Italiens, dass das in der Praxis nur bedingt stimmt: Je nach Zielland können die tatsächlichen Gesamtkosten deutlich höher ausfallen, als die reine Blockchain-Technik vermuten lässt.
Kosten zwischen 0,3 und 9 Prozent: Was die Studie konkret gemessen hat
Für ihre Untersuchung (Markets, Infrastructures and Payment Systems Paper Nr. 86) schickten die Forscher der Banca d'Italia insgesamt 200 Testtransaktionen mit USDC — einem an den US-Dollar gebundenen Stablecoin — durch zehn verschiedene Zahlungskorridore, jeweils in beide Richtungen. Die Zielländer reichten von Brasilien und Argentinien über Japan bis hin zu den Vereinigten Arabischen Emiraten und Südafrika.
Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Cointelegraph lagen die Gesamtkosten je nach Korridor zwischen etwa 0,3 und knapp 9 Prozent des überwiesenen Betrags. Die eigentlichen Blockchain-Gebühren — also das, was das Netzwerk für die Abwicklung der Transaktion verlangt — spielten dabei kaum eine Rolle. Den Löwenanteil der Kosten verursachten stattdessen Währungsumtauschgebühren, Devisenspreads und Entgelte lokaler Banknetzwerke: also alles, was vor und nach der eigentlichen Überweisung auf der Blockchain anfällt.
Beim Vergleich mit dem von der Weltbank gemeldeten globalen Durchschnitt von 6,65 Prozent schnitten Stablecoin-Überweisungen in den meisten Korridoren besser ab. Gegenüber dem spezialisierten Online-Dienst Wise war das jedoch nur in drei von sieben vergleichbaren Routen der Fall. Bei der Geschwindigkeit punkteten Stablecoins dort, wo Echtzeit-Zahlungssysteme verfügbar waren: Die Abwicklung dauerte weniger als 20 Minuten — andernfalls waren es ein bis zwei Werktage, vergleichbar mit einer klassischen Banküberweisung.
Günstig auf der Blockchain, teuer davor und danach — wo das Geld wirklich bleibt
Der eigentliche Befund der Studie ist subtiler als die Schlagzeile vermuten lässt: Die Blockchain-Technik selbst ist nicht das Problem. Die Transaktionsgebühren auf der Kette waren verschwindend gering. Was die Kosten in die Höhe treibt, ist der Weg dorthin — und der Weg zurück. Wer Euro in USDC umtauscht, zahlt. Wer beim Empfänger USDC zurück in brasilianische Real oder südafrikanische Rand wandelt, zahlt erneut. Dazwischen liegt häufig ein lokales Banknetzwerk, das ebenfalls Gebühren erhebt.
Das ist keine Schwäche der Kryptotechnologie, sondern ein strukturelles Problem der Schnittstelle zwischen digitalem und klassischem Finanzsystem — dem sogenannten Off-Ramp. Solange Empfänger im Alltag nicht direkt mit Stablecoins bezahlen können, bleibt diese Umwandlung unvermeidlich.
Für deutsche Nutzer ist der regulatorische Rahmen dabei entscheidend. Unter MiCA — dem neuen EU-weiten Regelwerk für Kryptowerte — werden Anbieter, die den Euro-Ausgang einer solchen Überweisung abwickeln, lizenzpflichtig und stärker beaufsichtigt. Das könnte mittelfristig den Wettbewerb unter Off-Ramp-Anbietern erhöhen und Gebühren drücken.
Die Studie stellt Stablecoins keineswegs ein schlechtes Zeugnis aus. Gegenüber dem weltweiten Durchschnitt klassischer Überweisungsanbieter schnitten sie in den meisten Testkorridoren günstiger ab. Das Versprechen, auch gegen die günstigsten digitalen Alternativen mithalten zu können, ist jedoch noch nicht eingelöst — solange Fiat-Währung am Start und am Ziel unvermeidlich bleibt.
Wenn die Technik günstig ist, aber der Rest nicht: So funktioniert Geld-Transfer mit Stablecoins
Internationale Überweisungen laufen traditionell über ein Netz aus Banken und Zwischenhändlern — jede Station kostet. Der Reiz von USDC und ähnlichen Stablecoins: Die eigentliche Übertragung auf der Blockchain ist technisch betrachtet sehr günstig, schnell und rund um die Uhr verfügbar.
Das klingt nach einem klaren Vorteil — doch der Weg vom Euro zum Stablecoin und zurück in die Lokalwährung des Empfängers führt zwangsläufig durch zwei Umtauschpunkte. Dort fallen Transaktionsgebühren, Devisenspreads — also der Unterschied zwischen Ankaufs- und Verkaufskurs beim Währungstausch — und Gebühren lokaler Bankdienstleister an. Diese sogenannten On- und Off-Ramp-Kosten entstehen also vor und nach der eigentlichen Blockchain-Übertragung, nicht während ihr.
Genau hier setzt die Banca-d'Italia-Studie an: Sie fragt, was eine Stablecoin-Überweisung in der Realität kostet — inklusive aller Schritte, nicht nur der Blockchain-Gebühr.
Häufige Fragen
Warum sind Stablecoin-Überweisungen nicht automatisch günstig, wenn die Blockchain-Gebühren so niedrig sind?
Die reinen Netzwerkgebühren — also die Kosten für den On-Chain-Transfer — machten in der Studie nur einen vernachlässigbaren Teil der Gesamtkosten aus. Das eigentliche Problem liegt davor und danach: Wer Euro in USDC umtauscht und am Zielort wieder in lokale Währung wechselt, zahlt dabei Umtauschgebühren, Devisenspreads und Gebühren lokaler Banknetzwerke — und genau diese Posten summieren sich.
Wäre der Kostenvorteil größer, wenn man die Stablecoins direkt ausgeben könnte?
Ja, das legt die Studie nahe. Solange Empfänger den USDC nicht direkt im Alltag — etwa beim Einkaufen — nutzen können, muss er in lokale Währung zurückgetauscht werden. Genau dieser Rückumwandlungsschritt verursacht einen Großteil der Gebühren. Könnten Stablecoins direkt in der Realwirtschaft zirkulieren, würde dieser Kostentreiber weitgehend wegfallen.