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AFM und DNB fordern klaren Rechtsrahmen für Wertpapier-Tokenisierung in den Niederlanden

Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 07. Oktober 2026

AFM und DNB fordern klaren Rechtsrahmen für Wertpapier-Tokenisierung in den Niederlanden

Die niederländischen Finanzaufsichtsbehörden AFM und DNB haben am 7. Oktober 2026 eine gemeinsame Untersuchung veröffentlicht, die eine klare regulatorische Lücke aufzeigt: Das geltende niederländische Recht bietet keine ausreichende Grundlage dafür, Wertpapiere vollständig als digitale Token auszugeben, zu halten und zu übertragen. Für deutsche Leser ist das kein rein niederländisches Problem — dieselbe Grundsatzfrage, wie traditionelle Wertpapiere rechtssicher auf die Blockchain gebracht werden können, beschäftigt Aufsichtsbehörden und Gesetzgeber in ganz Europa.

Wertpapier-Token ohne Rechtsgrundlage: Was die Untersuchung konkret festgestellt hat

Der Kern des Problems liegt in der sogenannten nativen Tokenisierung: Wertpapiere, die ausschließlich als Token — digitale Einheiten auf einer Blockchain — existieren, ohne dass daneben ein klassisches Register geführt wird. Genau das lässt das niederländische Recht derzeit nicht zu, wie die Verkenning tokenisatie van effecten (AFM) festhält.

In der Praxis weichen Marktakteure deshalb auf hybride Konstruktionen aus: Eine DLT-basierte Verwaltung — also die Führung eines digitalen Registers auf einem Distributed Ledger — läuft parallel zu einem traditionellen Wertpapierregister. Diese Doppelregistrierung kostet Zeit und Ressourcen und frisst genau die Effizienzgewinne auf, die Tokenisierung eigentlich versprechen würde.

Finanzinstitute, Marktinfrastrukturen und Zentralbanken investieren zunehmend in DLT-Anwendungen, um Finanzwerte digital zu registrieren, zu halten und zu handeln. Andere europäische Länder haben dafür bereits rechtliche Anpassungen vorgenommen — die Niederlande haben das bislang nicht getan und drohen laut AFM und DNB den Anschluss zu verlieren.

AFM und DNB fordern deshalb einen strukturierten gemeinsamen Prozess mit Regierung, Aufsichtsbehörden und Marktteilnehmern. Offen ist noch, ob eine Klarstellung bestehender Regeln genügt oder ob Gesetze angepasst werden müssen.

Warum das niederländische Warnsignal auch für Deutschland zählt

Das Bemerkenswerte an der Untersuchung ist nicht, dass es eine Rechtslücke gibt — sondern dass zwei nationale Aufseher sie so öffentlich und gemeinsam benennen. Damit üben AFM und DNB politischen Druck aus: auf die eigene Regierung, aber auch auf den europäischen Gesetzgeber. Der Subtext lautet: Wer jetzt nicht handelt, verliert den Anschluss.

Für Deutschland ist das aus zwei Gründen relevant. Erstens hat der deutsche Gesetzgeber mit dem Gesetz über elektronische Wertpapiere (eWpG) von 2021 bereits einen eigenen Weg beschritten — Token-basierte Wertpapiere sind hierzulande unter bestimmten Bedingungen möglich. Das verschafft Deutschland einen Vorsprung, bedeutet aber nicht, dass alle Fragen geklärt sind. Grenzüberschreitende Transaktionen zwischen Ländern mit unterschiedlichen nationalen Lösungen erzeugen neue Reibungspunkte.

Zweitens zeigt der niederländische Fall, wie begrenzt europäische Übergangslösungen allein wirken. Das EU-weit gültige DLT-Pilotregime — ein befristetes Testfeld, das Finanzinfrastrukturen erproben dürfen — setzt bewusst auf freiwillige Teilnahme und ändert nationales Recht nicht. Wer auf nationaler Ebene keine saubere Grundlage hat, kann europäische Experimente nicht vollständig nutzen.

Was die Untersuchung ausdrücklich nicht ist: ein Regulierungsentwurf oder eine Ankündigung neuer Regeln. AFM und DNB öffnen eine Tür — welche Partei sie durchschreitet und wann, ist offen. Das ist kein Scheitern, sondern der normale Vorlauf für echte Gesetzgebung. Für Marktteilnehmer bedeutet es: Rechtssicherheit bleibt abzuwarten.

Wenn Aktien zu Token werden: Was hinter dem Begriff steckt

Bei der sogenannten nativen Tokenisierung werden Wertpapiere — also etwa Aktien oder Anleihen — nicht einfach digital abgebildet, sondern von Anfang an ausschließlich als Security Token ausgegeben. Das bedeutet: Eigentum, Übertragung und Verwahrung finden vollständig auf einem Distributed Ledger statt — einer Art gemeinsam geführtem, fälschungssicherem digitalen Register, auf das viele Teilnehmer gleichzeitig zugreifen können, ohne dass eine zentrale Stelle alles kontrolliert.

Der Unterschied zu klassischen Wertpapieren liegt vor allem in der Infrastruktur: Statt Papierdokumenten oder Einträgen in zentralen Bankregistern regeln Programmcode und kryptografische Verfahren, wem ein Wertpapier gehört und wer es übertragen darf. Das verspricht schnellere Abwicklung und weniger manuelle Zwischenschritte — aber nur, wenn der rechtliche Rahmen mitspielt. Genau daran fehlt es in den Niederlanden bislang.

Häufige Fragen

Was bedeutet „native Tokenisierung" von Wertpapieren?

Bei der nativen Tokenisierung existiert ein Wertpapier — etwa eine Aktie oder Anleihe — ausschließlich als digitaler Token auf einer Blockchain. Es gibt kein paralleles Papierdokument und kein klassisches Register daneben. Genau das ist nach geltendem niederländischen Recht derzeit nicht möglich: Wer Wertpapiere tokenisieren will, muss zusätzlich eine herkömmliche Verwaltung führen — was den erhofften Effizienzgewinn erheblich schmälert.

Haben AFM und DNB mit ihrer Untersuchung neue Regeln geschaffen?

Nein. Die gemeinsame Untersuchung ist eine Bestandsaufnahme, kein Gesetz und kein verbindlicher Regulierungsakt. AFM und DNB beschreiben darin die bestehende Rechtslage und rufen Regierung, Aufsichtsbehörden und Marktakteure dazu auf, gemeinsam zu klären, ob die vorhandenen Regeln lediglich präzisiert oder grundlegend angepasst werden müssen. Die Entscheidung liegt beim Gesetzgeber.

Warum ist ein klarer Rechtsrahmen für die Tokenisierung überhaupt wichtig?

Ohne Rechtssicherheit scheuen Finanzinstitutionen Investitionen — oder verlagern sie in Länder mit klareren Regeln. Andere europäische Staaten haben laut AFM und DNB bereits entsprechende rechtliche Grundlagen geschaffen. Fehlt eine solche Basis, droht ein Land im Wettbewerb um innovative Finanzmarktinfrastrukturen zurückzufallen.

Quellen