Glossar
Wrapped Bitcoin (WBTC)
Aktualisiert 12. Juni 2026
Wrapped Bitcoin (WBTC) ist ein Wrapped Token nach dem ERC-20-Standard, der Bitcoin im Verhältnis 1:1 auf der Ethereum-Blockchain abbildet. Für jeden umlaufenden WBTC liegt exakt ein BTC bei einem autorisierten Custodian verwahrt – der Token ist damit eine tokenisierte Darstellung von Bitcoin, die mit Ethereum-Smart-Contracts und DeFi-Protokollen kompatibel ist.
Warum WBTC existiert
Bitcoin und Ethereum sind getrennte Blockchains mit unterschiedlichen Protokollen. Natives BTC kann deshalb nicht direkt in Ethereum-Anwendungen genutzt werden – etwa in dezentralen Börsen, Lending-Protokollen oder Liquiditätspools. WBTC löst dieses Kompatibilitätsproblem, indem es die Liquidität und den wirtschaftlichen Wert von Bitcoin in das Ethereum-Ökosystem überträgt, ohne dass die ursprünglichen BTC den Custody-Prozess verlassen müssen.
Funktionsweise: Minting und Burning
Das System beruht auf einem klar definierten Zweistufenprozess mit zwei Akteursrollen:
Custodians verwahren das tatsächliche Bitcoin in Reserve. Primärer Custodian ist BitGo Trust. Merchants sind autorisierte Händler und Institutionen, die als Schnittstelle zwischen Endnutzern und Custodians fungieren.
Beim Wrapping überträgt der Merchant BTC an den Custodian; dieser sperrt die Coins und mintet eine äquivalente Menge WBTC auf Ethereum. Beim Unwrapping läuft der Prozess umgekehrt: WBTC wird geburnt, das entsprechende BTC freigegeben. Beide Vorgänge sind on-chain nachvollziehbar.
Das übergeordnete Governance-Gremium ist das Wrapped Tokens DAO, dessen Kernakteure Kyber, Ren und BitGo sind. Insgesamt umfasst das WBTC-Netzwerk 65 Projekte, Protokolle und Unternehmen, darunter Lending- und Borrowing-Plattformen sowie dezentrale Exchanges.
Transparenz und Risiken
Der umlaufende WBTC-Bestand ist öffentlich einsehbar (Proof of Reserve), sodass die 1:1-Deckung jederzeit überprüfbar ist. Dennoch bleibt ein strukturelles Merkmal bestehen: Nutzer vertrauen bei WBTC einem zentralen Custodian – ein Unterschied zu nativem Bitcoin, wo selbst verwahrte Coins ohne Gegenparteirisiko gehalten werden können (siehe Non-Custodial Wallet). Regulatorische Eingriffe, Custodian-Insolvenz oder technische Smart-Contract-Fehler zählen zu den spezifischen Risikofaktoren, die WBTC von BTC unterscheiden.
WBTC ist kein Ersatz für Bitcoin, sondern ein Brückeninstrument für Anwendungsfälle, die native Ethereum-Kompatibilität erfordern.