KryptoRatgeber

Glossar

Value Area

Aktualisiert 12. Juni 2026

Value Area ist eine Preiszone innerhalb eines bestimmten Handelszeitraums, in der ungefähr 70 % des gesamten Handelsvolumens stattgefunden hat – sie markiert den Bereich, den Marktteilnehmer kollektiv als fairen Wert akzeptiert haben.

Aufbau und Berechnung

Die Value Area wird auf Basis von Market-Profile- oder Volume-Profile-Daten berechnet. Sie setzt sich aus drei Schlüssellevels zusammen: dem Value Area High (VAH) als oberer Grenze, dem Value Area Low (VAL) als unterer Grenze sowie dem Point of Control (POC) – demjenigen Einzelpreisniveau, an dem das meiste Volumen umgesetzt wurde.

Die Schwelle von 70 % ist keine willkürliche Konvention, sondern leitet sich aus der Statistik ab: Sie entspricht näherungsweise einer Standardabweichung um den Mittelwert einer Normalverteilung. Das Konzept überträgt damit eine wahrscheinlichkeitstheoretische Logik auf Preisdaten – mit der Annahme, dass sich Märkte um einen fairen Gleichgewichtspreis herum bewegen.

Die 80-%-Regel

Eine häufig zitierte Anwendung ist die sogenannte 80-%-Regel: Kehrt der Kurs nach einem Ausbruch aus der Value Area in diese zurück und verbleibt zwei aufeinanderfolgende Kerzen innerhalb der Zone, gilt eine erhöhte statistische Wahrscheinlichkeit, dass der Kurs die gesamte Value Area bis zur gegenüberliegenden Grenze durchquert. Ein konkretes Beispiel: Bricht der Kurs über das VAH aus, fällt aber anschließend wieder darunter und bildet zwei Kerzen innerhalb der Zone, antizipieren Händler häufig eine Bewegung bis zum VAL.

VAH und VAL fungieren dabei als dynamische Handelsvolumen-basierte Support- und Resistance-Zonen, die institutionelle Positionierungsbereiche widerspiegeln sollen – im Unterschied zu klassischen charttechnischen Linien, die allein auf Kursverläufen beruhen.

Einordnung und Grenzen

Die Value Area ist ein deskriptives Analysewerkzeug, kein prädiktives. Dieser Glossar-Eintrag ist kein Handelssignal. Wie alle technischen Konzepte kann auch die Value Area scheitern: Nachrichten, Liquiditätsschocks oder strukturelle Marktbrüche können jede volumenbasierte Zone umgehend außer Kraft setzen. Kryptomärkte sind zudem durch fragmentierte Handelsplätze und abweichende Volumendaten zusätzlich fehleranfällig, was die Verlässlichkeit der berechneten Zonen im Vergleich zu regulierten Terminmärkten einschränken kann.

Verwandte Begriffe