KryptoRatgeber

Glossar

Token-Standard

Aktualisiert 12. Juni 2026

Ein Token-Standard ist ein verbindlicher Satz technischer Regeln, der festlegt, welche Funktionen und Schnittstellen ein Smart Contract implementieren muss, damit der darauf basierende Token mit Wallets, dezentralen Börsen und dezentralen Anwendungen (dApps) kompatibel ist.

Wie Token-Standards funktionieren

Token werden nicht direkt in einer Blockchain-Protokollschicht verankert, sondern als Smart Contracts auf einer bestehenden Blockchain betrieben. Damit diese Verträge reibungslos miteinander kommunizieren können, brauchen sie eine gemeinsame Sprache – das ist die Aufgabe des Token-Standards. Er schreibt vor, welche Methoden ein Contract bereitstellen muss: etwa das Abfragen eines Kontostands, das Übertragen von Einheiten oder das Genehmigen von Ausgaben durch Dritte. Hält sich ein Projekt an diesen Vertrag, kann jede kompatible Wallet oder jede dApp den Token sofort verstehen und verarbeiten, ohne projektspezifischen Code zu kennen.

Entscheidend ist dabei die Adoption: Eine Spezifikation wird erst dann zum echten Standard, wenn eine breite Entwicklergemeinschaft sie übernimmt und anwendet. Ohne diese kollektive Akzeptanz bleibt ein Regelwerk ein technischer Vorschlag ohne praktische Wirkung.

Die wichtigsten Beispiele

Der bekannteste Standard ist ERC-20 (Ethereum Request for Comment 20), den Ethereum-Entwickler 2015 einführten. Er regelt fungible Token – also Einheiten, die untereinander vollständig austauschbar sind, ähnlich wie Geldscheine gleicher Stückelung. ERC-20 wurde zur Grundlage des ICO-Booms von 2017, weil Projekte damit schnell eigene Token auf Ethereum ausgeben konnten, die sofort von bestehender Infrastruktur unterstützt wurden.

Darüber hinaus existieren Standards für andere Anwendungsfälle: ERC-721 definiert nicht-fungible Token (NFTs), bei denen jede Einheit einzigartig und nicht durch eine andere ersetzbar ist. ERC-1155 kombiniert Eigenschaften beider Vorgänger und ermöglicht es, fungible und nicht-fungible Token innerhalb eines einzigen Smart Contracts zu verwalten – praktisch etwa für Blockchain-basierte Spiele, in denen Währungen und einzigartige Gegenstände nebeneinander existieren.

Token-Standards sind zudem chain-spezifisch. Andere Blockchains haben eigene Spezifikationen entwickelt – so entspricht BEP-20 auf der BNB Chain funktional weitgehend ERC-20, gilt aber ausschließlich innerhalb dieses Netzwerks. Ein ERC-20-Token ist damit nicht automatisch auf einer anderen Blockchain verwendbar; für kettenübergreifende Nutzung sind zusätzliche Protokollschichten nötig.

Für Anwender bedeutet das konkret: Eine Wallet, die einen bestimmten Standard unterstützt, kann prinzipiell alle Token dieses Standards verwalten – unabhängig davon, welches Projekt den Token ausgegeben hat.

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