Glossar
Tendermint
Aktualisiert 12. Juni 2026
Tendermint ist ein quelloffenes Konsensprotokoll und Middleware-Framework, das es erlaubt, Byzantine-Fault-Tolerant-(BFT)-Blockchains zu bauen – unabhängig davon, in welcher Programmiersprache die Anwendungslogik geschrieben ist. Es wurde 2014 von Jae Kwon entwickelt und bildet bis heute die technische Grundlage des Cosmos-Ökosystems sowie zahlreicher weiterer Netzwerke.
Zwei Kernkomponenten
Tendermint besteht aus zwei klar getrennten Schichten:
Tendermint Core übernimmt die eigentliche Konsens-Engine: Validatoren stimmen in mehreren Runden über neue Blöcke ab. Das Protokoll toleriert bis zu einem Drittel byzantinisch fehlerhafter Knoten – also Teilnehmer, die aktiv böswillig agieren oder falsche Informationen senden – ohne die Sicherheit des Netzwerks zu gefährden.
ABCI (Application BlockChain Interface) trennt die Konsensschicht von der Anwendungslogik. Über dieses standardisierte Interface kann eine Blockchain-Anwendung in Go, Rust, Python oder jeder anderen Sprache geschrieben werden; Tendermint Core kümmert sich ausschließlich um die Einigung auf die Blockreihenfolge. Diese Trennung ist der entscheidende Architekturvorteil gegenüber monolithischen Designs wie dem frühen Ethereum.
Sofortige Finalität statt Probabilistik
Ein zentraler Unterschied zu Proof-of-Work-Systemen: Tendermint erreicht sofortige Finalität. Sobald zwei Drittel der Validatoren einen Block bestätigt haben, gilt er als unwiderruflich – es gibt keine konkurrierenden Kettenzweige (Forks) unter normalen Betriebsbedingungen. Bitcoin-Nutzer hingegen warten typischerweise mehrere Blöcke, um statistisch ausreichende Sicherheit zu erhalten.
Das macht Tendermint besonders geeignet für Anwendungsfälle, bei denen Transaktionsendgültigkeit ohne Verzögerung erforderlich ist, etwa bei IBC (Inter-Blockchain Communication) – dem Protokoll, das im Cosmos-Ökosystem den sicheren Transfer von Assets zwischen eigenständigen Blockchains ermöglicht.
Weiterentwicklung: CometBFT
Im Jahr 2023 wurde Tendermint Core unter dem Namen CometBFT neu ausgerichtet. Der Namenswechsel spiegelt die gewachsene Nutzerbasis außerhalb von Cosmos wider und signalisiert eine breitere Positionierung als allgemeine BFT-Konsens-Engine. Protokoll und Schnittstellen blieben dabei kompatibel; bestehende Implementierungen mussten nicht grundlegend überarbeitet werden.
Zusammenfassend lässt sich Tendermint als eine Art „Konsens-as-a-Service"-Schicht beschreiben: Entwickler definieren, was ihre Blockchain tun soll; Tendermint Core regelt, wie sich die Netzwerkteilnehmer darüber einigen.