KryptoRatgeber

Glossar

Tasse mit Henkel

Aktualisiert 12. Juni 2026

Tasse mit Henkel ist ein chartechnisches Muster aus der Technischen Analyse, das aus zwei aufeinanderfolgenden Phasen besteht: einer U-förmigen, abgerundeten Bodenformation (die „Tasse") und einer anschließenden kurzen Konsolidierungs- oder Korrekturphase (der „Henkel"). Es gilt als bullisches Fortsetzungs- oder Umkehrmuster und wird in Aktien-, Forex- sowie Kryptomärkten auf verschiedenen Zeitebenen beobachtet.

Aufbau und Logik des Musters

Die Tasse entsteht, wenn der Kurs nach einem vorherigen Aufwärtstrend graduell nachgibt, einen abgerundeten Boden ausbildet und anschließend wieder auf das Ausgangsniveau – den oberen Widerstandsbereich – ansteigt. Entscheidend ist das sanfte, gleichmäßige Kursbild: Ein V-förmiger Einbruch gilt nicht als klassische Tasse. Der Henkel folgt unmittelbar danach: Der Kurs zieht sich nochmals leicht zurück, oft in Form einer Bullenflagge oder eines engen Konsolidierungsbereichs, bevor er erneut nach oben ausbricht.

Beim Volumen gilt folgende Faustregel: Es sollte während der Tassenbildung tendenziell abnehmen und beim Ausbruch aus dem Henkel wieder merklich ansteigen. Fehlt dieses Volumenprofil, ist die Signalqualität des Musters aus Sicht der Technischen Analyse schwächer einzustufen.

Einordnung und Grenzen

Klare, lehrbuchmäßige Beispiele des Musters sind in der Praxis selten. Die Erkennung ist subjektiv: Zwei erfahrene Trader können denselben Chart unterschiedlich interpretieren – der eine sieht eine ausgeprägte Tasse, der andere eine unstrukturierte Seitwärtsbewegung. Hinzu kommt, dass das Muster auf verschiedenen Zeitebenen (Stundenchart, Tageschart, Wochenchart) ganz unterschiedlich ausgeprägt erscheinen kann.

Wichtiger Hinweis: Das Muster der Tasse mit Henkel ist kein Handelssignal und keine Handlungsempfehlung. Wie alle Chartmuster und Indikatoren kann es scheitern – auch dann, wenn sämtliche klassischen Kriterien erfüllt scheinen. Kursverläufe können sich jederzeit anders entwickeln als erwartet. Die Kenntnis des Musters dient dem Verständnis einer in der Technischen Analyse verbreiteten Denkweise, nicht der Ableitung von Kurszielen oder Einstiegspunkten.

Das Muster wurde maßgeblich von William O'Neil in den 1980er-Jahren für den Aktienmarkt beschrieben und findet seither breite Anwendung – auch in der Analyse von Kryptowährungen, wo die hohe Volatilität die Mustererkennung zusätzlich erschwert.

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