Glossar
Stock-to-Flow-Modell
Aktualisiert 12. Juni 2026
Das Stock-to-Flow-Modell (kurz: S2F) ist ein Bewertungsrahmen, der die Knappheit eines Vermögenswerts quantifiziert, indem er den vorhandenen Gesamtbestand (Stock) ins Verhältnis zur jährlich neu produzierten Menge (Flow) setzt. Ein hoher Quotient signalisiert, dass neue Einheiten nur langsam zur bestehenden Menge hinzukommen – der Vermögenswert gilt damit als knapp.
Herkunft und Formel
Das Modell stammt ursprünglich aus der Rohstoffbewertung, wo es für Gold und Silber eingesetzt wird. Im Januar 2019 übertrug der anonyme Analyst PlanB das Konzept auf Bitcoin. Die Formel lautet:
S2F-Ratio = Umlaufender Bestand ÷ Jährlich neu produzierte Menge
Ein Beispiel: Beträgt der umlaufende Bestand eines Rohstoffs 60.000 Tonnen und die jährliche Neuproduktion 3.000 Tonnen, ergibt sich eine S2F-Ratio von 20 – das bedeutet, es würde 20 Jahre dauern, den aktuellen Bestand allein durch laufende Produktion zu verdoppeln.
Auf Bitcoin angewendet steigt diese Ratio mit jedem Bitcoin Halving automatisch an, weil das Halving den Flow halbiert, während der Stock weiterwächst. Das fixe Maximalangebot von 21 Millionen Coins und der algorithmisch festgelegte Emissionsplan machen Bitcoin strukturell vergleichbar mit knappen Rohstoffen. PlanB verknüpfte die S2F-Ratio logarithmisch mit dem Marktpreis und leitete daraus eine Beziehung ab, nach der steigende Knappheit mit höheren Preisen korreliert.
Kritik und Grenzen
Das Modell hat eine breite Debatte ausgelöst. Kritiker nennen mehrere strukturelle Schwächen:
- Angebotsorientierung: Das S2F-Modell berücksichtigt ausschließlich das Angebot. Nachfragefaktoren – etwa regulatorische Eingriffe, makroökonomische Bedingungen oder technologische Veränderungen – bleiben vollständig außen vor.
- Kurvenpassung auf historischen Daten: Die Korrelation zwischen S2F-Ratio und Preis wurde nachträglich an vergangenen Kursdaten angepasst. Ob sie sich in die Zukunft fortschreiben lässt, ist empirisch nicht belegt.
- Konstanzannahme: Das Modell setzt voraus, dass die Preis-Knappheits-Beziehung stabil bleibt – eine Annahme, die in dynamischen Märkten kaum dauerhaft gilt.
Wichtiger Hinweis: Das Stock-to-Flow-Modell ist ein analytisches Konzept zur Einordnung von Angebotsknappheit – kein Handelssignal und keine Kursprognose. Wie alle modellbasierten Ansätze kann es scheitern. Anlageentscheidungen sollten niemals auf einem einzelnen Indikator basieren.